PfadnavigationHomePanorama„Studio 9 – Der Tag mit…“„Die Zeche zahlt die Zivilbevölkerung und die oberen ein Prozent sind weg“, erklärt Harald SchmidtVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 30.04.2026Lesedauer: 4 Minuten„Wir wurschteln uns so durch. Wir sind aber weltweit immer noch ganz weit vorn, wenn ich das Gesamtpaket sehe“, sagt SchmidtQuelle: picture alliance/Bonn.digital | Marc JohnEntertainer Harald Schmidt lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. In einem Format von Deutschlandfunk Kultur blickte er gelassen auf die AfD, die verzögerten schwarz-roten Reformen und die globalen Krisenherde. Nur an einer Stelle ließ er sich in die Karten schauen.Harald Schmidt schlendert mit demonstrativer Gelassenheit durchs Leben. Im Podcast „Studio 9 – Der Tag mit …“ äußerte sich der frühere Late-Night-Talker distanziert zur Tagespolitik. „Hat es etwas mit mir zu tun – ja oder nein?“, frage er sich im Hinblick auf die Berichterstattung. „Wer entscheidet, welcher Krieg angeblich für mich wichtig ist? Ist es die Ukraine, ist es der Gazastreifen, ist es der Libanon, ist es der Iran, ist es der Konflikt zwischen der Friedensnation Pakistan und den Taliban und Indien? Ist es etwa der Sudan, der es gerade mal zwei Minuten in die Nachrichten schafft? Und wenn Sie das einmal durchdeklinieren, müssen wir einfach sagen: Danke, wir gehen in die Werbung.“Den hiesigen Medien warf er vor, stets zu vermitteln, dass sich Deutschland am Abgrund befinde. Bei seinen regelmäßigen Zugfahrten nehme er eine Stimmung wahr, die „wesentlich besser“ sei, als behauptet werde. „Das ist eine Sache für die Talkshow-Industrie, die natürlich jeden Tag fünf neue Gäste braucht. Und wenn ich immer den Satz höre in den Talkshows, ‚Deutschland spricht darüber‘, sage ich: Welches Deutschland meint ihr?“, beanstandete Schmidt. „Deutschland weiß gar nicht, was ihr für ein Thema habt.“ Mittlerweile ließen sich die Probleme Deutschlands mitbeten. Die Energie- und Arbeitskosten lägen zu hoch, die Bürokratie falle zu umfangreich aus. „Aber ich würde mich niemals erdreisten, von außen irgendwelche Analysen oder Ratschläge zu geben.“ Schmidt vermied es auch, sich an Bundeskanzler Friedrich Merz abzuarbeiten. „Selbst wenn er wollte, er muss Rücksicht auf Drei-Blazer-Bärbel nehmen und den feschen Lars. So ist Politik – es tut mir leid, dass ich hier mit dieser Plattitüde aufwarten muss“, erklärte er vor Live-Publikum in Kaiserslautern. „Man könnte die Reformen vermutlich durchziehen, wenn man ohne Rücksicht auf Verluste sagt: Wir machen das jetzt. Das heißt dann auch natürlich, man verliert die nächste Wahl.“Lesen Sie auchEntspannt blickte der Entertainer auch auf die möglichen kommenden Wahlerfolge der AfD. „Wir haben in Deutschland zum Glück freie, gleiche und geheime Wahlen, und da wird gewählt, wie man will. Und dann ist es die Aufgabe der Politik, damit umzugehen.“ Alternativ müsste das Wahlergebnis vorab festgelegt werden, auch dafür gebe es Modelle. „Was mir einfach gut gefällt, ist, dass von den Rändern gesprochen wird bei einer Partei, die mittlerweile in Umfragen bei 26 Prozent liegt. Also, ob man da den Begriff ‚Ränder‘ nicht neu definieren müsste?“„Jetzt kommt mein Idol Kubicki wieder aus dem Weinkeller und sagt, er kennt die Brandmauer nicht“, kommentierte Schmidt die Kandidatur des früheren Vizepräsidenten des Bundestages für den FDP-Vorsitz. „Und das ist das Tolle in meiner Branche: Zuverlässig wie das HB-Männchen schießt Strack-Zimmermann nach vorn und arbeitet gegen Kubicki.“ Abgesehen von diesem bestehen die Parteien jedoch auf die Brandmauer, sodass Koalitionen nur zwischen CDU und SPD möglich seien – eventuell ergänzt um die Grünen oder die Linken. „Oder die Linke ist dann aber nicht mehr bereit, wenn sie die Kanzlerin stellt, mit der CDU als kleinem Partner zu koalieren. Das werden wir ja alles sehen.“Lesen Sie auchZur Demokratie gehöre es, dicke Bretter bohren und sich damit auseinandersetzen zu müssen, dass sich alle fünf Minuten ein Hinterbänkler mit einer Idee zu Wort melde. „Es gibt keine Alternative, ist meine Beobachtung, und ich finde es eigentlich ganz OK. Wir wurschteln uns so durch. Wir sind aber weltweit immer noch ganz, ganz, ganz weit vorn, wenn ich das Gesamtpaket sehe“, schilderte Schmidt gegenüber Moderator Korbinian Frenzel.Lesen Sie auchOb er sich seine Gelassenheit bewahre, indem er auf die Probleme der Welt nicht so genau schaue? „Nein, weil ich bewusst wegschaue“, unterstrich Schmidt. Es führe zu nichts, das Leid der Welt auf den eigenen Schultern zu tragen. Wer etwas ändern wolle, müsse sich vor Ort einsetzen, indem er etwa als Arzt im Sudan arbeite. „Alles andere ist Folklore fürs eigene Gemüt.“ Erst gegen Ende ließ Schmidt dann doch noch eine Haltung durch seine Beschwichtigungen schimmern. „Meine subtile Analyse des historischen Weltgeschehens ist: Die Zeche zahlt die Zivilbevölkerung und die oberen ein Prozent sind weg – aber nicht weg im Sinne von weggebombt, sondern irgendwohin abgehauen.“doli
„Studio 9 – Der Tag mit…“: „Die Zeche zahlt die Zivilbevölkerung und die oberen ein Prozent sind weg“, erklärt Harald Schmidt - WELT
Entertainer Harald Schmidt lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. In einem Format von Deutschlandfunk Kultur blickte er gelassen auf die AfD, die verzögerten schwarz-roten Reformen und die globalen Krisenherde. Nur an einer Stelle ließ er sich in die Karten schauen.







