PfadnavigationHomePolitikAuslandMöglicher Truppenabzug„Wir sollten alle cool bleiben“ – Bundesregierung reagiert demonstrativ gelassen auf Trumps DrohungVeröffentlicht am 30.04.2026Lesedauer: 5 Minuten„Die amerikanischen Streitkräfte fühlen sich sehr wohl in Deutschland“, bekräftigte Söder. Auch Merz (r.) betonte die Bedeutung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses.Quelle: Fabian Sommer/dpaNach der Drohung von US-Präsident Trump, Truppen hiesiger US-Stützpunkte abzuziehen, reagiert die Bundesregierung besonnen. Er sehe einer möglichen Reduzierung „mit Gelassenheit entgegen“, sagte Wadephul. Die Opposition kritisiert unterdessen Merz’ Rhetorik.Die Bundesregierung hat mit demonstrativer Gelassenheit auf die Drohungen von US-Präsident Donald Trump reagiert, US-Truppen aus Deutschland abziehen zu wollen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul (CDU) verwiesen am Donnerstag auf gemeinsame Interessen und die strategische Bedeutung der US-Militärbasen in Deutschland. Ähnlich äußerte sich die SPD. Die Opposition warf Merz vor, mit „unbedachten“ Äußerungen Trump gegen Deutschland aufzubringen.Der Kanzler hatte mit Kritik am Iran-Krieg den Unmut des US-Präsidenten auf sich gezogen. Dieser stellte daraufhin am Mittwoch eine mögliche Reduzierung der US-Truppenstärke in Deutschland in Aussicht. Eine Entscheidung solle „in Kürze getroffen werden“, erklärte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social.Daraufhin betonte Merz am Donnerstag die Bedeutung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses. Ihm liege „diese transatlantische Partnerschaft besonders am Herzen“, sagte der Kanzler bei einem Besuch des Heeres im niedersächsischen Munster. Er hob zugleich die gestiegenen deutschen und europäischen Verteidigungsausgaben hervor: Diese seien „ein Beitrag zu einer erneuerten transatlantischen Partnerschaft“.Lesen Sie auchZu allen Fragen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg stehe die Bundesregierung im „engen und vertrauensvollen Kontakt mit unseren Partnern, auch und gerade in Washington“, bekräftigte der Kanzler. „Wir tun das im gemeinsamen transatlantischen Interesse, wir tun es mit gegenseitigem Respekt und fairer Lastenteilung.“Die Bundesregierung bereitet sich derweil laut Wadephul schon auf einen Abbau der US-Militärpräsenz in Deutschland vor. „Wir sind darauf eingestellt, wir sprechen eng und vertrauensvoll in allen Nato-Gremien darüber und erwarten dazu amerikanische Entscheidungen“, sagte der Bundesaußenminister in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Schon frühere US-Regierungen hätten eine Überprüfung ihrer Truppenpräsenz angekündigt.Er sehe einer möglichen Truppenreduzierung „mit Gelassenheit entgegen“, betonte Wadephul. Die Bundeswehr und der europäische Pfeiler der Nato würden genau deswegen verstärkt – „weil wir wissen, dass wir mehr Sicherheitsverantwortung übernehmen müssen“.Lesen Sie auchDie großen US-Militärstützpunkte in Deutschland stünden „überhaupt nicht infrage“, sagte Wadephul. So habe die Airbase in Ramstein „für die USA und für uns jeweils eine unersetzliche Funktion“. Dies gelte auch für das US-Krankenhaus in Landstuhl, den Truppenübungsplatz in Grafenwöhr und das US-Hauptquartier in Stuttgart.Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic, riet ebenfalls zu Gelassenheit. „Ein Abzug wäre kurzfristig kaum umsetzbar“, erklärte Ahmetovic. Er würde zudem „mittel- bis langfristig die globale Einsatzfähigkeit der US-Streitkräfte erheblich beeinträchtigen sowie amerikanischen Sicherheitsinteressen widersprechen“. Für Europa bleibe es die zentrale Aufgabe, „unsere sicherheitspolitische Eigenständigkeit zügig und substanziell zu stärken“.Auch CSU-Chef Markus Söder empfahl allen Beteiligten, besonnen zu reagieren. „Ich hoffe sehr, dass der US-Präsident weiter im Interesse der eigenen Streitkräfte handelt und die Präsenz in Deutschland stärkt. Mein Wunsch: Wir sollten alle cool bleiben. Die amerikanischen Streitkräfte fühlen sich sehr wohl in Deutschland“, sagte der bayerische Ministerpräsident der „Bild“-Zeitung. Ein US-Truppenabzug wäre – so Söder weiter – weder im deutschen Interesse noch im Interesse der Vereinigten Staaten. „Deutschland ist ein zentraler strategischer Stützpunkt für die US-Streitkräfte in aller Welt. Mit Grafenwöhr haben wir in Bayern den größten Truppenübungsplatz in ganz Europa. Hier werden auch ukrainische Soldaten trainiert, die sich erfolgreich gegen die russische Übermacht wehren.“Lesen Sie auchDer CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter betonte, dass ihre Truppen in Europa für die USA unverzichtbar seien. „Die rund 36.000 US‑Soldaten in Deutschland dienen vor allem amerikanischen Interessen: das große Krankenhaus in Landstuhl, die strategische Drehscheibe Ramstein, der Truppenübungsplatz Grafenwöhr.“ Diese Standorte unterstützten unter anderem US-Einsätze im Nahen Osten und die „globale amerikanische Machtprojektion“.Die Grünen warfen Kanzler Merz außenpolitische Sprunghaftigkeit vor. Grünen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger bezeichnete es am Donnerstag zwar als grundsätzlich richtig, dass Merz Trumps Iran-Krieg offen kritisierte; der Kanzler falle jedoch „mit undurchdachten, spontanen und widersprüchlichen Aussagen auf“.Nach Ansicht von Linken-Fraktionschef Sören Pellmann wäre „ein Abzug aller US-Truppen aus Deutschland (…) natürlich zu begrüßen“. Merz’ Kritik an Trump sei aber „nicht wirklich ernst zu nehmen“, sagte Pellmann AFP. „Wenn ihm wirklich der Frieden und die Sicherheit Deutschlands am Herzen liegt, sollte er auf die Schließung der US-Militärbasen drängen und ein Überflugverbot für US-Flugzeuge erteilen, die am Krieg gegen den Iran beteiligt sind.“Lesen Sie auchDie AfD warf Merz vor, mit seinen kritischen Äußerungen zu Trump den Sicherheitsinteressen Deutschlands zu schaden.Den riesigen US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in der Pfalz erreichte Trumps Drohung in einem Moment extremer Betriebsamkeit. Zur Unterstützung der US-Truppen im Iran-Krieg starten mächtige Transportmaschinen derzeit fast stündlich röhrend Richtung Naher Osten und machen die Bedeutung der Air Base wortwörtlich unüberhörbar.„Geopolitisch würde selbst eine bloße Reduzierung der Truppenstärke ein gefährliches Signal der Schwäche senden, das in Moskau und Peking aufmerksam registriert würde“, meint der Politikwissenschaftler David Sirakov in Kaiserslautern. „Der eigentliche Schaden für die USA läge somit weniger im militärischen Substanzverlust als vielmehr in der verheerenden politischen Symbolik des zerrütteten transatlantischen Sicherheitsbündnisses.“Lesen Sie auchEin Teilabzug von US-Soldaten wäre zudem ökonomisch für die Region folgenreich. „Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern“, sagt Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein nahe dem riesigen US-Stützpunkt.„Hier in Ramstein sind die Amerikaner nach wie vor Teil der Familie, unsere Menschen haben ein gutes Verhältnis zueinander“, schildert Bürgermeister Hechler. „Aber nahezu alle sind über die Art und Weise, wie der US-Präsident agiert und seine Dinge formuliert und gegenüber den Partnern auftritt und spricht, enttäuscht und ablehnend.“ Er sei froh, dass die Amerikaner nicht das Gefühl hätten, nicht willkommen zu sein. „Das wird an ganz vielen Veranstaltungen in den vergangenen Wochen positiv registriert.“Nach Einschätzung des USA-Experten Sirakov von der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz folgt Trumps Vorgehen einem bekannten Muster. „Es stellt aber durch den neuen Auslöser eine deutliche Eskalation dar“, meint er. Seiner Ansicht nach nutzen die USA ihre Truppenpräsenz gezielt als Druckmittel, um europäische Verbündete auf die eigene außenpolitische Linie zu zwingen.„Auch wenn der ähnlich drastisch angekündigte Abzug von 2020 letztlich ausblieb, beschädigt die aktuelle Drohung auch als rein politisches Instrument das Vertrauen in die transatlantische Partnerschaft massiv“, betont Sirakov.Auch der Ramsteiner CDU-Wahlkreisabgeordnete Marcus Klein unterstreicht: „Truppenabzug als Drohung gegenüber den Partnern und dabei die eigene Position nicht zu bedenken, ist kein kluges politisches Konzept. Daher bin ich inhaltlich weniger beunruhigt als über die Art und Weise. Die immer wieder vorgetragenen Drohungen nutzen keinem.“AFP/dpa/doli
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Nach der Drohung von US-Präsident Trump, Truppen hiesiger US-Stützpunkte abzuziehen, reagiert die Bundesregierung besonnen. Er sehe einer möglichen Reduzierung „mit Gelassenheit entgegen“, sagte Wadephul. Die Opposition kritisiert unterdessen Merz’ Rhetorik.













