PfadnavigationHomeWirtschaftTeurer Sprit„Grobe Abweichungen“ bei 12-Uhr-Regel – Auswertung zeigt 60.000 Verstöße an Tausenden TankstellenVeröffentlicht am 30.04.2026Lesedauer: 2 MinutenDas Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben eine hohe Zahl von Verstößen gegen die seit April geltende Regel festgestellt, wonach Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen dürfen.Neue Regeln sollten Sprit günstiger machen – doch viele Tankstellen halten sich offenbar nicht daran. Das Bundeskartellamt spricht von „groben Abweichungen“. Gleichzeitig dämpft Behördenchef Mundt Erwartungen an seine Behörde.Das Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben eine hohe Zahl von Verstößen gegen die seit April geltende Regel festgestellt, wonach Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen dürfen. „Viele scheinen mir Anfangsfehler technischer Art zu sein“, sagte Behördenpräsident Andreas Mundt dem „Tagesspiegel“, „es gibt aber auch grobe Abweichungen“.Eine Auswertung von SWR-Datenjournalisten liefert nun konkrete Zahlen: In den ersten drei Wochen wurden rund 60.000 mutmaßlich unzulässige Preiserhöhungen registriert. Betroffen waren etwa 3800 Tankstellen – also rund jede vierte der knapp 15.000 Anlagen in Deutschland. Dabei drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro.Zudem zeigen die Daten, dass rund 1300 Tankstellen ihre Preise rund 5000 Mal vor 11 Uhr und nach 13 Uhr anpassten – auch mehrmals am Tag.Die Verfolgung der Verstöße gestaltet sich allerdings schwierig. In vielen Bundesländern seien bislang nicht einmal die zuständigen Behörden benannt worden, die entsprechende Fälle ahnden sollen.Skeptisch äußerte sich Mundt zudem zu einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW, wonach die neue Regel nicht zu sinkenden Preisen geführt habe. Diese Analyse habe lediglich Preise, nicht aber das tatsächliche Tankverhalten berücksichtigt. „Gut möglich, dass viele Autofahrer zu einem günstigen Zeitpunkt getankt und von der neuen Regelung profitiert haben“, sagte Mundt.Lesen Sie auchDie neuen Daten deuten zugleich auf technische Probleme hin. Viele Verstöße traten demnach rund um die Mittagszeit auf, etwa durch fehlerhafte Datenübermittlungen oder ungenaue Tankstellenuhren. Dennoch sollen rund 97 Prozent der registrierten Preisänderungen für Kunden tatsächlich relevant gewesen sein.Lesen Sie auchAngesichts teils erheblicher Preisunterschiede rät der Behördenchef Autofahrern, Preise gezielt zu vergleichen und eher vormittags zu tanken. „Die alten Faustformeln gelten nicht mehr“, so Mundt.„Das Bundeskartellamt ist keine Preisbehörde“Zugleich wies Mundt Erwartungen zurück, seine Behörde könne direkt gegen hohe Spritpreise vorgehen. In der öffentlichen Debatte entstehe der falsche Eindruck, „dass wir die Preise auf Knopfdruck senken könnten“. Das Bundeskartellamt sei „keine Preisbehörde“, betonte er, „wir setzen keine Preise fest“.Stattdessen arbeite die Behörde mit den Instrumenten des Wettbewerbsrechts und prüfe, ob Unternehmen ihre Marktmacht missbräuchlich ausnutzen. „Hohe Gewinne sind für sich genommen kein Wettbewerbsverstoß“, sagte Mundt.Mit Blick auf staatliche Entlastungsmaßnahmen äußerte der Behördenchef jedoch klare Erwartungen. Die Mineralölunternehmen müssten den angekündigten Tankrabatt an die Verbraucher weitergeben. Ziel sei es, Autofahrer und Wirtschaft zu entlasten – anstatt zusätzliche Gewinne für die Unternehmen zu ermöglichen.kaha
Teurer Sprit: „Grobe Abweichungen“ bei 12-Uhr-Regel – Auswertung zeigt 60.000 Verstöße an Tausenden Tankstellen - WELT
Neue Regeln sollten Sprit günstiger machen – doch viele Tankstellen halten sich offenbar nicht daran. Das Bundeskartellamt spricht von „groben Abweichungen“. Gleichzeitig dämpft Behördenchef Mundt Erwartungen an seine Behörde.










