Beim Verband der Zeitschriftenverleger, dem Medienverband der freien Presse (MVFP), gibt es eine Zäsur. Der Vorstandsvorsitzende Philipp Welte kandidiert nicht für eine weitere Amtszeit und gibt seinen Posten ab.Er habe „die Verantwortung des Vorsitzenden der Publikumsmedien und dann die Rolle des Vorstandsvorsitzenden mit Liebe und aus Leidenschaft über lange Jahre getragen“, schrieb Welte den rund 350 Mitgliedsverlagen des MVFP. Das habe er auch in den vergangenen vier Monaten gekonnt, „dank der Unterstützung und des Rückhalts von Hubert Burda Media und der Familie Burda, in deren Unternehmen ich seit Ende 2008 als Vorstand Verantwortung für die publizistischen Geschäfte hatte“. Diese Verantwortung habe er bekanntlich abgegeben, und schon im Dezember 2025 bei seinem Abschied gesagt, dass er „auch keine exekutive Rolle in einem anderen Verlag mehr anstrebe“.„Operative Verankerung“ und „politische Verantwortung“„In so herausfordernder Zeit wie heute“ erscheine es ihm notwendig, so Welte, dass „operative Verankerung in einem Verlag und politische Verantwortung“ im Verband miteinander verbunden seien, dies sei in der Satzung auch festgeschrieben. Vor diesem „sehr rationalen Hintergrund“ habe er sich entschlossen, im Juni nicht mehr für das Amt des Vorstandsvorsitzenden zu kandidieren.Welte ist seit Ende 2022 Vorsitzender des MVFP, der zuvor Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) geheißen hatte. Die Reorganisation des Verbands hatte er tatkräftig vorangetrieben und dafür gesorgt, dass die Verlage erkannten, wie wichtig es ist, gerade der Politik gegenüber mit einer Stimme zu reden. Dem Kampf gegen die Übermacht der Plattformkonzerne verschrieb sich Welte mit Haut und Haaren. Dass er bei Burda im vergangenen Dezember aus dem Vorstand ausschied und nicht – wie eigentlich zu erwarten – in den Verwaltungsrat wechselte, dürfte sich für das Medienhaus noch als negativ erweisen.„Hinter uns“, schreibt Welte zum Abschied, liege „eine Phase der Desillusionierung“. Man habe erkennen müssen, „dass die digitale Medienwelt, in die wir Verlage über Jahrzehnte Milliarden investiert haben, keine freie Welt ist, kein freier Markt, sondern heute beherrscht wird von den mächtigsten Unternehmen, die es jemals auf unserem Planeten gegeben hat. Vor uns liegt das exponentielle Wachstum synthetischer Medien, in denen Technologie nicht nur den Vertrieb von Inhalten übernimmt, sondern sie durch generative künstliche Intelligenz selbst herstellt – und das zu einem erheblichen Teil auf dem Fundament der Arbeit unserer Redaktionen. Alle Mechanismen der Monetarisierung unserer Inhalte sind angegriffen, und damit steht unser ökonomisches Fundament im Feuer: Im Werbemarkt sind wir marginalisiert, im digitalen Vertrieb halten internationale Monopolisten wahlweise die Hand auf oder die Türen zu. Unsere Branche befindet sich in einer höchst kritischen Phase.“In dieser Phase, die zudem von „manipulierten Wahrheiten“ und Populismus gekennzeichnet ist, in der sich „Hass, Wut und Angst“ im Netz sechsmal schneller als echte Information verbreiten; „Manipulation und Desinformation“ das Vertrauen zerstören und die Demokratie „aus der Balance“ gerät, wie Welte schreibt, müssen die Zeitschriftenverleger nun einen neuen Lotsen finden, der den Weg weist. Gesucht werde, schreibt Philipp Welte, eine Frau oder ein Mann, die oder der „mit ähnlicher Liebe, ähnlicher Leidenschaft und aus ähnlich tiefer Überzeugung bereit ist, für uns und die Zukunft unserer Welt zu kämpfen“.Die Fußstapfen, in die ein neuer Verbandschef oder eine neue Verbandschefin tritt, sind nicht gerade klein.
Philipp Welte gibt Vorsitz im MVFP ab
Im vergangenen Dezember verabschiedete sich Philipp Welte aus dem Vorstand von Burda. Jetzt gibt er den Vorsitz im Medienverband der freien Presse (MVFP) ab. Er geht mit einem flammenden Appell.







