PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaFC Bayern MünchenChampions LeagueBall ins Aus schießen – das steckt hinter der besonderen Anstoß-Taktik von ParisVeröffentlicht am 30.04.2026Lesedauer: 4 MinutenDen irren Schlagabtausch bei der 4:5-Niederlage in Paris musste Bayern-Trainer Vincent Kompany von der Tribüne aus verfolgen. Im Rückspiel darf er selbst wieder an der Seitenlinie stehen. Schon jetzt hat er die eigenen Fans auf diesen Showdown in der Allianz Arena eingeschworen - mit einer kuriosen Bitte.Gleich zu Beginn gegen die Bayern überrascht Paris St. Germain viele Zuschauer. Es geht um eine besondere Variante beim Anstoß. Ein Detail, das viel über den Pariser Trainer Luis Enrique aussagt.Für viele Sportfans war es eines der besten Fußballspiele der vergangenen Jahrzehnte. Und zahlreiche Zuschauer im Stadion und vor den Fernsehern, Laptops und Smartphones zu Hause und unterwegs brachten bereits die erste Sekunde des Halbfinals der Champions League zum Staunen. Zumindest diejenigen, die sonst selten oder nie Partien von Paris Saint-Germain anschauen.Dienstagabend, Anstoß zur Partie PSG gegen den FC Bayern. Paris stößt an – und schießt den Ball sofort ins Seitenaus in der Bayern-Hälfte. Nicht aus Versehen, sondern absichtlich. Das sieht aus wie im American Football oder Rugby, dachten in dem Moment viele. Was steckt dahinter?PSG macht das in nahezu jedem Spiel. Das erklärte auch der Kommentator bei Amazon Prime Video den Zuschauern am Dienstagabend sofort. Kein Passen, kein Spielaufbau. Stattdessen ein langer Ball, möglichst nah Richtung Eckfahne. Meist vom portugiesischen Mittelfeldstar Vitinha getreten.Auch nach einem Tor der Bayern nutzte Paris im Halbfinal-Hinspiel diese Routine. Bereits in der Vorsaison war die Mannschaft von Trainer Luis Enrique damit aufgefallen, zudem bei der Klub-WM im Sommer 2025 in den USA. Ebenfalls in der Partie gegen die Bayern damals. Es ist ein kalkulierter Ballverlust.Druck von der ersten Sekunde des Spiels anDer Spanier Enrique kombiniert Ballbesitzfußball mit hohem, sehr intensivem Pressing. Den Gegner zu Fehlern zu treiben – das ist das Ziel. Von der ersten Sekunde an, im wahrsten Sinne des Wortes.Thilo Kehrer spielte vier Jahre für PSG, trifft mit seinem aktuellen Klub AS Monaco immer wieder auf die Pariser. „Damit zermürbt PSG seine Gegner, lässt sie kaum aus der eigenen Hälfte“, sagte der deutsche Defensivprofi im „Kicker“ über die Pariser Spielweise. Die Anstoß-Routine passt da optimal.Ist der Ball im Aus, schiebt die französische Topmannschaft mit ihren Offensivstars um Ousmane Dembélé, Désiré Doué und Khvicha Kvaratskhelia geschlossen sofort nach vorn und besetzt die gegnerische Hälfte. Die Franzosen stellen die Freiräume in der Tiefe so schnell wie möglich zu. Der Gegner – in diesem Fall die Bayern – wird sofort unter Druck gesetzt. Weil ein Spieler einwerfen muss, ist der Gegner auf dem Spielfeld kurzzeitig in Unterzahl. Die Chance, Torgefahr aufzubauen, ist aus Sicht von Enrique mit einem Ballgewinn in der Spielhälfte des Gegners größer als mit einem normal ausgeführten Anstoß. Findet der Einwerfer keine gute Lösung, weil PSG alle möglichen Anspielstationen abgedeckt hat, droht ein gefährlicher Ballverlust. Der Weg zum Tor für die Franzosen ist dann recht kurz. Das Spiel gegen den Ball ist für den Pariser Trainer enorm wichtig.Laut „New York Times“ gelangt ein Einwurf, den ein Spieler zwischen beiden Strafräumen ausführt, zu 85 Prozent zum Mitspieler. Wirft ein Spieler den Ball innerhalb von 16 Metern zur eigenen Torlinie ein, fällt der Wert auf 68 Prozent.Lesen Sie auchParis ist nicht die erste Mannschaft, die diese Taktik nutzt. Laut „The Athletic“ eröffnete die englische Nationalelf so das EM-Qualifikationsspiel 1991 gegen Polen. Es heißt zudem, Olympique Marseille habe 2018/19 diese Taktik genutzt. Enrique sagte einmal, er habe sich die Variante von Olympique Lyon abgeschaut. „Die Teams werden dich durchschauen. Im Fußball gibt es keinen Zauberstab. Man muss immer wieder etwas verändern und sich weiterentwickeln“, sagte er.Nur wenige Teams praktizieren die Variante so konsequent. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2023 hat Enrique aus PSG eine Spitzenmannschaft geformt, gewann mit ihr in der Vorsaison die Champions League. Kein Wunder, dass andere Teams jetzt PSG kopieren – unter anderem der FC Arsenal und Newcastle United spielten nach dem Anstoß zuletzt auch mal so.Enriques Anstoß-Variante ist längst nicht immer erfolgreich. Sie ist jedoch einer von vielen Aspekten, die zeigen, wie viel Plan und Taktik im Pariser Spiel unter ihm steckt. Und wie wichtig Dinge sind, die erst mal wie eine Kleinigkeit wirken.Am kommenden Mittwoch (21 Uhr, im Sport-Ticker der WELT)tritt PSG im Rückspiel beim FC Bayern im Münchner Stadion an. Und dürfte erneut auf die besondere Anstoß-Variante setzen.Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Beim Rückspiel gegen Paris am kommenden Mittwoch wird er im Münchner Stadion auf der Pressetribüne sitzen – und beim Anstoß wieder genau hinschauen.
Champions League: Das steckt hinter der besonderen Anstoß-Taktik von Paris Saint-Germain gegen den FC Bayern - WELT
Gleich zu Beginn gegen die Bayern überrascht Paris St. Germain viele Zuschauer. Es geht um eine besondere Variante beim Anstoß. Ein Detail, das viel über den Pariser Trainer Luis Enrique aussagt.










