PfadnavigationHomeICONISTTrendsProblematisches TikTok-PhänomenBananen und Erdbeeren gehen fremd – und Millionen schauen zuVeröffentlicht am 04.05.2026Lesedauer: 2 MinutenKI-generierte Fruchtsoaps gehen seit einigen Wochen viral – besonders beliebt: „Fruit Love Island“Quelle: Getty Images/500px Plus/Yuliya Furman/500pxAuf TikTok lieben, streiten und betrügen sich plötzlich Erdbeeren, Bananen und Wassermelonen. Die KI-Clips sind absurd, viral, problematisch – und erzählen viel über Plattformlogik, Grenzüberschreitung und digitale Aufmerksamkeit.Eine Erdbeere betrügt ihren Mann. Das Kind, das sie zur Welt bringt, ist eine kleine Banane. Der Ehemann – ebenfalls eine Erdbeere – hält das gelbe Wesen ratlos in den Händen: „Warum halte ich eine Banane?“ Ende. Klingt absurd? Ist es auch. Und trotzdem klicken sich gerade Millionen durch genau diesen Content. Kurzvideos, von der Künstlichen Intelligenz generiert, mit anthropomorphen Früchten sind das vielleicht merkwürdigste Phänomen, das TikTok und Instagram momentan zu bieten haben. Täglich erscheinen neue Clips: Die Banane betrügt. Die Erdbeere weint. Die Birne wird mit drastischen Worten aufgefordert, abzunehmen. Alles niedlich animiert, unterlegt mit dramatischer Musik und platten Dialogen – und die Zuschauerzahlen gehen durch die Decke.Besonders beliebt: Fruit Love Island, eine KI-Parodie auf das gleichnamige Reality-TV-Format „Love Island“. Hier flirten Bananito und Watermelina – ja, die Früchte haben Namen – in Hawaii-Hemden und knapper Kleidung miteinander. Die Episoden dauern ein bis drei Minuten. Die Dramaturgie ist simpel. Was steckt dahinter? Zum einen die schlichte Tatsache, dass generative KI absurde Szenarien inzwischen unkompliziert und günstig produzierbar macht. Speziell für Fruchtvideos existieren bereits eigene Generatoren – kein Budget, kein großer Aufwand.Im Gewand von niedlichen Früchten können sexistische Stereotype bedient werdenJessica Heesen, Professorin für Medienethik in Tübingen, bringt es auf den Punkt: Die KI arbeite hier nicht kreativ, sondern reproduziere, was im Internet bereits existiert. Gesellschaftliche Klischees, sexistische Narrative, gelegentlich auch rassistische Muster – verpackt in Fruchtkostüme, die eine Art ästhetischen Freifahrtschein erzeugen. „Durch generative KI ist die Möglichkeit gegeben, relativ unkompliziert unwahrscheinliche, absurde und oft gerade deshalb faszinierende Szenarien herzustellen. Sie haben erst mal einen hohen Unterhaltungswert“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die Plattform Jugendschutz.net, die den Trend seit Jahresbeginn beobachtet, warnt: Darunter fänden sich auch Gewaltdarstellungen gegen Frauen. Die Organisation macht sich Sorgen um eine schleichende Normalisierung – dass Kinder und Jugendliche, die diesen Content unreflektiert konsumieren, anfangen, Klischees als Normalzustand wahrzunehmen. Die gehäufte Darstellung problematischer Verhaltensweisen könne die Wahrnehmung dessen verschieben, was in einer Beziehung „normal“ sei.Lesen Sie auchHeesen hält dagegen: Medienwirkung funktioniere nicht so linear. Den meisten Nutzern sei klar, dass dominante Bananenmänner kein Vorbild seien. Dennoch entstehen Rollenbilder meist durch Wiederholung. Dazu kommt außerdem die Logik der Plattformen: TikTok und Instagram belohnen Emotionalisierung, Sensation, Streit – nicht Qualität. Ob hinter den Fruchtvideos Kalkül steckt oder schlicht Algorithmus, bleibt offen. Was jedoch feststeht: Mit genug Klicks lässt sich gutes Geld verdienen und hinter den KI-Videos wird davon jemand profitieren. dpa/jra