PfadnavigationHomeRegionalesHamburgOrganisiertes Verbrechen690 Kilo Kokain zwischen Holzpellets – Zoll schlägt im Hamburger Hafen zuVeröffentlicht am 27.04.2026Lesedauer: 3 MinutenSichergestelltes Kokain aus einem Drop-off vor Borkum (Archivbild)Quelle: Arne Dedert/dpaOb zwischen Holzpellets oder in Hohlräumen von Schiffen: Hamburg bleibt ein Brennpunkt im internationalen Drogenhandel. Aktuelle Verfahren machen das Ausmaß deutlich.Der Hamburger Hafen bleibt eines der wichtigsten Einfallstore für den internationalen Kokainschmuggel – und zugleich ein Schwerpunkt für Ermittler. Gleich in zwei aktuellen Fällen ist es Zoll, Polizei und Justiz gelungen, große Mengen der Droge abzufangen und Beteiligte zur Verantwortung zu ziehen. Insgesamt geht es um weit mehr als eine Tonne Kokain mit einem geschätzten Straßenverkaufswert von mehreren zehn Millionen Euro.Lesen Sie auchIn einem der jüngsten Fälle stellten Einsatzkräfte der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift Hamburg 690 Kilogramm Kokain sicher, die in einer Containerlieferung aus Brasilien versteckt waren. Die Drogen befanden sich zwischen Säcken mit Holzpellets, die offiziell nach Deutschland eingeführt werden sollten. Der Container war bereits Anfang April im Rahmen einer zollinternen Risikoanalyse aufgefallen und in einer speziellen Containerprüfanlage durchleuchtet worden. Dabei ergaben sich Unregelmäßigkeiten, die eine gezielte Kontrolle auslösten.Bei der anschließenden Durchsuchung entdeckten Zoll- und Polizeibeamte insgesamt 690 einzeln verpackte Kokainblöcke mit einem Gewicht von jeweils einem Kilogramm. Der geschätzte Marktwert der sichergestellten Ware liegt bei mehr als 14 Millionen Euro. Bereits einen Tag nach dem Fund nahmen die Ermittler den mutmaßlichen Empfänger der Lieferung fest. Es handelt sich um einen 34‑jährigen deutsch‑polnischen Staatsbürger, der Inhaber der Empfängerfirma sein soll, an die die Lieferung aus Brasilien adressiert war.Der Leiter des Zollfahndungsamtes Hamburg, Nils Gärtner, hob die Bedeutung der Auswertung von Handelsdaten hervor. Mithilfe moderner Risikoanalysen gelinge es, verdächtige Container aus der Masse legaler Waren herauszufiltern. Auf diese Weise könne verhindert werden, dass große Mengen Kokain in den illegalen Markt gelangen. Die weiteren Ermittlungen führt die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hamburg.Lesen Sie auchParallel dazu zeigt ein weiteres Verfahren vor dem Landgericht Hamburg, wie arbeitsteilig und professionell der Schmuggel organisiert ist – und wie hoch das Risiko auch für die Helfer ist. Zwei Männer im Alter von 22 und 37 Jahren wurden dort zu Haftstrafen von jeweils fünfeinhalb Jahren verurteilt. Sie hatten im September 2025 versucht, fast 1000 Kilogramm Kokain aus dem Hamburger Hafen zu schmuggeln.Bewusst hafentypische Arbeitskleidung getragenNach den Feststellungen des Gerichts hatten die beiden als Helfer für bislang unbekannte Auftraggeber agiert. Zunächst übernahmen sie von einer Schiffsbesatzung rund 470 Kilogramm Kokain, die sie in sechs Sporttaschen aus dem Hafengebiet abtransportierten. Um im Hafen nicht aufzufallen, trugen sie den Angaben zufolge bewusst hafentypische Arbeitskleidung. Die Drogen sollen zuvor in einem Hohlraum des Schiffes versteckt gewesen sein.Aufgrund eines Missverständnisses gingen die Männer davon aus, dass sie die gesamte Schmuggelware bereits übernommen hatten. Erst später erhielten sie telefonisch die Anweisung, weitere Kokainblöcke im Hafen abzuholen. Als sie auch diesen zweiten Teil der Lieferung – weitere 472 Kilogramm – an sich genommen hatten und das Terminalgelände verlassen wollten, griffen Hafenmitarbeiter ein und sperrten die Ausfahrt. Die Helfer wurden festgenommen, das gesamte Rauschgift sichergestellt.Lesen Sie auchDas Gericht berücksichtigte bei der Strafzumessung die umfassenden Geständnisse der Angeklagten sowie ihre angespannte finanzielle Lage. Die Staatsanwaltschaft hatte höhere Strafen gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zu den Hintermännern der Schmuggelaktion ist weiterhin nichts bekannt.dfe