PfadnavigationHomeICONISTModeStil von Queen ElizabethEs begann mit einem Taufkleid aus Spitze von Ururoma VictoriaStand: 11.05.2026Lesedauer: 5 MinutenIn diesem Ensemble kam Queen Elizabeth 1960 zur Hochzeit ihrer Schwester MargretQuelle: Cecil Beaton/Victoria and Albert Museum, LondonZum 100. Geburtstag von Königin Elizabeth II. zeigt eine Ausstellung im Buckingham-Palast ihr Leben in Kleidern. Dabei wird deutlich, dass auch in einer disziplinierten Monarchin eine Modenärrin schlummern kann.Man muss sie einfach lieben, die Briten. Die Ausstellung „Elizabeth II.: Her Life in Style“ über die Kleidersammlung der 2022 verstorbenen Königin ist über Monate hoffnungslos ausverkauft. Dass die Show zum Blockbuster wurde, kann nicht überraschen: Die Monarchin wäre in diesem Jahr 100 geworden, die Ausstellung findet im Buckingham Palace statt, der Souvenirshop ist reichhaltig bestückt mit Tassen, Etageren etc. Ein kleines Stück der Queen kann sich also jeder mit nach Hause nehmen. Dabei hat man die Königin von Großbritannien nicht als Modeikone abgespeichert. Im Gegenteil: Wer erinnert sich nicht an die Collagen, auf denen man sie im scheinbar immer gleichen Kostüm in verschiedenen Bonbonfarben sah – vergleichbar mit den Hosenanzügen der ehemaligen Kanzlerin.Während die nächste und übernächste Generation, vor allem Diana und Kate, mit zeitgenössischem Modegeschmack auftrumpften – mal französischer Chic, mal preisgünstige Fast Fashion –, schien die Matriarchin gefangen in einem sehr britischen und spießigen Dresscode. Zumal sie irgendwann auch nicht mehr die Figur hatte, für die Mode gemeinhin produziert wird.Natürlich wird man eines Besseren belehrt: Die Ausstellung ist eine Reise durch das ebenso märchenhafte wie mühevolle Leben dieser bewundernswerten Frau. Und sie ist eine Lektion über das Verhältnis von Mode und Kleidung zu Macht, Repräsentation und – auch das wollen wir nicht vergessen – Entertainment.„Ich muss gesehen werden, damit man mir glaubt“, wird die Königin auf den ersten Seiten des hervorragenden Katalogs zitiert („I have to be seen, to be believed“). Darin steckt eine Weisheit und auch Anmaßung, wie sie selten geworden ist.Als Königin des Commonwealth – vielleicht das einzige Weltreich der Geschichte, in dem einst die Sonne wirklich nie unterging – und Oberhaupt der anglikanischen Kirche war sie sich bewusst, dass ihre Ämter höchst symbolisch waren. Und dass ihr Auftreten, so sehr wie ihr Wort, die Werte vermitteln musste, für die sie und das Haus Windsor stehen sollten: Kontinuität, Traditionsverbundenheit, Pflichtbewusstsein, Optimismus.Schon ihre Mutter, die 2002 im Alter von 101 Jahren verstorbene Queen Mother, war eine Modenärrin gewesen. Elizabeth war einerseits durchaus an den aktuellen Trends interessiert – Diors New Look nach dem Zweiten Weltkrieg hinterließ in ihrer Garderobe ebenso Spuren wie die grafischen, bunten Muster der 70er –, andererseits hatten ihre Outfits Aufgaben zu erfüllen.Bei Auslandsreisen kommunizierten sie oft Respekt vor den Gastgebern: das französische Blumenwiesenkleid in Paris, das Ahornblatt-Kleid in Kanada, das weiß-grüne Kleid in Nationalfarben für ihren Besuch in Pakistan im Jahr 1961. Dass sie ihr Leben lang fast ausschließlich britische Designer trug, versteht sich von selbst. Und zwar praktisch vom ersten Tag an.Denn auch Prinzessin Elizabeth, geboren 1926 als erste Tochter der Duchess und des Duke of York, war ein Popstar ihrer Zeit. Die Presse nannte sie das beliebteste Baby Britanniens. Ihr Taufkleid aus Seide und Spitze hatte Queen Victoria für ihre älteste Tochter anfertigen lassen. Danach trugen es insgesamt 62 Babys der Familie, inklusive der fünf Wochen alten Elizabeth bei ihrer Taufe in der Privatkapelle des Palasts.Ihren ersten öffentlichen Auftritt – die Hochzeit einer Verwandten – absolvierte sie mit fünf Jahren in einem weißen Kaninchenfellmantel, wenige Jahre später war es bereits ein Persianer. Einige Jahre lang trugen die spätere Königin und ihre vier Jahre jüngere Schwester Margaret, die eine bravouröse, wenngleich nicht immer glückliche Laufbahn als Partyprinzessin hinlegte, eine Art Partnerlook, wobei „Lillibets“ Kleider und Mäntel häufig schon einen Tick erwachsener aussahen.Es sind nicht nur die Roben britischer Designer wie Norman Hartnell, Hardy Amies und Angela Kelly, die hier in ihrem natürlichen Habitat präsentiert werden. Die Mode der Monarchin birgt zahllose Anekdoten und Überraschungen.Während der Kriegsjahre mussten auch die Royals sparen – nur ein wenig anders als die Untertanen. Das ehemalige Kindermädchen der Schwestern, Marion Crawford, schrieb in ihren Memoiren, dass „Lilibet“ Knickerbocker von ihrem Vater ausborgen musste, weil sie für eine Hirschjagd nichts Passendes zum Anziehen hatte.Lesen Sie auchZu einem Treffen des „Mystic Circle of Bards“ 1947 trug die Prinzessin eine exquisite, dunkelgrüne Robe von Ede & Ravenscroft, die auch der Elbenfürstin Galadriel gestanden hätte. Ohnehin waren die Jahre vor der Krönung modisch ergiebig: Zu einer Squaredance-Party in Ottawa kam die Prinzessin etwa in einem taubenblauen, mit Rosen, Herzen, Minnesänger und Burgfräulein bestickten Wollrock von Juli Lynne Charlot.Und ja: Das Kleid, in dem die Queen neben Daniel Craig zu ihrem gespielten Fallschirmsprung ins Olympiastadion in Stratford schritt, ist auch zu sehen. Und als die „Vogue“-Chefin Anna Wintour 2017 neben der Queen bei einer Richard-Quinn-Modenschau saß, fragte sie, ob es ihre erste Modenschau war. Keineswegs, antwortete die Monarchin, als junge Frau habe sie sogar selbst mal gemodelt.Insofern hatten die Kuratoren dieser Ausstellung leichtes Spiel: Was sonst nur ein von dem britischen Designer Norman Hartnell elegant geschnittener, zweireihiger Marineblazer aus Leinen wäre, hat bei dieser Kundin Geschichte geschrieben. Diese Jacke trug Elizabeth, als sie 1947 an Bord der MS Vanguard nach Südafrika reiste, wo ihr Vater, König Georg VI., als erster amtierender britischer Monarch überhaupt seinen Fuß auf den Boden setzte. Das Modespektakel im Buckingham Palace war dringend nötig für das Familienunternehmen namens Windsor. Wer erinnert sich schon noch an den geschassten Ex-Prinzen Andrew Mountbatten, der lange als ihr Lieblingssohn galt, wenn man im geschichtsträchtigen Kleiderschrank der Queen stöbern kann?Queen Elizabeth II: Her Life in Style. King’s Gallery im Buckingham-Palast in London. Bis 18. Oktober