PfadnavigationHomeWirtschaftWirtschaftskrise„Mit diesem Tabu sollten wir brechen“ – Fratzscher rechnet mit Dieselpreis von bis zu drei EuroVeröffentlicht am 26.04.2026Lesedauer: 2 MinutenBeschlüsse wie die Spritpreissenkung und die Entlastungsprämie stehen, stoßen aber auch auf Kritik. Thorsten Alsleben von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft merkt an, dass viele Menschen trotz der Maßnahmen keinen wirtschaftlichen Aufschwung spüren.DIW-Chef Marcel Fratzscher kritisiert den Tankrabatt der Bundesregierung. Zugleich macht er einen Vorschlag, wie Deutschland auf die Energiekrise reagieren könnte. Ein Vorschlag, der der „Mentalität des Sparens“ widerspricht.Deutschland sollte nach Meinung des Ökonomen Marcel Fratzscher angesichts der aktuellen Krise einen Teil seiner Goldreserven verkaufen. „Die deutschen Goldreserven haben einen Wert von heute knapp 440 Milliarden Euro“, sagte Fratzscher, der das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin leitet, dem Nachrichtenportal „t-online“. Weiter erklärte er: „Das ist ein riesiges Sparschwein für Krisen. Einen zumindest kleinen Teil davon sollten wir zur Bekämpfung dieser Krise und zur Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen nutzen.“ Fratzscher nannte auch die Möglichkeit, den Erlös in die Bildung oder die Infrastruktur zu investieren.Lesen Sie auchDie Goldbestände der Deutschen Bundesbank von 3350 Tonnen sind weltweit die zweitgrößten nach denen der USA. 1710 Tonnen davon werden in Frankfurt/Main gelagert, 1236 Tonnen in New York und 404 Tonnen in London. „Das Gold wird von der Bundesbank verwaltet“, sagte Fratzscher. „Selbst ein Bundeskanzler kann nicht einfach sagen: Ihr müsst jetzt das Gold verkaufen.“ Dennoch sprach er sich dafür aus: „Es war bisher immer ein Tabu – weil die Deutschen eine Mentalität des Sparens haben – mit dem wir aber nun endlich brechen sollten.“Fratzscher kritisierte, dass der Bund die Steuern auf Kraftstoffe wegen der gestiegenen Ölpreise senkt. „Durch den Tankrabatt reduzieren die Deutschen ihr Autofahren nicht ausreichend, obwohl das dringend nötig wäre“, sagte der Ökonom. „Wir haben im Augenblick weltweit zehn bis fünfzehn Prozent weniger Öl und Gas.“ Der DIW-Chef sprach sich erneut dafür aus, den Verbrauch durch autofreie Sonntage und Tempolimits zu senken.Auf die Frage, mit welchen Spritpreisen er am Ende des Jahres rechne, sagte Fratzscher: „Wenn der Krieg zu Ende ist und die Straße (von Hormus, d. Red.) wieder geöffnet wird, ist es realistisch, dass die Spritpreise wieder unter zwei Euro fallen.Lesen Sie auchSollte der Krieg aber weitergehen und der nächste Winter steht vor der Tür, „kommt der Druck wieder“: „Dann wird die Nachfrage nach fossilen Energieträgern fürs Heizen deutlich zunehmen. Deshalb kann es sehr gut sein, dass die Preise weiter steigen. Ein Dieselpreis in Richtung von drei Euro kann realistisch werden. Auch wenn sich das heute kaum jemand vorstellen mag.“dpa/nw