PfadnavigationHomeICONISTTrendsArtikeltyp:MeinungZahnästhetikWarum ich lieber knirsche, als den Zahnarzt wiederzusehenVeröffentlicht am 05.05.2026Lesedauer: 3 MinutenDie neue, noch teurere Generation Veneers soll aussehen wie echte Zähne, nur ein bisschen aufgeräumterQuelle: Getty Images/Iuliia BurmistrovaWie nur schaffen es Menschen, aus eigener Initiative zum Zahnarzt zu gehen, um sich für ein kleines Vermögen ein ebenso perfektes wie natürliches Lächeln verpassen zu lassen? Unsere Kolumnistin knirscht sich lieber durch die Nacht.Manchmal wache ich morgens auf und spüre nach, wie sich mein Kiefer anfühlt. Schmerzhaft? Angespannt? Ist da Druck auf den Zähnen? Ist es schlimmer als gestern? Wie lange halte ich noch ohne Beißschiene aus?Ich hab ja eine, eine Beißschiene. Aber meine Zahnärztin meinte, die müsse ausgetauscht werden. Aber austauschen heißt, ich müsste wieder zu meiner Zahnärztin. Und ich will in diesem Jahr nicht mehr dorthin. Also trage ich die Beißschiene einfach nicht mehr und knirsche mich durch die Nacht. Anfang des Jahres wurde ja viel über Zahnarztbehandlungen diskutiert. Müssen gesetzliche Krankenkassen selbstverständlich dafür zahlen? Kann man Patienten nicht zumuten, die Kosten selbst zu übernehmen? Machen sie ja in der Schweiz auch. Sind Zahnarztbehandlungen Luxus?Lesen Sie auchSehe ich ganz genau so. Auf den Luxus verzichte ich gern, zum Wohl der Krankenkassen-Allgemeinheit. Meinen jüngsten Zahnarztbesuch verließ ich mit Tränen in den Augen und Krämpfen in meiner rechten Hand, vom vielen Stressballdrücken. Und mit dem Wissen, ich bräuchte eine neue Beißschiene. Seitdem spielt mir Instagram Posts eines Objekts namens Zima Dental Pod zu, ein Behälter, der Zahnschienen mit Ultraschallwellen reinigt. Durch einen Vorgang namens Kavitation sollen Nanobläschen entstehen, die platzen, Energie freisetzen und dadurch Plaque, Bakterien und andere Rückstände entfernen. Zum Preis von 89,99 Euro.Klingt luxuriös, kostet aber weniger als der Zahnarztbesuch. Ich bin ohnehin baff, was sich manche Menschen den kosten lassen. So sind Veneers schon seit einigen Jahren ein großer und teurer Trend: Verblendschalen aus dünner Spezialkeramik, die mit den echten Zähnen verklebt werden. Dadurch werden Makel wie Verfärbungen, abgebrochene Stellen oder zu große Abstände behoben, die Kosten beginnen bei 800 Euro pro Zahn. Lesen Sie auchLange wollten sich Kunden – natürlich inspiriert durch Celebrities – auf diese Weise ein perfektes „Hollywood-Lächeln“ gönnen. Inzwischen wird „perfekt“, zumindest in den Kreisen, die sich auskennen, mit künstlich gleichgesetzt. Die neue, noch teurere Generation Veneers soll nicht aussehen wie das breite, strahlend weiße Gebiss einer Barbiepuppe. Sondern natürlich, wie echte Zähne, nur ein bisschen aufgeräumter. In einer Klinik in London, einer Art Medical Spa für die Zähne, kann man das Programm um LED-Therapie für das Zahnfleisch oder Akupressur gegen Kieferverspannungen ergänzen.Allein beim Gedanken daran, was man für Veneers opfern muss – nämlich echte Zahnsubstanz, die abgeschliffen wird – spannt sich in meinem Kiefer alles an. Ich verstehe nicht, warum man aus eigener Initiative Gründe schafft, zum Zahnarzt zu gehen. Ich überlege, wie ich den nächsten Besuch so weit wie möglich hinauszögern kann. Eine elektrische Zahnbürste wäre vielleicht ein Anfang. Hat mir meine Zahnärztin empfohlen.