PfadnavigationHomeRegionalesHamburgMarathon40 Jahre Hamburg-Gefühl in LaufschuhenVon Carsten HarmsVeröffentlicht am 25.04.2026Lesedauer: 6 MinutenMarathonläufer an den Hamburger Landungsbrücken – so wird es auch am Sonntag wieder seinQuelle: picture alliance/Rolf KoseckiAm Sonntag feiert der Hamburg-Marathon Geburtstag. In den vier Jahrzehnten gab es einige Herausforderungen zu meistern – mittlerweile startet auch wieder die Jugend. Verbunden wird diese Ausgabe mit einem Olympia-Appell.Es war der 25. Mai 1986, als Hamburg die Geburtsstunde eines in dieser Stadt völlig neuen Formats einer Sportveranstaltung erlebte. 8290 Mutige trauten sich, die klassische Distanz von 42,195 Kilometern quer durch die Stadt laufend zu bewältigen. 500.000 Menschen, so schätzte die Polizei damals, wollten sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen und suchten sich am Streckenrand eine oder mehrere Stellen zum Staunen und Anfeuern aus. Also ganz so, wie es jetzt auch wieder am kommenden Sonntag (26. April) sein wird.Lesen Sie auchNach Berlin und Frankfurt am Main wollte sich auch Hamburg mit einem Marathonlauf mitten in der Stadt schmücken. Allen voran Wolfgang Kucklick als Präsident des Hamburger Leichtathletik-Verbandes (HLV) sowie Innensenator Rolf Lange und Sportamtsleiter Heiner Widderich waren die Protagonisten dieses Projekts, das das öffentliche Sportgeschehen in Hamburg nachhaltig verändern sollte. Der Marathon wurde zum Vorreiter eines Modells, an dem sich später auch Massenevents wie die Cyclassics der Radsportler, der Triathlon und schließlich der Ironman ein Beispiel nahmen. Internationale Topathleten und Hobbysportler starten gemeinsam in einem Wettbewerb und passieren dabei die schönsten Spots der Hansestadt.40 Jahre ist die Hamburger Marathon-Premiere, bei der der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und die tschechische Lauflegende Emil Zatopek den Startschuss gaben, nun also her. Auch wenn seither die Strecke immer mal wieder in kleinen Details verändert wurde, so ist doch der grundsätzliche Verlauf in all den Jahren derselbe geblieben. Für den heutigen Marathon-Chef Frank Thaleiser, 59, der auch schon seit fast 15 Jahren im Amt ist, beweist diese Kontinuität, dass die Urväter gut nachgedacht hatten. „Diese Streckenführung ist optimal, was das Sightseeing angeht, aber sie hält auch die Einschränkungen für die Wohnbevölkerung gering“, sagt Thaleiser.Reeperbahn, Elbchaussee, Fischmarkt, Landungsbrücken, Jungfernstieg, Außenalster und später Eppendorfer Baum sind gestern wie heute unverzichtbare Passagen und Fixpunkte, die die Marathonis passieren. Immer wieder gab es die Idee, auch die 1986 noch nicht existierende Hafencity einzubauen. Doch dieses Ansinnen stieß nicht auf Gegenliebe. „Uns hat die Hafencity GmbH gesagt, dass die Anwohner schon durch die Kreuzfahrer so belastet werden, dass da nicht noch etwas anderes dazukommen soll“, berichtet Thaleiser. Hinzu kommt ein rein sportliches Argument vor allem für die Topathleten. Ein Abstecher in die Hafencity wäre nur mit zusätzlichen, verlangsamenden Kurven darzustellen. Lesen Sie auchDank der in den vergangenen Jahren immer wieder verbesserten Siegerzeiten hat sich Hamburg international den Ruf erworben, eine schnelle Strecke zu haben – trotz des unvermeidbaren Anstiegs auf dem letzten Kilometer, wenn es zurück zum Start und Ziel auf der Karolinenstraße geht. Die Messehallen dort sind für die Logistik der gesamten Veranstaltung nahezu unverzichtbar. Einzige Alternative wäre eine Zeltstadt auf dem Heiligengeistfeld, wie es sie von 2008 an für einige Jahre auch mal gab. Damals starteten die Marathonis auf dem Millerntorplatz am Anfang der Reeperbahn, das Ziel war ein paar Meter entfernt am Ende der Glacischaussee. Aus dieser Zeit stammt auch das Ritual, das Läuferfeld mit dem „Glasen“ einer Schiffsglocke auf die Reise zu schicken, anstatt einen Startschuss abzufeuern. Denn das Waffenverbot auf dem Kiez gab es schon damals, und es galt auch für Sportsenatoren. Mit der Rückkehr an die Messe behielt man das maritime Startsignal bei.Corona sorgte für eine Pause40 Jahre nach seiner Premiere erlebt der Hamburger Marathon am Sonntag seine 40. Auflage. Und nicht etwa die 41., wie es eigentlich logisch wäre. Doch 2020 machte die Corona-Pandemie allen einen Strich durch die Rechnung. Ein Jahr danach konnte der Marathon erst im Herbst stattfinden.Heute erweist sich die Corona-Pandemie sogar als Glücksfall. Da Laufen im Freien selbst in der Zeit der schärfsten Einschränkungen erlaubt war, erfuhr diese Ausdauerdisziplin einen unverhofften Zulauf – ganz besonders vonseiten einer Generation, die zuvor eher Funsportarten zugeneigt war. „Die Laufgemeinde ist deutlich jünger und auch weiblicher geworden“, bringt es Frank Thaleiser auf den Punkt. Vor allem beim Halbmarathon, der in diesem Jahr erst um 14 Uhr gestartet wird, um Vermischungen mit dem Marathonfeld zu vermeiden, sei dieser Trend noch stärker zu beobachten.Um genügend Nachfrage muss Thaleiser und seinem Team also auch für die kommenden Jahre nicht bange sein. „Vielleicht wird es in Zukunft nicht mehr so viele geben, die in ihrem Leben 15, 20 oder noch mehr Marathons laufen. Aber der Anreiz, einmal diese Strecke zu schaffen, ist definitiv weiter vorhanden“, sagt er. Dabei stellt er einen Wandel bei der individuellen Motivation fest. „Die Leute schauen nicht mehr so sehr auf ihre Zeit, sondern wollen sich feiern und mit ihrem Namen anfeuern lassen. Es hat sich rund ums Laufen ein Social-Media-Hype entwickelt.“Passend zum Jubiläum kommt dem diesjährigen Haspa-Marathon eine zusätzliche Bedeutung zu. Tags zuvor werden die ersten Hamburger die Informationen und Wahlunterlagen zum Referendum über die Bewerbung der Stadt für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 in ihrem Briefkasten vorfinden. Damit beginnt die heiße, fünf Wochen lange Phase bis zum 31. Mai. Der Marathon soll nach dem Willen des Senats und der anderen Befürworter ein starkes Signal aussenden, welch positive Festivalstimmung eine Sportveranstaltung in der Stadt entfachen kann. So wird auch im Rahmen des Marathons für ein Ja auf dem Wahlzettel geworben.Zum 40-Jahr-Jubiläum war die Zahl der Startplätze im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal erhöht worden. Dennoch waren die 20.000 Plätze für den klassischen Marathon, die 8000 für den Halbmarathon und 1500 für die Staffeln (je vier Teilnehmer) sehr zügig ausverkauft. Am Tag zuvor werden zudem 12.000 Schüler beim auch schon traditionellen Zehntel starten.Streckenrekord? Eher unwahrscheinlichOb der im vergangenen Jahr vom Kenianer Amos Kipruto auf 2:03:46 Stunden verbesserte Streckenrekord erneut gebrochen werden kann, scheint fraglich. Internationale Topzeiten sind dennoch zu erwarten, schließlich hat Thaleiser drei Männer verpflichtet, die schon unter 2:05 Stunden gerannt sind. Darunter ist der zweimalige Hamburg-Sieger Bernard Koech, 38, aus Kenia, der noch einmal an der Stätte seiner Triumphe von 2023 und 2024 antritt. Als aussichtsreichster Deutscher wird der 2018 eingebürgerte und für den Verein Silvesterlauf Trier antretende Samuel Fitwi Sibhatu, 30, starten.Bei den Frauen wurde Thaleiser unterdessen von gleich fünf Absagen wegen Verletzungen, Krankheiten und Visumsproblemen schwer getroffen. Angesichts langer Vorbereitungszeiten auf einen Marathon ist es nahezu unmöglich, kurzfristig adäquaten Ersatz zu verpflichten.Bei der Premiere 1986 gab es übrigens einen doppelten belgischen Triumph, als Karel Lismont nach 2:12:12 Stunden und seine Landsfrau Magda Islands nach 2:35:17 Stunden über die Ziellinie liefen. Auch an diesen Zeiten ist zu erkennen, wie sich der Marathon insgesamt und der Hamburger im Speziellen in diesen vier Jahrzehnten entwickelt haben. Mit den Siegerzeiten von 1986 gäbe es heute weder ein Antrittsgeld noch die Aussicht auf eine Platzierungsprämie.Vom Rekordbudget von 4,7 Millionen Euro entfallen dieses Mal rund 350.000 Euro auf den Etat für die Topathleten. „Der Marathon am selben Tag in London gibt rund fünf Millionen Euro allein für die Topstars aus. Ich finde aber, dass wir aus unserem Etat das Optimum herausholen“, sagt Thaleiser. 2025 war die Hamburger Siegerzeit von Amos Kipruto immerhin die weltweit achtbeste des gesamten Jahres, was auch für die seit 40 Jahren bewährte Strecke spricht.
Marathon: 40 Jahre Hamburg-Gefühl in Laufschuhen - WELT
Am Sonntag feiert der Hamburg-Marathon Geburtstag. In den vier Jahrzehnten gab es einige Herausforderungen zu meistern – mittlerweile startet auch wieder die Jugend. Verbunden wird diese Ausgabe mit einem Olympia-Appell.







