Zwölf Premieren in den Spielstätten des Schauspielhauses sowie weitere acht Inszenierungen am Jungen Schauspielhaus stehen in der kommenden Spielzeit auf dem Programm. Unter den Neuproduktionen sind neun Uraufführungen im Schauspielhaus sowie zwei im Jungen Schauspielhaus. Die laufende Saison gestaltet sich am Schauspielhaus erfolgreich. Bis zum 31. März zählte das Haus knapp 200.000 Besucher. Geschäftsführer Friedrich Meyer geht davon aus, dass am Ende der Saison mindestens die Zahl der Vorjahresbesucher von 247.000 erreicht wird. Die Zahl der Abonnements stieg nach Wiedereinführung des Angebots auf mittlerweile knapp 1200. Neuer Antikenzyklus von Schimmelpfennig und BeierNach dem überwältigenden Erfolg der Antikenserie „Anthropolis“ bringt Karin Beier in der Spielzeit 2026/27 unter dem Titel „Fremde Sonne. Die Argonauten. Iason. Medea.“ einen neuen Antikenzyklus von Autor Roland Schimmelpfennig auf die Bühne. Der neue Zyklus befasst sich, so Beier „mit der Ur-Geschichte imperialer und kolonialer Unternehmungen der Zivilisation.“ Es geht um die Fahrt der Argonauten zur Eroberung des Goldenen Vlieses. Und um die Konsequenz dieser Unternehmung: Dem Phänomen „Medea“, gespielt von Lina Beckmann, in all seinen Facetten.Roland Schimmelpfennig hat aus der Vorlage des Argonauten-Mythos fünf neue Theatertexte entwickelt, die einen gegenwärtigen Blick auf die Antike werfen und einen nützlichen Blick aus der Antike auf die Gegenwart. Einzig „Medea in Korinth: Die verlorenen Kinder“ , basierend auf der Vorlage von Euripides und Grillparzer, wurde von Schimmelpfennig in eine zeitgenössische poetische Sprache übertragen. Die insgesamt sechs Teile werden in vier Inszenierungen uraufgeführt. Diese können sowohl einzeln als auch in zeitlicher Abfolge hintereinander in einem Marathon besucht werden. Der erste Teil „Fremde Sonne I“ aus „Prolog: Der goldene Widder“ (dessen Fell das Vlies ist), „Zwischenspiel: Zentaur, Höhle, Baum und Balken“ sowie „Die Argonauten: Auftrag, Aufbruch und Irrfahrt“ erlebt seine Uraufführung am 26. September. Erzählt werden in diesem Block: Die Vorgeschichte des Argonauten-Mythos inklusive der Geschichte des Mischwesens Goldener Widder, die Geschichte Iasons (gespielt von Devid Striesow), der sich nach seiner Ausbildung gemeinsam mit Herakles aus den Fängen des Zentaur Cheiron befreit. Gemeinsam mit einer Reihe weiterer Helden bricht er nach Kolchis auf, um das Goldene Vlies nach Iolkos zu holen, den Thron als Lohn vor Augen. Nach Auftaktmarathon im September: der Abschluss 2027Am folgenden Tag, am Sonntag, dem 27. September, folgen sogleich die nächsten beiden Premieren, „Fremde Sonne II. Medea in Kolchis: Eine Rekonstruktion“ und „Fremde Sonne III. Medea in Korinth: Die verlorenen Kinder“. Auf den Abschluss muss das Publikum dann bis zum 6. Februar 2027 warten, an dem „Fremde Sonne IV. Medea: Der gefundene Sohn“ seine Uraufführung erlebt. In „Medea in Kolchis“ versuchen vier Menschen in einer Gruppentherapie oder im Jenseits, so ganz klar wird das nicht, denn mindestens einer ist bereits tot, die Ereignisse aus Kolchis zu rekonstruieren. Medea verhalf Iason zum Goldenen Vlies. Aber warum und wer zerstückelte ihren Bruder um ihren Vater an der Verfolgung der Argonauten zu hindern. Fragen über Fragen. „Medea in Korinth“ ist der klassische Medea-Stoff, in dem sie aus Rache ihre Kinder ermordet und flieht. In „Medea in Athen: Der gefundene Sohn“ wiederum hat sich Medea gemeinsam mit ihrem neuen Gatten Aigeus dem Trunke ergeben, in einem Szenario frei nach Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ hofft letzterer darauf, dass Medea ihm einen Thronfolger schenkt. Der steht jedoch plötzlich schon vor der Tür. Ein Typ namens Theseus, der behauptet, Aigeus Sohn zu sein. Die Helden der Antike, die Argonauten, Medea und andere, werden von bekannten Schauspielhaus-Darstellern verkörpert, darunter eine ganze Reihe, die schon in „Anthropolis“ glänzte: Neben Lina Beckmann und Devid Stresow sind unter anderem mit von der Partie: Sandra Gerling, Markus John, Kristof van Boven und Michael Wittenborn.Schauspielhaus-Regiedebüts in weiteren PremierenNeben den vier Uraufführungen des Antikenzyklus werden am Schauspielhaus acht weiterer Premiere über sämtliche Bühnen an der Kirchenallee gehen. Dabei geben einige Regisseure ihr Debüt am Schauspielhaus. So werden mit Mateja Koležnik, Christopher Rüping und Satoko Ichihara drei international arbeitende Künstlerinnen und Künstler zum ersten Mal am Deutschen Schauspielhaus Hamburg Regie führen. Starke Stimmen der jüngeren Theatergeneration sind durch Ruben Müller, Lena Brasch und Paulina Seibold vertreten.Ruben Müller bringt am 25. September „Das Adressbuch" auf die Bühne des Malersaals: Ein zufällig gefundenes Adressbuch eines ihr unbekannten Mannes, war Anfang der 80er Jahre für die französische Künstlerin Sophie Calle der Ausgangspunkt eines viel diskutierten Projekts. Müller fragt: Wo verläuft die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und Übergriff? Wenn Kinder ihre Eltern aussetzenDie japanische Dramatikerin, Regisseurin, Romanautorin und künstlerische Leiterin des Kinosaki International Arts Center (KIAC), Satoko Ichihara, bringt ein Stück mit dem Arbeitstitel „Ubasute“ auf die Bühne. Einer alten japanischen Legende folgend fragt sie darin, was einer Gesellschaft widerfährt, wenn – anders als in Grimms Märchen von „Hänsel und Gretel" – nicht die Eltern ihre Kinder, sondern die Kinder ihre altgewordenen Eltern aussetzen. Sie kombiniert das Grimmsche Märchen mit einer japanischen Legende, in der verstoßene Ältere im Widerstand in den Bergen Rache geloben. Die Uraufführung ist am 19. Dezember, ebenfalls im Malersaal.Klassiker-Inszenierungen der slowenischen Regisseurin Mateja Koležnik legen Wert auf die Genauigkeit der Figuren und machen in geschlossenen Räumen gesellschaftliche Mechanismen sichtbar. Ihre erste Inszenierung am Schauspielhaus wird Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ (Premiere: 22. Januar 2027 im Schauspielhaus).Lena Brasch erstmals am SchauspielhausIhre Inszenierungen sind direkt, musikalisch geprägt und nah an der Gegenwart. Lena Brasch verhandelt Fragen von Macht, Abhängigkeit und Identität jenseits konventioneller Formen. Sie wird im März 2027 erstmals am Schauspielhaus arbeiten.Christopher Rüping, einer der wichtigsten deutschen Theaterregisseure, war in Hamburg zuletzt an der Staatsoper tätig, wo er in „Die Große Stille“ gemeinsam mit Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber ein neues Mozart-Bild entwarf. Am Schauspielahus stiftet er mit dem Projekt „Amadé" eine Begegnung mit dem Geist Wolfgang Amadeus Mozarts – dem Geist der Unangepasstheit und des Geliebt-Werden-Wollens. Die Uraufführung ist am 16. April 2027 im Großen Haus.„Weil der Frieden Zucker ist! oder: Was für ein kleines Moped mit verchromter Lenkstange steht dort im Hof"Nach ihrer Inszenierung von „Die Maschine - oder: Über allen Gipfeln ist Ruh“, die 2025 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, arbeitet Anita Vulesica zum zweiten Mal am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Erneut bringt sie einen Text von Georges Perec, einem der wichtigsten französischen Literaten der Nachkriegszeit, auf die Bühne: „Weil der Frieden Zucker ist! oder: Was für ein kleines Moped mit verchromter Lenkstange steht dort im Hof“ − eine Verteidigung des Pazifismus und des Rechts des Einzelnen gegen einen militarisierten Staat. Die Uraufführung findet am 7. November im Großen Haus statt.Das bewährte Erfolgsduo Barbara Bürk und Clemens Sienknecht nimmt sich in seinem, unterdessen zum Kult avancierten Radioshow-Format Thomas Manns Familienepos „Buddenbrooks - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie" vor. Die älteste Radio-Crew des Nordens präsentiert den sich über vier Generationen erstreckenden großbürgerlichen Niedergang ab dem 26. Februar 2027 im Großen Haus.Satire im Rangfoyer Im RangFoyer inszeniert Paulina Seibold „Der Fiskus" von Felicia Zeller, deren satirische Auseinandersetzung mit dem Cum-Ex- Skandal „Die gläserne Stadt" in der Spielzeit 2023 Premiere hatte. In „Der Fiskus" wirft sie einen entlarvenden und zugleich lustvollen Blick auf den Steuersünder in uns, aber auch auf die Fälle, bei denen mit großer krimineller Energie riesige Summen veruntreut werden. Premiere ist im Frühjahr 2027.Acht neue Stücke am Jungen SchauspielhausDas Junge Schauspielhaus am Wiesendamm eröffnet die neue Spielzeit bereits am 28. August mit der Wiederaufnahme-Premiere „Nimmerland« für ein junges Publikum ab 8 Jahren. Regie führt Brigitte Dethier. Sieben Neuinszenierungen für junge Menschen folgen. Dethier inszeniert „Drei Dinge, die bleiben, und ein Junge, der verschwindet“ von Silvio T. Kretschmer für Jugendliche ab 15 Jahren (Premiere: 24. April 2027). Des weiteren gibt es „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth in der Regie des inszenierenden Intendanten Klaus Schumacher, der gen Ende der Saison auch bei „Die fürchterlichen Fünf“ nach dem Bilderbuch von Wolf Erlbruch (Premiere: 10. April 2027) für Kinder ab sechs Jahren Regie führt. „Das blaue vom Himmel“ ist eine Produktion von Meera Theinert, die sich mit Lügen befasst (Premiere 20. März). „Wir Räuber“ erzählt frei nach Friedrich Schiller frei von Friedrich Schiller, der als 17-Jähriger begann, sein Rebellionswerk zu verfassen. In „Fucking fucking schön“ von Eva Rottmann geht es um alle möglichen ersten Male, und die unterschiedlichen Sprachräume, in denen sie sich fassen lassen. Mathias Spaan inszeniert (Premiere: 5. Februar 2027).Der Vorverkauf für die Saison 26/27 startet am 12. Juni, das Programm: schauspielhaus.de