PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHafenwirtschaftViele Wege führen zum GeldVeröffentlicht am 20.04.2026Lesedauer: 3 MinutenContainerschiffe im Hamburger HafenQuelle: Markus Scholz/dpaDie deutsche Hafenwirtschaft fordert eine deutlich höhere Finanzierung der Hafeninfrastruktur durch den Bund. Doch die scheinbar einfache Lösung wird nicht funktionieren. Bei der Nationalen Maritimen Konferenz Ende April in Emden soll über belastbare Modelle debattiert werden.Der Seehäfen-Interessenverband will auf der anstehenden Konferenz in Emden mit der Bundesregierung über eine Finanzierungsreform beraten. Das kündigte am Montag der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Florian Keisinger, an. Keisinger zufolge sollen die Länder, auch die Binnenländer, in die Debatte einbezogen werden.Am 29. und 30. April ist in Emden die 14. Nationale Maritime Konferenz (NMK) geplant. Die NMK ist das Spitzentreffen der maritimen Branche unter Leitung der Bundesregierung. An der Veranstaltung nehmen Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft teil, unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU). Lesen Sie auchDer ZDS beklagt seit Jahren eine strukturelle Unterfinanzierung der Seehäfen, die aus Verbandssicht die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Die Bundesregierung gewährt den Ländern jährlich 38,3 Millionen Euro für Investitionen in Seehäfen, was auch „Hafenlastenausgleich“ genannt wird. Der ZDS fordert eine „Grundfinanzierung“ von 500 Millionen Euro im Jahr. Zentrale Frage ist, wie sich das Finanzierungsmodell reformieren lässt. Keisinger zufolge ist offen, ob eine aufwendige Grundgesetzänderung dazu notwendig ist. Er fordert, eine Reform aber nicht an Rechtsbedenken scheitern zu lassen. Es brauche eine politische Lösung, die zu einer rechtlichen Lösung führe. Der maritime Koordinator des Bundes, der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß, hatte im Interview mit der WELT AM SONNTAG zuvor gesagt, eine schnelle Reform des Hafenlastenausgleichs sei nicht möglich: „Eine Anhebung des Hafenlastenausgleichs befürworte ich seit vielen Jahren. Dafür bräuchte es jedoch eine Verfassungsänderung. Und dafür fehlt es derzeit an der nötigen Zweidrittelmehrheit, denn AfD und Linkspartei haben mehr als ein Drittel der Stimmen im Deutschen Bundestag“, sagte Ploß. „Deswegen müssen wir das Ziel – mehr Investitionen aus dem Bund für die Häfen – auch über andere Wege erreichen, etwa über die Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur. Auch aus dem Sondervermögen für die Kommunen müssen Investitionen in die Häfen von den Bundesländern finanziert werden.“Lesen Sie auchDem ZDS in Hamburg gehören nach eigenen Angaben rund 140 Betriebe an. Es handelt sich um Terminalbetreiber, Hafenlogistiker und Hafenverwaltungen. Der Hamburger Hafen ist nach Umschlag Deutschlands wichtigster. Es folgen Bremerhaven, Wilhelmshaven, Rostock und Lübeck.Den Finanzierungsbedarf für eine Modernisierung der Seehäfen beziffert der ZDS auf 15 Milliarden Euro. Aus Sicht des Verbands soll das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur der Bundesregierung auch genutzt werden, um die Häfen zu ertüchtigen. Der ZDS drängt zudem auf die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform der Einfuhrumsatzsteuer. Auch bei der Einfuhrumsatzsteuer allerdings bewegen sich die Dinge langsamer als von der Hafen- und Flughafenbranche erhofft. „Mit einem Aufkommen von rund 80 Milliarden Euro jährlich ist die Einfuhrumsatzsteuer die drittgrößte Steuerquelle Deutschlands“, sagte Ploß: „Einer Reform müssten aber alle Bundesländer zustimmen – und einige von ihnen wollen das derzeit nicht, weil sie wohl die Kosten für die Einführung der dafür nötigen neuen Software scheuen. Ich werde weiter Druck machen, dass endlich Bewegung in dieses Thema kommt.“dpa/op
Hafenwirtschaft: Viele Wege führen zum Geld - WELT
Die deutsche Hafenwirtschaft fordert eine deutlich höhere Finanzierung der Hafeninfrastruktur durch den Bund. Doch die scheinbar einfache Lösung wird nicht funktionieren. Bei der Nationalen Maritimen Konferenz Ende April in Emden soll über belastbare Modelle debattiert werden.






