PfadnavigationHomeRegionalesHamburgOpfer war acht Tage gefesseltProzess um Geiselnahme in Badewanne – Angeklagte gestehenVeröffentlicht am 15.04.2026Lesedauer: 3 MinutenDie beiden Angeklagten verdeckten zu Prozessbeginn ihre Gesichter vor den Kameras Quelle: Christian Charisius/dpaEin Streit im Drogenmilieu führte im vergangenen Sommer zu einer brutalen Geiselnahme in Hamburg-Billstedt. Zwei junge Männer haben nun vor Gericht ihre Beteiligung eingeräumt. Dem Opfer gelang nach acht Tagen schwerverletzt die Flucht.Wegen Streitigkeiten um Drogengeld hat eine Gruppe einen Mann in Hamburg-Billstedt für gut eine Woche als Geisel genommen und schwer misshandelt. Nachdem ein Entführer bereits im Februar zu einer hohen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist, stehen nun zwei weitere Männer in Hamburg vor Gericht. Dort haben die beiden Angeklagten, 25 und 27 Jahre alt, jetzt ihre Beteiligung gestanden. Der 25-Jähriger lies seine Verteidigerin eine Erklärung vor der Strafkammer am Landgericht Hamburg verlesen, in der er die Beteiligung einräumte. Der 27-jährige Angeklagte teilte über seinen Anwalt mit, er schäme sich für seine Taten. An einer Misshandlung der Geisel habe er sich aber nicht beteiligt, ließ der 27-Jährige erklären. Die Anklage lautet auf gemeinschaftliche Geiselnahme und gefährliche Körperverletzung sowie Verstoß gegen das Waffengesetz. Der 27-Jährige soll außerdem mit Kokain gehandelt und einen Teleskopschlagstock besessen haben.Lesen Sie auchGemeinsam mit Komplizen sollen die beiden Angeklagten einen Mann aus den Niederlanden nach Hamburg gelockt haben. Laut Anklage gaukelten sie dem Opfer vor, Geld für einen Autoverkauf zu bekommen. Tatsächlich sollte er gezwungen werden, einen ihm bekannten Drogenhändler zu einer Reise nach Deutschland zu bewegen, weil der Mann angeblich Schulden bei einer Bande hatte.Als der Mann aus Venlo in den Niederlanden am Abend des 7. Juni 2025 nach Hamburg kam, fuhr ihn ein Unbekannter zu einem Reihenhaus im Stadtteil Billstedt und ließ ihn vor dem Haus allein. Auf sein Klopfen oder Klingeln hätten mehrere Maskierte die Tür geöffnet und ihn sogleich mit einer Pistole mit Schalldämpfer bedroht, berichtete das Opfer. Sie hätten ihn geschlagen und mit einem Elektroimpulsgerät attackiert. Die Geiselnehmer hätten ihn anschließend an Händen und Füßen gefesselt und eine Treppe in den Keller hinuntergestoßen. Dort habe er sich in einem Badezimmer in eine Badewanne legen müssen. Opfer bricht vor Gericht in Tränen ausAls der Vorsitzende Richter den Zeugen fragte, was dann geschehen sei, brach dieser in Tränen aus und konnte nicht weiterreden. Das Gericht unterbrach die Verhandlung. Laut Anklage wurde der Zeuge während der Geiselhaft gezwungen, Textnachrichten an den Schuldner im Ausland zu schreiben. Es sei jedoch nicht gelungen, diesen nach Deutschland zu locken. Der Gefangene sei ständig von zwei Männern mit Pistolen und einem Messer bewacht und mehrfach geschlagen worden.Lesen Sie auchNach acht Tagen gelang ihm die Flucht durch eine Hintertür in den Garten. Er lief auf ein anderes Grundstück, rief um Hilfe und bat eine Anwohnerin, die Polizei zu rufen. Eine Polizistin berichtete als Zeugin, sie habe den nur mit Boxershorts bekleideten Mann in Handschellen angetroffen. Er habe mehrere Verletzungen gehabt, unter anderem an Hand- und Fußgelenken. Ein Spezialkommando stürmte das Gebäude, in dem der Mann gefangen gehalten worden war, und nahm einen bewaffneten Täter vor Ort fest. Männer wollten mit Belohnung Drogenschulden bezahlenDer inzwischen 29 Jahre alte Festgenommene wurde im Februar zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil des Landgerichts Hamburg ist bisher nicht rechtskräftig. Die Angeklagten im aktuellen Prozess gaben an, für die Bewachung der Geisel seien ihnen jeweils 10.000 Euro als Belohnung versprochen worden. Sie hätten gehofft, damit ihre eigenen Drogenschulden begleichen zu können. Das Gericht hat acht weitere Verhandlungstermine angesetzt, das Urteil könnte am 10. Juni verkündet werden.lno/juve
Opfer war acht Tage gefesselt: Prozess um Geiselnahme in Badewanne – Angeklagte gestehen - WELT
Ein Streit im Drogenmilieu führte im vergangenen Sommer zu einer brutalen Geiselnahme in Hamburg-Billstedt. Zwei junge Männer haben nun vor Gericht ihre Beteiligung eingeräumt. Dem Opfer gelang nach acht Tagen schwerverletzt die Flucht.







