PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungIran-KriegTeheran, wir müssen redenVeröffentlicht am 15.04.2026Lesedauer: 3 MinutenEin regierungsfreundlicher Demonstrant präsentiert in Teheran sein Handy mit dem Bild des verstorbenen Ajatollah Ali Chamenei Quelle: Vahid Salemi/AP/dpaNach mehr als einem Monat Krieg ist im Iran weder ein Regimesturz noch ein militärischer Sieg in Sicht. Das ist der richtige Zeitpunkt für Deutschland, eine Gesprächsebene mit Teheran aufzubauen – unter einer Bedingung.Darf man mit so einem Regime reden? Friedrich Merz scheint sich der Gegenargumente nur allzu bewusst zu sein. „Nach langem Schweigen, für das es auf unserer Seite schwerwiegende Gründe gab, nehmen wir als Bundesregierung jetzt auch die Gespräche mit Teheran wieder auf“, kündigte Merz Ende vergangener Woche an. Das geschehe in Abstimmung mit den USA und „europäischen Partnern“. Es gehe auch darum, zu dem von den Amerikanern wieder aufgenommenen Verhandlungsprozess einen Beitrag zu leisten.Die Verhandlungsbereitschaft der Europäer und besonders der Deutschen hat eine mindestens zwiespältige Geschichte. Tatsächlich waren es Berlin, Paris und London, die schon in den 2000er-Jahren den Versuch unternahmen, dem Iran sein bis dahin geheimes Atomprogramm mit einer militärischen Perspektive auszureden. Dafür war man zu lange bereit, über Menschenrechtsverletzungen in der Islamischen Republik hinwegzusehen.Lesen Sie auchEine Lösung des Atomkonflikts erzielte man so nicht. Zwar fehlte es nach dem Abschluss des maßgeblich von den Europäern ausgehandelten Atomabkommens von 2015 etwa im US-Kongress am Willen zu seiner vollständigen Umsetzung. Aber das ändert nichts an dem Befund, dass der Iran in der Zeit seither einer Bombe wesentlich näher gekommen ist, sein Netz von Milizen und sein Arsenal an Raketen erheblich ausgebaut und seine Bevölkerung in bis dahin ungekannter Weise unterdrückt und misshandelt hat. Soll man wirklich noch einmal versuchen zu reden? Ja, es ist richtig, jetzt mit Teheran zu reden. Denn gescheitert ist ja nicht nur der Verhandlungsweg, den US-Präsident Barack Obama unter europäischer Anleitung gewählt hat, sondern einstweilen auch der Krieg seines Nachfolgers Donald Trump. Mehr als einen Monat nach dem Beginn schwerster Bombardements, weitreichender Zerstörungen der iranischen Militärkapazitäten und der Tötung zahlreicher Führungsfiguren des Regimes ist weder ein Regimesturz noch ein militärischer Sieg oder auch nur die Neutralisierung des iranischen Druckpotenzials in Sicht. Vielmehr ist es derzeit der Iran, der mit seiner faktischen Blockade der Straße von Hormus entscheidenden Druck auf die globale Wirtschaft ausüben kann. Dass der Westen sich und den Rest der Welt in diese absurde Lage manövriert hat, liegt an dramatischen Führungsfehlern der USA – kurz gesagt daran, dass Trump einen Krieg begonnen hat, der nicht einmal im Ansatz durchdacht war. Auf diese Führung allein darf Europa sich nicht verlassen. Nun, wo die Trump-Administration wieder Verhandlungen aufgenommen hat, ist der richtige Zeitpunkt für Deutschland und Europa, eine ergänzende, aber eigenständige Gesprächsebene aufzubauen, um weiteren schädlichen Unfug in der näheren Zukunft zu verhüten.Lesen Sie auchDabei geht es nicht darum, sich mit den Herrschaftsverhältnissen im Iran abzufinden oder „das Regime aufzuwerten“, wie Gegner von Verhandlungen es mitunter formulieren. Es muss vor allem darum gehen, mit Teheran und auch mit den strategischen Partnern des Westens am Golf, nämlich den ebenfalls mit Teheran verhandelnden arabischen Staaten, einen Minimalkonsens zu finden, der die Weltwirtschaft und damit die ökonomische und soziale Stabilität im Westen vor weiteren extremen Schocks zu bewahren. Denn nur wenn diese Bedingung gegeben ist, kann der freie und demokratische Teil dieser Welt den Kampf gegen Gewalt und Unrechtsherrschaft gewinnen. Ein Wandel im Iran und im Nahen Osten ist offenkundig nicht mit plötzlichen Stunts zu erzielen. Es ist ein Langstreckenlauf, zu dem wir den nötigen Atem brauchen. Nur unter diesen Umständen hat eine werte- und regelbasierte Ordnung im Nahen Osten eine Chance. Chaos können die anderen besser als wir.
Deutsch-iranische Beziehungen: Mit Ajatollahs reden? - WELT
Nach mehr als einem Monat Krieg ist im Iran weder ein Regimesturz noch ein militärischer Sieg in Sicht. Das ist der richtige Zeitpunkt für Deutschland, eine Gesprächsebene mit Teheran aufzubauen – unter einer Bedingung.







