PfadnavigationHomeICONISTTrendsModerne KarrierenDesigner, zehn Jahre alt, Journalistin, zwölf Jahre – TikTok macht sie zu Mode-StarsVon Josie RathVolontärin an der Axel Springer Academy Veröffentlicht am 20.04.2026Lesedauer: 6 MinutenMax Alexander nach seiner Show bei der Paris Fashion Week – zehn Jahre alt, aber längst kein Neuling mehr Quelle: BLANCA CRUZ/AFPMan kann nicht jung genug sein für die Modewelt: Max Alexander, 10, zeigte seine Mode auf der Pariser Modewoche, Taylen Biggs, 12, sitzt in der ersten Reihe und interviewt Superstars. Hinter den Karrieren stehen natürlich Eltern. Doch wie kann so etwas gelingen?Ein zwölfjähriges Mädchen interviewt Donatella Versace. Ein zehnjähriger Junge zeigt seine Kollektion auf der Pariser Fashion Week. Während noch darüber gesprochen wird, dass aus der „Gen Z“ vor allem Influencer hervorgehen und die Modebranche mit „Instagram-Designern“ ihren klassischen Charme verliert, hat die nächste Generation diese Debatte längst überholt. Die „Gen Alpha“, geboren zwischen 2010 und 2025, beschert der Glanz-und-Glamour-Welt schon jetzt ihre ganz eigenen Wunderkinder.Max Alexander ist eines davon. Mit zehn Jahren hält der Amerikaner den Guinness-Weltrekord als jüngster Runway-Designer der Welt. Er hat bereits Shows in Los Angeles, Aspen und New York City organisiert und präsentierte am 3. März seine bislang bedeutendste Kollektion im Palais Garnier in Paris.Max behauptet von sich selbst, er sei die Wiedergeburt von Guccio Gucci. Sein Zugang zum Design ist dabei etwas ungewöhnlich: Er arbeitet nicht mit Skizzen, sondern direkt mit dem Material. Drapieren, Formen, Feststecken: ein Prozess, der eher an eine Skulptur erinnert als an klassische Modedesigns.Seine Runway-Show für die Pariser Fashion Week umfasste 15 Looks, rund 95 Prozent davon gefertigt aus nachhaltigen Materialien wie Deadstock-Stoffen oder überschüssigen Textilien. Eines der zentralen Stücke war ein voluminöses Kleid aus einem französischen Militärfallschirm. Das Korsett dazu entstand in über zehn Stunden Handarbeit gemeinsam mit einem der ältesten Korsett-Ateliers in Los Angeles. Wie er die aufwendige Show finanzierte? Oder wer? Unklar.Auch die zwölfjährige Taylen Biggs sitzt in der „front row“ derselben Fashion Week. Rund 1,8 Millionen Menschen folgen ihr auf TikTok und Instagram, sie hat mehr als 15 Fashion Weeks besucht und bewegt sich zwischen New York City, Mailand und Paris wie jemand, der diese Branche nicht erst betreten hat – sondern längst Teil von ihr.Die Zwölfjährige interviewt Prominente wie Donatella Versace und wird von der Modelegende dabei selbst als die „Future of Fashion“ bezeichnet. Fragen an Selena Gomez und Michael B. Jordan gehören für Taylen längst zum Alltag. Und dann ist da dieses Interview mit den „Wicked“-Stars Ariana Grande und Cynthia Erivo, das Taylen über Nacht auf TikTok berühmt machte: Die Zwölfjährige stellt Fragen, macht am Ende ein Selfie, nimmt kurz Grandes Sonnenbrille entgegen und gibt sie ebenso beiläufig zurück – ohne darüber nachzudenken, was diese Brille wohl kostet, und fast so, als wäre sie bei Freundinnen auf der Couch. Die Distanz, die solche Interviews sonst prägt, scheint bei Taylen nicht zu existieren. Vielleicht, weil sie den Weltstars nicht mit Ehrfurcht begegnet, sondern mit einer kindlichen Selbstverständlichkeit.Auch wenn beide Mode-Wunderkinder keine klassischen „Nepo-Babys“ sind, wie man sie aus Modefamilien wie den Hadids oder Kardashians kennt, ganz ohne Nähe zur Öffentlichkeit wachsen sie nicht auf. Max’ Mutter Sherri Madison ist Künstlerin, bekannt aus der HBO-Max-Show „Craftopia“, in der sie aus Kartons Skulpturen baut. Auch auf Instagram ist sie mit rund 70.000 Followern präsent – ob wegen ihrer eigenen Arbeiten oder wegen Videos ihres Sohnes. Der Umgang mit Öffentlichkeit und medialer Aufmerksamkeit ist ihr also nicht neu. Und auch bei Taylen beginnt alles früh: Ihre Mutter Angelica Calad postet Bilder von ihr, als sie gerade mal 18 Monate alt ist. Eine Werbeagentur wird darauf aufmerksam, es folgt der erste Modeljob, unter anderem für eine Kinderlinie der Kardashians. Die Sichtbarkeit entsteht hier nicht zufällig, sondern wird von Anfang an mitgedacht. Während der Pandemie verlagert sich das Ganze auf Instagram und TikTok, wo Taylen beginnt, Red-Carpet-Looks zu kommentieren und später als „Backstage-Host“ zur New York Fashion Week eingeladen wird. Auch bei Max sind es die Videos, die den Durchbruch bringen: Seine Designs gehen ab 2021 viral, insbesondere seine „Flower Dresses“, eine Couture-Serie mit floralen, teilweise invertierten Blütenformen. In den Videos wirken die Kinder spielerisch und passioniert – gleichzeitig werden eben diese Inhalte von den Eltern produziert und gesteuert.Lesen Sie auchHeute verwalten die Mütter die Accounts – und ihre Kinder. Taylens Eltern betonen, dass Schule Priorität habe und Pausen bewusst eingeplant werden. Auch bei Max sei der Alltag strukturiert: Seine Mutter vergleicht das mit einem jungen Profisportler, der nach der Schule mehrmals die Woche trainiert und am Wochenende Spiele hat – nur dass es hier eben Fashion Weeks sind.Neu ist dieses Modell nicht: Immer wieder gibt es Kinder, deren Erfolg eng mit der Organisation durch die Eltern verbunden ist. Das „Geschäftsmodell Kind“ funktioniert – vielleicht auch deshalb, weil es viel Aufmerksamkeit bündelt. Und wo Aufmerksamkeit ist, ist meist auch Geld: Kooperationen, Social Media, Markenpartnerschaften – vieles lässt sich monetarisieren. Und nicht selten stellen Eltern dafür eigene Karrieren zurück und werden als sogenannte „mompreneur“ selbst Teil dieses Geschäfts.Denn auch Taylen ist längst mehr als nur Mini-Journalistin. Sie ist Kampagnengesicht internationaler Marken. In einem Werbevideo für das Ritz-Carlton läuft sie geschniegelt durch eine Suite, die babypinke Louis-Vuitton-Tasche quer über der Schulter, kommentiert das Interieur, setzt sich an den Tisch und bestellt aus dem „Ritz Kids“-Menü. Ein Werbedeal, für den andere Influencer wohl alles geben würden.Auch Max zählt prominente Kundinnen wie Sharon Stone oder Debra Messing zu seinen Auftraggeberinnen. Und der Junge bewegt sich längst in einem Netzwerk, das sonst erfahrenen Designern vorbehalten ist: Mit Fern Mallis, der Gründerin der New York Fashion Week und einer der einflussreichsten Figuren der Branche, verbindet ihn eine enge Beziehung und eine Art Mentorenschaft. Auch wenn sich eine Fashion Week kaum von selbst bezahlt, dürfte wohl vieles über genau diese Kontakte und Kooperationen laufen.Taylen kommt bei den Prominenten ohnehin gut an. Es scheint inzwischen kaum noch einen Namen zu geben, den sie nicht zumindest einmal vor dem Mikrofon hatte. Und offenbar gibt es nur wenige, die nicht mit ihr sprechen möchten. Zugegebenermaßen ist es wohl auch schwer, einem kleinen Mädchen Nein zu sagen. Ihre Fragen sind oft einfach, aber selten banal. Es wirkt nicht einstudiert, eher so, als würde sie wirklich wissen wollen, was ihr Gegenüber zu sagen hat. Für Taylen sind Donatella, Rihanna oder Chris Hemsworth keine unnahbaren Stars, sondern einfach Menschen. Zumindest kann sie das so rüberbringen. Und das funktioniert in den sozialen Medien besonders gut.Warum faszinieren diese Wunderkinder so sehr?Ein Teil der Antwort liegt im Offensichtlichen: ihrem Alter. Der Kontrast zwischen dem, was man erwartet – und dem, was wir sehen. Nämlich ein kleines Mädchen, das Interviews mit Weltstars mit größter Selbstverständlichkeit führt. Ein Junge, der auf einer der wichtigsten Bühnen der Modewelt eine eigene, elegante und dann auch noch nachhaltige Kollektion zeigt.Vielleicht ist es genau das, was irritiert: dass nichts daran nach „zu früh“, sondern erstaunlich erwachsen aussieht. Und doch bleibt die Frage, wie viel von dieser Leichtigkeit tatsächlich noch kindlich ist. Denn so selbstverständlich diese Auftritte wirken, normal sind sie nicht. Lesen Sie auchFolgenlos ist solcher früher Erfolg auch nicht immer. Bisher erhalten die beiden jungen TikTok-Stars jedoch viel Rückendeckung: Coco Rocha modelt stundenlang für Max, auch eine Selena Gomez begegnet Taylen mit spürbarer Offenheit – fast so, als freuten sich die großen Stars über die Begegnung mit den kleinen mindestens genauso sehr wie diese selbst.
Designer, 10 Jahre alt, Journalistin, 12 Jahre – TikTok macht sie zu Mode-Stars - WELT
Man kann nicht jung genug sein für die Modewelt: Max Alexander, 10, zeigte seine Mode auf der Pariser Modewoche, Taylen Biggs, 12, sitzt in der ersten Reihe und interviewt Superstars. Hinter den Karrieren stehen natürlich Eltern. Doch wie kann so etwas gelingen?







