PfadnavigationHomeRegionalesHamburgNach Angriff in Hamburger EinkaufscenterHamburger Wolf wieder ausgewildertVeröffentlicht am 07.04.2026Lesedauer: 4 MinutenAn der Binnenalster – hier wurde der Wolf schließlich eingefangen – versammelten sich am Ostersonntag eine Tierschutz-Gruppe Quelle: Markus Klemm/dpaJetzt ist klar, was aus dem Wolf wird, der in der vergangenen Woche eine Frau in Hamburg attackierte. Die Umweltbehörde teilte mit, dass das Tier wieder durch die Wälder streift. Es wird dabei überwacht.Nach dem spektakulären Vorfall Ende März in Hamburg ist der Wolf, der mehrfach in der Stadt gesichtet worden war und dabei eine Frau verletzt hatte, wieder ausgewildert worden. Am Abend des Ostersonntags wurde das Tier mit einem Sender ausgestattet und in die Freiheit entlassen. Seitdem wird es im Rahmen des europaweiten „LIFE Wild Wolf“-Projekts länderübergreifend überwacht.Nach Angaben der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) ist der Aufenthaltsort des Wolfs jederzeit nachvollziehbar. Sollte sich das Tier erneut Siedlungen nähern, können Jäger kurzfristig eingreifen. Zum genauen Standort macht die Behörde aus Gründen des Tierschutzes keine Angaben. Die Auswilderung erfolgte demnach unter strengen Auflagen und gilt als Maßnahme „auf Bewährung“.Lesen Sie auchDer Entscheidung war eine intensive Prüfung verschiedener Optionen vorausgegangen. Die BUKEA hatte nach eigenen Angaben bundes- und europaweit Expertinnen und Experten konsultiert. Eine dauerhafte Unterbringung in einem Wildgehege sei aus rechtlichen und praktischen Gründen nicht möglich gewesen, eine Tötung des Tieres habe ebenfalls nicht zur Debatte gestanden.Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sprach von einer „rechtssicheren Lösung“, die sowohl die Sicherheit der Bevölkerung als auch das Tierwohl berücksichtige. Durch die Besenderung sei gewährleistet, dass im Ernstfall unmittelbar reagiert werden könne, etwa wenn sich der Wolf erneut in Richtung bebauter Gebiete bewege.Der Wolf war zwischen dem 28. und 30. März mehrfach im Hamburger Westen gesichtet worden. Nach Einschätzung der BUKEA wurde er in Klein Flottbek vermutlich durch einen äußeren Reiz – etwa ein Auto oder ein anderes Tier – in Stress versetzt und rannte daraufhin durch mehrere Stadtteile. Am 30. März verirrte er sich in der Großen Bergstraße in eine schmale Einkaufspassage, wo es zu dem Kontakt mit einer Passantin kam. Die Frau wurde verletzt, konnte das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung jedoch wieder verlassen.Das „LIFE Wild Wolf“-Projekt, in dessen Rahmen das Tier weiter überwacht wird, hat den langfristigen Erhalt der Wolfspopulationen in Europa zum Ziel. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Umgang mit kritischen Situationen in von Menschen geprägten Landschaften. Behörden sollen besser in die Lage versetzt werden, Konflikte zwischen Mensch und Wolf zu lösen und künftig zu vermeiden.Am Sonntagnachmittag hatten sich nach Veranstalterangaben rund 150 Tierfreunde bei einer Mahnwache am Hamburger Jungfernstieg für die Freilassung des Tieres eingesetzt. Beobachter schätzten die Zahl eher auf 100. Einige von ihnen brachten ihre Hunde mit, andere trugen Schilder mit der Aufschrift „Lasst ihn zurück in seine Freiheit“, „Ich bin keine Trophäe“ oder „Der Wolf soll bleiben“. Der Wolf war an der Stelle am vergangenen Montag von der Polizei aus der Binnenalster gefischt worden. Zeugenaussage sät ZweifelNaturschützer bezweifeln, dass der Wolf die Frau angegriffen und gebissen hat. Sie verweisen etwa auf eine Zeugin, die gesehen haben will, dass der Wolf die Frau angesprungen, aber nicht gebissen habe. Die Textilhändlerin mit eigenem Geschäft in der Passage sagte dem „Hamburger Abendblatt“: „Es sah eher so aus, als hätte der Wolf sie beim Anspringen mit seiner Pranke im Gesicht getroffen.“ Außerdem argumentieren die Naturschützer: Es sei unwahrscheinlich, dass das Opfer bei einem Wolfsbiss hätte lediglich ambulant im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt werden können. Sollte der Wolf tatsächlich zugebissen haben, wäre dies der erste derartige Angriff seit Jahrzehnten. „Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, hatte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Für Umweltsenatorin Fegebank ist das auch wichtig für die Bewertung, wie mit dem Wolf künftig umgegangen werden soll.Fegebank besorgt: „Tut er das wieder?“„Er hat das einmal getan, tut er das wieder?“, hatte Fegebank am Dienstag gesagt. Vorstellbar sei eine Situation, in der der Wolf auf einen Schulhof oder in eine Kita hineinlaufe. „Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde“, sagte Fegebank. „Wölfe sind Raubtiere.“ Aus ihrer Sicht gibt es nun drei Optionen: auswildern - mit der Gefahr, dass das Tier wieder in eine Stadt laufe - einschläfern oder ihn in einen Wildpark bringen.Wolfsexperten wie Norman Stier von der TU Dresden oder der Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, Arne Vaubel, halten die Integration des Wolfs in ein Rudel in einem Wildpark für unmöglich. „Da gibt es Erfahrungen von Hybridfängen aus der Anfangs-Wolfswiederbesiedlung aus der Lausitz, die auch in sehr großen Gehegen trotzdem qualvoll zugrunde gegangen sind“, sagte Stier.jlau