PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaHertha BSCUefa-RichtlinieDarum wurde das Skandalspiel zwischen Dresden und Hertha BSC nicht abgebrochenVeröffentlicht am 07.04.2026Lesedauer: 4 MinutenDas Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC wird von heftigen Fan-Ausschreitungen überschattet. „Das war vielleicht der letzte Punkt, bei dem das Fass übergelaufen ist“, sagt Ex-Profi Steffen Freund in der Sendung BILD Sport bei WELT TV.Pyrotechnik, Platzsturm, Polizei im Großeinsatz. Nach den Fan-Ausschreitungen beim Zweitliga-Abendspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC ist die Bestürzung groß – nicht nur bei den Vereinen. Dennoch verlief nach Uefa-Protokoll alles nach Plan.Fans stürmen den Platz, Jagdszenen zwischen dem Mob und Sicherheitskräften entwickeln sich, Pyrotechnik fliegt in die Fanblöcke, eine Polizeihundertschaft muss eine Viertelstunde das Spielfeld sichern. Bei der Partie zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC (0:1) spielten sich Szenen ab, die in einem Erst- oder Zweitligastadion so schon lange nicht mehr gesehen wurden. Mittlerweile hat der DFB-Kontrollausschuss nach den Vorkommnissen angekündigt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen beide Vereine eingeleitet wird. Die Polizei Sachsen teilte mit, dass „mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Ticketbetrug“ eingeleitet worden sein. Darüber hinaus meldete sich auch Sachsens Innenminister Armin Schuster zu Wort. Der CDU-Politiker sieht den Bogen überspannt und fordert „drakonische Konsequenzen“.Trotz der Eskalation wurde das Duell wieder angepfiffen. WELT erklärt, warum.Schlüssel ist der Drei-Stufen-Plan, der 2011 von der Uefa eingeführt wurde, um Spieler vor Eskalationen vonseiten der Fans oder Ultras zu schützen. Er soll verhindern, dass der Fußball als Bühne für diskriminierende Handlungen, Äußerungen, Gesten oder Gewaltandrohungen missbraucht wird.So sehen die drei Eskalationsstufen aus.Stufe 1: Bemerkt der Schiedsrichter ein Fehlverhalten, unterbricht er das Spiel. Die Fans werden per Durchsage aufgefordert, sofort damit aufzuhören. Erst wenn sich die Lage beruhigt, wird wieder angepfiffen.Stufe 2: Geht es danach weiter, stoppt der Schiedsrichter die Partie erneut. Die Teams müssen in die Kabinen, eine zweite Ansage folgt.Stufe 3: Eskaliert die Situation ein drittes Mal, kann der Schiedsrichter das Spiel endgültig abbrechen.Lob von Herthas Trainer Leitl für Schiedsrichter JablonskiIn Dresden lief es genau nach diesem Schema ab: Zunächst wurde das Spiel wegen des dichten Pyro-Rauchs unterbrochen. Nach Wiederanpfiff von Schiedsrichter Sven Jablonski eskalierte die Lage dann richtig: Pyrotechnik flog zwischen den Fanlagern, es kam zu Jagdszenen auf dem Platz, weil Fans beider Teams in den Innenraum des Stadions eingedrungen waren. 750 Polizisten aus Bayern und Thüringen sowie der Bereitschaftspolizei Sachsen verhinderten Schlimmeres.Die Partie wurde erneut gestoppt, die Spieler mussten in die Kabinen. Damit war Stufe zwei erreicht. Klar war aber auch: Wäre es danach zu einer weiteren Eskalation gekommen, hätte der Schiedsrichter das Spiel endgültig abgebrochen.Lesen Sie auch„Der Drei-Stufen-Plan wurde eingehalten und umgesetzt. Das Ziel war ganz klar vom Schiedsrichterteam, das Spiel auch weiter vorzuführen“, sagte Herthas Trainer Stefan Leitl.Auch vom Berliner Boss Dr. Peter Görlich gab es Lob. „Das Protokoll der DFL wurde von den Schiedsrichtern sehr besonnen ausgeführt. Er hat uns klar mitgeteilt, dass bei der nächsten Verfehlung das Spiel abgebrochen wird“, sagte er. Trotz der heftigen Szenen blieb die letzte Eskalationsstufe also aus. Nach der Unterbrechung beruhigte sich die Lage so weit, dass Schiedsrichter Jablonski die Partie fortsetzen konnte.„Diese Krawalle haben nichts mit Fankultur zu tun“Der sächsische Innenminister Schuster will die Ausschreitungen indes nicht auf sich beruhen lassen. „Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es für die weiteren Verhandlungen oder Gespräche kein Pardon mehr geben. Meine Geduld hat hier endgültig ein Ende“, sagte er.Die Vorkommnisse stünden symbolisch für eine „Gewaltfolklore“ in deutschen Fußballstadien und stellten den gesamten bisherigen Verhandlungsweg mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) infrage. „Die Ergebnisse einer präzisen Aufarbeitung dieses Spiels durch die Vereine und die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei lasse ich mir persönlich vorlegen“, betonte Schuster: „Der Charakter einer kommenden Innenministerkonferenz wird auch maßgeblich davon geprägt sein, wie drakonisch die Konsequenzen sind, die aus diesen Krawallexzessen gezogen werden. DFB, DFL und die Vereine können nur noch mit Wirkung überzeugen.“Die DFL hat die Krawalle unterdessen in großer Deutlichkeit verurteilt. „Diese Krawalle haben nichts mit Fankultur zu tun. Wir setzen uns seit Monaten für sinnvolle und vertretbare Sicherheitsmaßnahmen ein, um die hohe Sicherheit in den Stadien zu stärken und die positive Fankultur zu wahren. Diese Vorfälle gefährden Fankultur und den gesamten Fußball“, teilte die DFL mit. Auch das Fehlverhalten der Berliner Fans, die über die Absperrungen sprangen und zuerst Pyrotechnik zündeten, war offenkundig. „Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst“, sagte Geschäftsführer Görlich.pk