PfadnavigationHomekmpktErfahrungsberichtSo verlief meine private Energiewende – und warum ich nicht mehr auf die Politik warten wollteVeröffentlicht am 01.04.2026Lesedauer: 5 MinutenWeg von Heizöl und Sprit – eine Entscheidung, die viele vielleicht nicht ganz nachvollziehen könnenQuelle: Getty Images/Halfpoint ImagesPhotovoltaik auf dem Dach, Stromspeicher im Keller, E-Auto und Wärmepumpe vor der Tür: Unsere Autorin hat ihre private Energiewende selbst in die Hand genommen. Hier zieht sie ein Fazit – und erklärt, was sie am meisten ärgerte.Ich habe meine persönliche Energiewende nicht aus Überzeugung, Ideologie oder Protest begonnen, sondern aus einem Bauchgefühl heraus. Und aus einer gewissen Müdigkeit gegenüber politischen Ankündigungen, die seit Jahren im Raum stehen, ohne dass sich jemand wirklich traut, klare Entscheidungen zu treffen. Was wird nun gefördert, warum und wie lange?Während darüber noch diskutiert wird, ist für mich seit vielen Jahren klar: Erneuerbare Energien sind effizient, umweltfreundlich und bei konsequentem Netzausbau auch sinnvoll nutzbar. Irgendwann habe ich mich gefragt, worauf ich eigentlich warte.Strom ernten statt Debatten verfolgenIm Sommer kam die Photovoltaikanlage aufs Dach, dazu ein großer Batteriespeicher in den Keller. Eine recht nüchterne Rechnung: Wegen der Einspeisevergütung allein installiert die Platten inzwischen wohl niemand mehr aufs Dach. Wer Solarstrom hat, sollte ihn also am besten selbst nutzen. Positiver Nebeneffekt: Mein sonst eher verhaltenes technisches Interesse ist geweckt, wenn ich in die dazugehörige Solar-App schaue. Sonne scheint, Strom fließt, der Speicher lädt auf. Der Sommer bedeutet für mich jetzt „Erntezeit“ – und meine monatlichen Stromkosten sind in den warmen Monaten um rund 87 Prozent gesunken.Lesen Sie auchKurz darauf legte ich mir daher ein E-Auto zu. Die berühmte Reichweitenangst? Nach drei Monaten Fahrpraxis halte zumindest ich sie für weitgehend unbegründet. Für meine alltäglichen, kurzen Fahrten zur Arbeit oder zum Einkaufen reicht der Akku mit 600 Kilometern Reichweite mehrere Wochen. Für einen spontanen Trip an die Ostsee habe ich auf der Hinfahrt einen zwanzigminütigen Stopp eingelegt. Für die Rückfahrt startete ich bei 100 Prozent und kam damit locker bis nach Berlin. Böse Überraschungen gab es für mich bislang nicht, weil sich wie beim Handy auch gut abschätzen lässt, wann man wieder an die Steckdose muss.Wer zu Hause laden kann, startet jeden Morgen mit „vollem Tank“. Im Sommer oft direkt aus dem eigenen Solarstrom, bei schlechtem Wetter für rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Noch, denn ich warte auf den Einbau meines „Smart Meters“ – das ist ein digitaler Stromzähler, der den Energieverbrauch und die Einspeisung in Echtzeit misst und automatisch an den Netzbetreiber übermittelt. Dadurch wäre die Nutzung von dynamischen Stromtarifen möglich. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.Digital ist das alles, nutzerfreundlich aber nichtWas mich allerdings nervt, sind öffentliche Ladesäulen. Nicht unbedingt wegen der Technik, auch wenn ich schon einige Stationen angesteuert habe, die gar nicht funktionierten. Noch mehr stört das undurchsichtige Preissystem. Die Kosten schwanken je nach Anbieter und Standzeit, Rabatte gibt es nur mit bestimmten Apps, Kundenboni nur bei speziellen Verträgen, die sich wiederum mal mehr, mal weniger lohnen. Geht’s bitte noch komplizierter? Inzwischen habe ich eine Lösung gefunden, die auf den ersten Blick alles andere als fortschrittlich wirkt: Auf einem Spickzettel, der mit meinem Ladekarten-Sammelsurium hinter der Sonnenblende klemmt, steht handschriftlich notiert, wo es in meiner Gegend am günstigsten ist. Auf längeren Strecken überlasse ich dagegen dem Auto-Navi die Suche nach der besten Ladestation.Eine Bitte hätte ich dann aber doch an die Politik: Drückt beim bidirektionalen Laden für E-Autos weiter aufs Tempo! Gemeint ist damit, dass das Auto nicht nur Strom lädt, sondern ihn bei Bedarf auch wieder abgeben kann – etwa ins eigene Haus und perspektivisch auch ins Netz. Die Technik ist da, sodass etliche Fahrzeuge längst als Speicher dienen könnten, um das Netz in Spitzenzeiten zu entlasten und sogar die Wärmepumpe unterstützen. Es wäre der nächste logische Schritt. Noch ist es ein Versprechen für „ganz bald“.Der nächste Schritt in meiner persönlichen Energiewende war die Installation der Wärmepumpe. Meine zwei überdimensionierten Ölheizungen für die Häuser auf dem Grundstück waren schon über 30 Jahre alt – und vor allem eines: geruchsintensiv. Die Keller waren praktisch nur eingeschränkt nutzbar, weil sie immer nach Heizöl rochen. Dass ich mich von den riesigen Tanks trennen wollte, hatte also zunächst weniger mit Politik zu tun als mit der eigenen Lebensqualität. Angesichts der steigenden Ölpreise bin ich nun aber umso glücklicher, dass ich mich komplett von den Ölheizungen verabschiedet habe. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Wartung und Schornsteinfeger kosten mit einer Wärmepumpe für alle Wohnbereiche ebenfalls weniger. Und ich habe das leidige Thema Heizungstausch nun für die nächsten Jahrzehnte vom Tisch.Technik und Leistung überzeugen mich, die Erfahrungen aus anderen Ländern auch. Weniger schön sind dagegen die Preise für die Installation. Vor allem bei den vorliegenden Wärmepumpenangeboten hatte ich das Gefühl, dass Förderungen bereits eingepreist sind. Der Bonus, den die KfW einem bietet, wird vom Markt so direkt wieder aufgefressen.Passende Handwerker zu finden, ist ebenfalls kein Selbstläufer. Angebote kommen spät oder gar nicht. Vieles blieb zumindest bei mir vage. Wer seine Energiewende umsetzen will, braucht daher neben dem nötigen Kleingeld wohl viel Geduld, Optimismus und vor allem Eigeninitiative. Die KfW-Förderung ließ sich mithilfe des Fachbetriebs immerhin unkompliziert beantragen.Einfach mal loslegen statt aufregenKlar ist: Über die Stolpersteine bei der Energiewende kann man sich aufregen. Über die schwer durchschaubaren Ladepreise an öffentlichen Säulen zum Beispiel, über träge agierende Netzbetreiber, die Engpässe im Handwerk – oder darüber, dass man trotz Förderung mehr Geld in die Hand nehmen muss als in Ländern wie Großbritannien.Es wundert mich dennoch, wie hartnäckig sich Vorbehalte gegen erneuerbare Energien halten – insbesondere bei denen, die selbst noch keine Berührungspunkte mit der Technologie hatten. Nachdem die Wärmepumpe bestellt war, wurde mir im näheren Umfeld von Hausbesitzern mit Gas- oder Ölheizung mehrfach nahegelegt, die alte Ölheizung vorsorglich als „Backup“ stehenzulassen. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen im Haus sowie ein „Notfall-Heizstab“ für extrem kalte Tage eine vollständige Umstellung zulassen. Die Sorge vor möglicher Unzuverlässigkeit oder womöglich explodierenden Stromkosten scheint oft größer als die Bereitschaft, funktionierende Lösungen auch zu nutzen. Ich kann hier nur von meinem persönlichen Fazit berichten: Die Investitionen haben sich für meine Lebenssituation gelohnt, weil ich nun autarker in die Zukunft schauen kann. Im Sommer versorgen sich Häuser und Hof dank der PV-Anlage weitgehend allein mit Strom, im Winter sind die Kosten nun besser berechenbar als mit schwankenden Ölpreisen. Irgendwann muss jeder Hausbesitzer anfangen und einige Entscheidungen treffen. Nur: Wer wartet, bis vom Staat alles wunderbar vorgegeben ist, muss vermutlich noch lange Däumchen drehen.
Wärmepumpe und E-Auto: So verlief meine private Energiewende – und warum ich nicht mehr auf die Politik warten wollte - WELT
Photovoltaik auf dem Dach, Stromspeicher im Keller, E-Auto und Wärmepumpe vor der Tür: Meine private Energiewende läuft besser als erwartet – über einige Details ärgere ich mich trotzdem.






