Früher war es gängige Praxis: Wie gut oder schlecht eine Klassenarbeit ausgefallen war und wer besonders gut abgeschnitten oder auch mal daneben gelegen hatte, wurde vor der gesamten Klasse verkündet. Und welche Note man auf dem nächsten Zeugnis zu erwarten hatte, natürlich auch. Und heute? Gibt es dieses Verfahren überhaupt noch? Und wenn ja, ist es zulässig und pädagogisch sinnvoll? Ein Überblick:Die rechtliche Situation«Aus datenschutzrechtlicher Sicht kann eine solche individuelle Notenverkündung in der Klasse nur dann zulässig sein, wenn sie sich auf eine Rechtsgrundlage stützen kann», heißt es im Jahresbericht der Datenschutzbeauftragten Monika Grethel. Im saarländischen Schulrecht finde sich keine rechtliche Verankerung dieser Praxis. Die Bewertung oder Benotung schulischer Leistungen vor den übrigen Mitschülern sei «demnach datenschutzrechtlich unzulässig». Hieran ändere auch eine gut gemeinte Absicht wie die Motivation der Schüler nichts.Laut Bildungsministerium regelt im Saarland der Erlass zur Leistungsbewertung (LBE) vom 9. Juli 2024, wie Schülerinnen und Schüler in allen Schulformen bewertet werden. «Eine weitere Novellierung ist nicht geplant», heißt es auf Anfrage. «Für alle Schulformen gilt, dass die Nennung einzelner personenbezogener Noten vor der Klasse aus datenschutzrechtlichen und auch pädagogischen Gründen unzulässig ist.»Für Grund- und Förderschulen sei im LBE klar festgelegt, dass Notenspiegel im Klassenraum nicht bekanntgegeben werden dürfen. Auch an weiterführenden Schulen dürfen Notenspiegel in nicht-schriftlichen Fächern nicht öffentlich gezeigt werden. Lediglich in schriftlichen Kernfächern wie Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen oder in beruflichen Fächern dürfen Notenspiegel veröffentlicht werden, allerdings immer anonymisiert.Was spricht gegen die Bekanntgabe von Noten?«Ganz groß rauszuposaunen, wer welche Note hat, ist ein absolutes No-Go. Das geht gar nicht», sagt Dominik Schwer, Landesvorsitzender des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV), der Pädagogen in Grund-, Förder- und Gemeinschaftsschulen vertritt. Selbst die Bekanntgabe eines Notenspiegels könne für Kinder belastend sein. Die jüngste «Schulparameter»-Studie habe gezeigt, dass das psychische Wohlbefinden der Schüler leide. Das habe mit dem Druck durch Schulnoten zu tun. «Da muss man schon sehr, sehr sensibel agieren als Lehrkraft», so Schwer.Im Grundschulbereich herrsche ein relativer Freiraum, an weiterführenden Schulen, wo der Leistungsgedanke stärker gelebt werde, müssten die Schüler mit Noten klarkommen. «Aber da muss man schon aufpassen, dass Schüler wegen Noten nicht bloßgestellt werden.»Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbandes, der Interessenvertretung der Gymnasien, zweifelt den Nutzen einer solchen Praxis grundsätzlich an: «Das mag es früher mal gegeben haben, aber