PfadnavigationHomeICONISTTrendsMichael B. JordanEin Oscar und zwei BurgerVeröffentlicht am 27.03.2026Lesedauer: 4 MinutenSchauspieler Michael B. Jordan mit seiner Mutter Donna im Dolby Theatre, Los Angeles Quelle: Roger Kisby/The Academy via Getty ImagesNicht der aufgedrehte Wunderknabe Timothée Chalamet, auch nicht der Grandseigneur Leonardo DiCaprio. Der Gewinner des Oscar-Abends war Michael B. Jordan. Den Sieg feierte er nicht etwa mit einer Champagnerdusche – sondern mit einem Besuch im Fast-Food-Restaurant.„Gott ist gut. Gott ist gut“, waren seine ersten Worte, als er die Bühne des Dolby Theaters erstiegen hatte, um den Oscar als bester Hauptdarsteller in dem Film „Blood & Sinners“ anzunehmen. Danach grinste er zu seiner Begleitung in Reihe 2: „Hey, Mum. What's up?“ Kein Supermodel, keine Schauspielerkollegin, keine Literaturprofessorin wie sein Regisseur Ryan Coogler: Wie so oft hatte der Schauspieler Michael B. Jordan seine Mutter Donna zur Preisverleihung mitgebracht. Als dann Adrien Brody seinen Sieg verkündete, versenkte er als Erstes seinen Kopf an ihrer Schulter. Jubel ist immer schön, aber dieser Mann kriegte das wirklich besonders gut hin: als sei er überglücklich und gleichzeitig erschüttert. In seiner Rede dankte er den anderen fünf schwarzen Schauspielern, die vor ihm die Auszeichnung erhalten hatten (mehr sind es nämlich nicht). Und weil er ein höflicher Mann ist: auch seiner Kollegin Halle Berry. Man hätte ihm auch zwei Oscars gegönnt, schließlich spielte er in dem ausgezeichneten Film die Zwillingsgangster Smoke und Stack, die im Jahre 1932 aus Chicago zurück in ihre Heimat Mississippi kommen, um hier einen Juke Joint zu eröffnen. Dabei kommt ihnen eine Gruppe von Vampiren in die Quere. Der Film ist ein rasanter, blutiger Genremix und eine Liebeserklärung an den Blues (und ca. ein Dutzend andere Musikgenres). Er spielte weltweit 370 Millionen US-Dollar ein, nur in Deutschland hat ihn aus unerfindlichen Gründen kaum jemand gesehen.Lesen Sie auchDass aus dem Jungen etwas werden könnte, sah man schon 2002, als der damals 15-jährige Michael B. Jordan (sein Vater heißt übrigens Michael A. Jordan) den leider zu gutherzigen Nachwuchsdealer Wallace in der legendären Serie „The Wire“ spielte. Und als narbenübersäter Rächer und Schurke in dem Superheldenfilm „Black Panther“ war der Mann eine Naturgewalt. Natürlich wurde er auch mal zum „Sexiest Man Alive“ erklärt, aber wer wurde das nicht?Am Morgen nach der Oscar-Nacht kursierten in den sozialen Medien Fotos und Filme, die den Schauspieler zeigten, wie er mit seiner Oscar-Statue in der Hand eine Filiale von „In-N-Out Burger“ besucht. Die Kette erledigt auch das Catering bei der „Vanity Fair“-Party, aber hier scheinen auch Normalsterbliche zu speisen. Die anderen Gäste jubeln, der Mann am Tresen gibt ihm die Faust, Jordan setzt sich mit seinem Tablett an einen Tisch. Da sitzt er nun, in der Nacht seines Lebens. Anzug von Louis Vuitton (Merke: Selbst der „Sexiest Man Alive“ sieht mit Stehkragen seltsam aus), diamantbesetzte Piaget Protocole aus den 70ern am Handgelenk (also ein Angeber UND ein Kenner). Er schließt kurz die Augen, hat den Burger schon bissbereit in der Hand – und er lächelt.Das vielleicht ikonischste Oscar-Foto zeigt Faye Dunaway am 29. März 1977 am Pool des Beverly Hills Hotels. Auf dem Boden liegen die Zeitungen, sie trägt einen seidenen Hausmantel und High Heels, auf dem Tisch stehen zwei Teekännchen und der Oscar für ihre Rolle in dem Film „Network“. Doch es ist nicht Triumph oder Glück in ihrem Blick, sondern Erschöpfung. Vielleicht auch die Ahnung, dass es ab jetzt nicht mehr besser werden kann.Lesen Sie auchMichael B. Jordan im „In-N-Out Burger“ erzählt eine andere Geschichte. Vielleicht ist es eine abgekartete Sache. Man kann sich seine Berater gut vorstellen, wie sie ihm diesen kleinen Zwischenstopp schmackhaft gemacht haben: Es ist natürlich unheimlich sympathisch und volkstümlich, wenn der Junge aus New Jersey zwischendurch mal in einen Burger für 6,35 US-Dollar beißt. Aber Hollywood heißt nicht umsonst die Traumfabrik. Und die schönere Version der Geschichte ist doch: Er brauchte einen Moment allein am Tisch und freut sich zugleich über den Jubel der Leute, der vielleicht sogar noch ein bisschen echter ist als die lange, lange Umarmung von Leonardo DiCaprio, der den Preis mal wieder nicht erhalten hat. Das Bild jedenfalls lässt einen hoffen: Entweder der Mann ist ein wirklich genialer Schauspieler, oder er freut sich in diesem Augenblick wirklich über sein Leben und den Burger, den er in der Hand hält. Und vielleicht das Beste daran: Vor ihm liegt noch ein zweiter.Kurz mal nicht über Nährwert, Massentierhaltung oder Körperfett grübeln, sondern ausblenden und reinbeißen: Das ist ein zutiefst amerikanisches Bild. Und eines, das irgendwie Hoffnung macht. „It's lonely at the top“, heißt es in den aufstiegsversessenen USA. Aber Michael B. Jordan zeigt: Siegen kann auch Spaß machen. Vor allem, wenn man sich den Tisch mit zwei Hamburgern teilt.