PfadnavigationHomePolitikDeutschlandBerlin-NeuköllnMutmaßliche Vergewaltigung in Jugendzentrum – Senatorin hat eine „klare Erwartung“Veröffentlicht am 12.03.2026Lesedauer: 3 MinutenIn einem Berliner Jugendclub soll es zu sexuellen Übergriffen auf Mädchen gekommen sein, in einem Fall zu einer Vergewaltigung. Die MItarbeiter haben die Taten aufgrund der Religionszugehörigkeit der Verdächtigen zunächst offenbar vertuscht.Die mutmaßliche Vergewaltigung eines Mädchens in einem Jugendtreff in Berlin-Neukölln schlägt Wellen. Der Einrichtung wird vorgeworfen, den Fall aus politischen Gründen nicht gemeldet zu haben. Bildungssenatorin Günther-Wünsch fordert Aufklärung.Der Tatverdächtige im Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln hat in der betreffenden Einrichtung Hausverbot erhalten. Das berichtet die „Bild“-Zeitung.Ein Mädchen soll in dem Jugendzentrum von Jugendlichen vergewaltigt und bedrängt worden sein – doch die Polizei erfuhr davon erst spät. Weder die Einrichtung noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln hatten zunächst Anzeige erstattet. Das Jugendamt kündigte eine Untersuchung an und gab Fehler zu. Das Landeskriminalamt (LKA) und die Berliner Staatsanwaltschaft ermitteln. Lesen Sie auchBildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) mahnte nun umfassende Aufklärung an. Sie habe von dem Fall erst aus der Öffentlichkeit erfahren, sagte sie bei der Plenarsitzung im Landesparlament. Die Vorgänge, die im Raum stehen, seien furchtbar. Die Pflicht zu deren Untersuchung und zur Aufklärung liege beim Bezirksamt und der zuständigen Bezirksstadträtin Sarah Nagel (Linke). „Momentan prüfen wir, ob alle Verantwortlichen, insbesondere die Jugendfreizeiteinrichtung, die Vorgaben und Ausführungsvorschriften zum Kinderschutz eingehalten haben“, sagte Günther-Wünsch. Anzeige gegen die Einrichtung und BehördenZuvor hatte die „Bild“-Zeitung berichtet, dass eine 16-Jährige im Januar von mehreren Jungen in dem Zentrum in einen hinteren Raum getragen, auf eine Couch geworfen und von den Jugendlichen sexuell belästigt worden sein soll. Erst als eine Mitarbeiterin gekommen sei, hätten sie von dem Mädchen abgelassen. Später soll die türkisch-kurdische Schülerin berichtet haben, sie sei bereits im vergangenen Jahr in dem Jugendzentrum vergewaltigt worden. Dies soll sich abends im Garten des Jugendzentrums ereignet haben. Ein 17-Jähriger soll ein Video von der Tat gedreht und dem Mädchen gedroht haben. Andere Jungs sollen das Mädchen wegen des Videos gemobbt und bedroht haben, schreibt die „Bild“. Der Vater des mutmaßlichen Opfers hat nach dem Bericht Anzeige gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger erstattet – aber auch gegen die Verantwortlichen in der Einrichtung und bei den Behörden, die nichts unternommen haben sollen. Die Kriminalpolizei soll erst von dem Fall erfahren haben, als sich die betroffene 16-Jährige einer Präventivbeamtin der Polizei anvertraute. Diese schaltete das LKA ein. Laut Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen zu dem Fall noch ganz am Anfang. „Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden“, teilte ein Sprecher der Behörde mit. Der Behörde liege der Fall seit dem 26. Februar vor, so der Sprecher. Die Anzeige bei der Polizei sei drei Tage zuvor erfolgt. Das Jugendzentrum äußerte sich nicht und verwies an das zuständige Bezirksamt Neukölln. Von dort hieß es, dem Amt sei bekannt, dass es an einem Novemberabend zu der Vergewaltigung durch einen Besucher gekommen sein solle und es Ende Januar zu sexuellen Übergriffen durch mehrere männliche Jugendliche gegeben haben solle. „Das Jugendamt wurde am 28. Januar 2026 über diese Vorfälle informiert“, teilte ein Sprecher mit. Die zuständige Bezirksstadträtin habe erst am 2. März davon erfahren. „Dann wäre das ein erschütternder Skandal“Offen ist bislang, warum das Jugendamt keine Anzeige erstattete. Der Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) äußerte in der Zeitung den Verdacht, der Vorfall sei von Betreuern offensichtlich nicht gemeldet worden, um die muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren.Bildungssenatorin Günther-Wünsch sagte, sollte sich bewahrheiten, dass unter solchen Überlegungen keine Strafanzeige gestellt worden sei, dann erwarte sie von der zuständigen Stadträtin, ganz klar Konsequenzen zu ziehen. Der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan Toprak, betonte: „Wenn sich bestätigt, dass Mitarbeiter einer Jugendeinrichtung eher darum bemüht waren, die Täter zu schützen als das Opfer, dann wäre das ein erschütternder Skandal.“ Antirassismus dürfe nicht dazu führen, Straftaten zu verschweigen. „Wer aus ideologischen Gründen wegschaut, lässt Opfer allein.“Auch der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel (SPD), betonte in der „Bild“-Zeitung: „Religionszugehörigkeit darf niemals ein Grund sein, Straftaten zu verschleiern. Das muss man mit den Sozialarbeitern thematisieren.“dpa/säd/jra