PfadnavigationHomePanoramaDeutsche in Dubai„Ich hab euch doch gewarnt, Pech gehabt“ – Nouripour empört über Wadephul-AussageVon Raphael CullmannVeröffentlicht am 02.03.2026Lesedauer: 5 MinutenOmid Nouripour (Grüne, r.) bei Caren Miosga mit Azadeh Zamirirad und Peter NeumannQuelle: ARD/ Thomas ErnstViele Touristen sind in Dubai oder Abu Dhabi gestrandet. Außenminister Johann Wadephul gibt ihnen bei „Caren Miosga“ eine Mitschuld an der Lage – man habe gewarnt. Grünen-Politiker Omid Nouripour reagiert empört.Caren Miosga ist die erste Talkmasterin, die nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran auf Sendung ist. „Krieg in Nahost – stürzt jetzt das Regime im Iran?“, wollte die ARD-Journalistin am Sonntagabend von ihren Gästen wissen.Zu Gast waren Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne), Sicherheitsexperte Peter Neumann, Azadeh Zamirirad, Politikwissenschaftlerin der Stiftung Wissenschaft und Politik sowie Annett Meiritz, Internationale Korrespondentin beim „Handelsblatt“. Und Außenminister Johann Wadephul (CDU) äußerte sich in einem Interview zur Lage deutscher Staatsbürger im Nahen Osten, das vor der Sendung aufgezeichnet wurde.Miosga bat Wadephul um eine Einschätzung, ob der Tod von Ajatollah Ali Chamenei gerecht sei. „Naja, das ist schon fast eine philosophische Frage“, antwortete der Außenminister. „Ich halte mich an die Realitäten, und ich will das betrachten, was für Europa, was für Deutschland, ehrlich gesagt auch für die Weltgemeinschaft von Bedeutung ist“, antwortete Wadephul.+++ Alle Entwicklungen zum Iran-Krieg im Liveticker +++Dieser geistliche Führer sei auch maßgeblich jemand gewesen, der „ein ruchloses Regime angeführt habe“, so Wadephul. Ein Regime, das die eigene Bevölkerung bekämpft, erschossen, gequält, gefoltert und in Gefängnisse geworfen habe. Das die gesamte Region in Unsicherheit gestürzt, Terrorbanden wie Hisbollah, Hamas und die Huthis unterstützt habe, auch Deutschland gefährdet und immer wieder das Ziel formuliert habe, den Staat Israel zu zerstören. Wenn das ein Ende habe, dann sei das mit Sicherheit gut, Lesen Sie auchDie Moderatorin erinnerte an die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz aus dem vergangenen Jahr, nach der Israel die „Drecksarbeit“ auch für Deutschland übernehme, in dem es Terroristen ausschalte und dem Iran vom Bau einer Atomwaffe abhalte. „Leistet Israel jetzt auch für uns die Drecksarbeit in ihren Augen?“, fragte Miosga Wadephul. Lesen Sie auch„Israel verteidigt sich selbst, denn der iranische Staat hat ja unter diesem Regime sich zum Ziel gemacht, Israel zu vernichten. Es verteidigt damit übrigens auch uns“, sagte Wadephul und betonte, dass das Regime in Teheran immer eine Gefahr gewesen sei – auch für Deutschland.Wadephul gibt Urlaubern und Reiseveranstaltern die MitschuldDann wollte Miosga wissen, was das Auswärtige Amt unternimmt, um den vielen Deutschen zu helfen, die in der Golfregion festsitzen, zum Beispiel Urlauber in Dubai und Abu Dhabi. „Wir machen das, was wir machen können. Wir versorgen sie tagtäglich mindestens einmal am Tag mit Informationen über das, was möglich ist in dieser Situation“, sagte Wadephul.Deutsche Reisende und auch in der Golfregion wohnende Staatsbürger mithilfe der Bundeswehr zu evakuieren, hatte Wadephul am Sonntag ausgeschlossen. „Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen“, sagte Wadephul der „Bild“. „Das ist eine schwierige Situation.“ Das Auswärtige Amt habe seit mehr als vier Wochen darauf hingewiesen, dass sich die Lage in der Region verschärfe. Jeder habe das ja auch in den Nachrichten verfolgen können. Es seien die Reiseverkehrsunternehmen, die verantwortlich dafür seien, den Rücktransport zu ermöglichen, sagte Wadephul.Lesen Sie auch„Also ein Stück weit sind die auch für sich selbst verantwortlich, wenn ich Sie richtig verstehe? Sie haben eine Warnung ausgesprochen und wer dann dahin fährt, bitteschön ...“, hakte Miosga nach.Es sei in der Tat sei es nicht ganz unbekannt gewesen, dass das gefährlich werden könnte. Es seien aber natürlich auch viele gestrandet, für die das nur eine Zwischenstation sei – Menschen, die aus anderen asiatischen Ländern gekommen seien und von dort aus nach Europa, nach Deutschland, weiterreisen wollten, entgegnete der Außenminister. „Wir sind ganz guten Mutes, dass wir doch die Möglichkeit haben, in den nächsten Tagen viele davon nach Hause zu bringen“, sagte Wadephul abschließend.Im Studio reagierte Grünen-Politiker Nouripour mit Kopfschütteln auf das aufgezeichnete Interview. „Sie haben als Bundesregierung Eid geschworen, diesen Leuten auch in einer solchen Situation zu helfen. Und da hilft’s nichts, viermal zu sagen: ‚Ich hab‘ euch doch gewarnt, Pech gehabt‘“, sagte Nouripour. „Und da geht deutlich mehr als zu sagen: ‚Tut mir leid, wir haben euch gewarnt, wir gucken jetzt mal, wann es geht und wann es geht, wissen wir nicht, vielleicht in vier Wochen‘.“Nouripour: „Die können einfach nicht mehr“Nouripour hat einen besonderen Blick auf die Entwicklungen in der Golfregion. Der Grünen-Politiker ist in Teheran geboren, seine Familie verließ den Iran, als er 13 Jahre alt war. „Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von dem Tod Chameneis erfuhren?“, fragt Miosga ihn.Er tue sich schwer, sich „über den Tod von irgendjemandem zu freuen“, aber er sehe auch die Freude im Iran. „Die Leute haben fünf Jahrzehnte unter diesem Mann gelitten“, sagte Nouripour. Chamenei sei ein Symbol der Unterdrückung gewesen.Lesen Sie auch„Wie absurd ist dieser Gedanke, dass Donald Trump jetzt ein Hoffnungsträger sein könnte?“, fragt Miosga weiter. „Das ist gar nicht mal so absurd, weil, ehrlich gesagt, seit Jahrzehnten das so ausgewaschen ist, dass man morgens in die Schule geht, erstmal auf dem Hof zusammenkommt, um dann zu rufen: ‚Nieder mit Amerika und Israel‘, dass die Leute das sowieso nicht mehr glauben“, sagt Nouripour über die iranische Propaganda.Die Sympathien im Nahen Osten lägen inzwischen aber eher bei Israel, sagte Nouripour, die Propaganda habe sich abgenutzt. Die Verzweiflung der Iraner, der ökonomische Druck, die Unfreiheit sei nach 47 Jahren sehr groß. „Die können einfach nicht mehr“, sagte Nouripour.Zum Ende der Sendung äußerte der Grünen-Politiker einen Wunsch für die Zukunft seines Geburtslandes nach der Herrschaft der Mullahs: „Mein Traum wäre eine Präsidentin.“ Weil wenn jemand die letzten 47 Jahre die Hoffnung aufrecht gehalten habe im Iran, seien es die Frauen gewesen.