PfadnavigationHomeSportWintersportVerband verklagt ARDSchwere Vorwürfe des Eisschnelllaufverbands gegen JournalistenVon Sebastian KayserVeröffentlicht am 03.03.2026Lesedauer: 4 MinutenClaudia Pechstein wehrte sich jahrelang gegen ihre Doping-SperreQuelle: picture alliance/ANP/Vincent JanninkDer Eisschnelllaufverband verklagt die ARD und schließt die Journalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus von einer Pressekonferenz aus. Dort knöpft sich Präsident Matthias Große den Sender in schärfsten Tönen vor. Er sehe seinen Verband „auf die Schlachtbank“ geführt.Wer ihn oder den deutschen Eisschnelllauf-Verband kritisiert, muss mit Hausverbot und Klage rechnen. Matthias Große (58), Präsident der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG), auf einer Pressekonferenz: „Wer meinen Verband auf die Schlachtbank führt, mit dem teile ich nur noch den Gerichtssaal.“Große, Lebensgefährte von Olympiasiegerin Claudia Pechstein (54), reagierte damit auf einen Beitrag der ARD-Reporter Hajo Seppelt (63) und Jörg Mebus (52) über vermeintliche Missstände im Verband. Er verklagt den Sender auf Unterlassung. Seine Anwälte schickten im Namen der DESG entsprechende Briefe an den WDR, der zur ARD gehört, die Produktionsfirma sowie Seppelt und Mebus.Bei den Winterspielen in Italien gingen die deutschen Eisschnellläufer wie schon 2014 in Sotschi, 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking leer aus. Große: „Die ARD und Hajo Seppelt haben uns die Olympischen Spiele gecrasht.“ Beide Reporter sperrte Große gestern für die Pressekonferenz aus. Seppelt berichtete im Laufe der Jahre über den Fall Claudia Pechstein (54), in dem die ehemalige Eisschnellläuferin und Lebensgefährtin von Große gegen eine ungerechtfertigte Doping-Sperre kämpfte.ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky (64): „Es ist ein einmaliger Vorgang, der bei uns auch Fragen zu der Haltung des Bundes und anderer Institutionen hinterlässt, die die DESG finanzieren.“Heftige Kritik auch vom DOSB: „Wir erwarten von unseren rechtlich eigenständig und autonom handelnden Mitgliedsorganisationen, dass sie die Pressefreiheit in gleicher Weise respektieren, wie wir das tun.“ In der Pressekonferenz widersprachen Große und seine Schatzmeisterin Clarissa Forster Inhalten des Beitrags.Große wehrt sich gegen fünf VorwürfeVorwurf 1: Es herrsche laut Athleten ein Klima der Angst. Große: „Klima der Angst ist nicht, dass du Leistung forderst, sondern wenn im Iran eine Frau ohne Kopftuch verhaftet wird oder wenn in Kiew ein Kind auf den Spielplatz geht und eine russische Drohne kommt.“Vorwurf 2: Sportler müssten für Team-Kleidung zahlen. Große: „Nach einem Jahr müssen die Sportler ihre Kleidung zurückgeben. Sie ihnen schenken dürfen wir gesetzlich nicht. Sie haben aber die Wahl, sie für 50 Euro plus Mehrwertsteuer zu kaufen.“Lesen Sie auchVorwurf 3: Sportler müssten Reisekosten bis zu 2000 Euro zahlen. Große: „Kein Sportler, der qualifiziert war, musste für irgendeinen Wettkampf auch nur einen Cent zahlen. Aber: Wenn ein Sportler fünf Tage vorher zu einem Wettkampf will, der Fördergeber aber nur drei Tage zahlt, muss das Defizit von zwei Tagen bezahlt werden. Das machen die Sportler in Absprache mit uns. Will ein Sportler zu einem Wettkampf, für den er nicht qualifiziert ist, er da aber die Quali für eine WM, EM oder Olympia schafft, muss er nichts zahlen.“ Vorwurf 3: Sportler müssten Teilnahmegebühren für Wettkämpfe bis zu 2000 Euro zahlen. Große: „Kein Sportler, der qualifiziert war, musste für irgendeinen Wettkampf auch nur einen Cent zahlen. Aber: Wenn ein Sportler fünf Tage vorher zu einem Wettkampf will, der Fördergeber aber nur drei Tage zahlt, muss das Defizit von zwei Tagen bezahlt werden. Das machen die Sportler in Absprache mit uns. Will ein Sportler zu einem Wettkampf, für den er nicht qualifiziert ist, er da aber die Quali für eine WM, EM oder Olympia schafft, muss er nichts zahlen.“ Leistungssportreferent Frank Dittrich (58): „Ein Beispiel. Acht Tage vor Wettkampfbeginn sind abgesichert, Athleten wollten aber zehn Tage. Daher haben wir verlängert für 500,99 Euro. Das mussten die Aktiven zahlen.“ Nicht mehr übernommen werden seit einigen Jahren von der Förderung die Rad-Koffer, weil Eisschnellläufer viel auf dem Velo trainieren. „Für diese 150 Euro, die für den Transport im Flieger anfallen, haben die Sportler in Erfurt den Aktkalender gemacht“, so Große.Vorwurf 4: Unklare Finanzlage. Schatzmeisterin Clarissa Forster: „2019 war der Verband mit 515.000 Euro im Minus. 2024 war er 145.000 Euro im Plus, hat also in fünf Jahren 660.000 Euro Plus gemacht. Die DESG war nie insolvenzgefährdet, seit Herr Große im Amt ist. Der Fördergeber hat alles abgesegnet. Wir müssen die Hosen runterlassen, das haben wir, und das können wir. Wir haben alles transparent gemacht.“ Dieser Punkt war jedoch nicht Inhalt des ARD-Beitrags.Vorwurf 5: Prämien „jahrelang“ nicht ausbezahlt. Große: „Wir haben sogar einige Gelder noch vor Eingang der ISU-Siegprämien ausgezahlt. Kein Sportler musste 730 Tage warten, wie behauptet. Die durchschnittliche Auszahlung in Deutschland vom Finanzamt beträgt sechs bis 26 Wochen.“ Zwischen Geldeingang und Auszahlung lagen bei der DESG laut Unterlagen maximal 476 Tage (2023), meist aber bis 185 Tage. Von 730 Tagen hat die ARD aber nicht gesprochen.