PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHafenwirtschaft„Dieser Hafen hat fantastische Möglichkeiten, erfolgreich zu sein“Veröffentlicht am 26.02.2026Lesedauer: 4 MinutenJeroen Eijsink, Vorstandsvorsitzender der HHLA, auf dem Containerterminal AltenwerderQuelle: dpa/Christian CharisiusDer neue HHLA-Chef Jeroen Eijsink empfiehlt sich als pragmatischer Macher, der die Kräfte der Hamburger Hafenwirtschaft und Politik bündeln will. Und er erinnert daran, wo die wirklichen Herausforderungen dieser Tage liegen – in der Ukraine, die seit vier Jahren Russlands Kriegsterror widersteht.Am Ende wird es im gediegenen Hafen-Klub an den St. Pauli-Landungsbrücken sehr emotional. Eine Hamburger Hafenlobbyistin, die aus Litauen stammt, kann ihre Tränen nicht zurückhalten, als die Sprache auf den seit vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg in der Ukraine kommt. Denn Jeroen Eijsink, 53, der neue Chef des Hamburger Hafenkonzerns HHLA, beschreibt die Lage auf dem wichtigsten Hafenterminal der Ukraine. Der Mehrzweckterminal im Hafen von Odessa gehört der HHLA.„Unsere Mitarbeitenden dort müssen mehrfach am Tag um ihr Leben laufen“, beschreibt Eijsink die permanenten russischen Angriffe auf die Hafenstadt am Schwarzen Meer. „Und trotzdem gehen sie jeden Tag zur Arbeit, denn es gibt ihnen Sinn, die Ukraine zu versorgen. Die Situation dort ist absolut unglaublich.“ Man lade und lösche „jeden Tag Schiffe in Odessa“.Lesen Sie auchAuch in Litauen, sagt Eijsink, der vor seinem Wechsel zur HHLA einige Zeit lang dort gearbeitet hat, lebe man „mit einer ganz anderen Bedrohungslage und Emotionalität als wir hier. In Litauen lamentieren die Menschen nicht über die Nato, sie organisieren Selbsthilfe für das Land, wo immer es möglich ist. Und sie tun alles dafür, dass die Litauen-Brigade der Bundeswehr dort so schnell wie möglich installiert werden kann.“ Die mehr als 100 Teilnehmer aus der Hamburger Wirtschaft im Hafen-Klub applaudieren spontan.Der Niederländer Eijsink präsentiert sich dem Publikum am Dienstagabend eine Stunde lang als pragmatischer, sympathischer Macher. Der Manager, der die Führung des Hamburger, europäisch aufgestellten Hafenkonzerns im Oktober übernommen hat, tritt unter optimalen Bedingungen an. Eijsinks Vorgängerin Angela Titzrath hat die technologische Modernisierung und die europäische Expansion des Unternehmens in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben. Der rot-grüne Hamburger Senat wiederum holte gegen den massiven Widerstand der Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft und der Hafenarbeiter den weltgrößten Maritimkonzern MSC als zweiten Haupteigner neben der Stadt zur HHLA. Demnächst werden die letzten Kleinaktionäre ausgezahlt und die HHLA nach weniger als 19 Jahren wieder von der Börse genommen. Am Mittwoch wird in der Hafencity der erste Spatenstich für die neue Deutschlandzentrale von MSC gesetzt.Lesen Sie auchDie Weichen für das weitere Wachstum der HHLA sind also gestellt. Und Eijsink setzt darauf, alle relevanten Kräfte im Hafen enger zusammenzubringen, um Hamburgs Position im Wettbewerb an der Nordsee wieder zu stärken, beim Ausbau der Infrastruktur und bei deren Schutz in der heutigen, schwierigen Sicherheitslage, bei der weiteren Optimierung der nautischen Abläufe, bei der Implementierung neuer Technologien. „Poldern“ nennt man diese Vernetzung der Akteure in den Niederlanden: „Vielleicht kann ich als Niederländer dazu beitragen, dass wir im Hamburger Hafen auch ein wenig mehr poldern.“ Selbstverständlich ist das nicht, denn die Hafenwirtschaft und die Politik, die Verbände und die Hafenverwaltung ziehen in Hamburg durchaus nicht immer an einem Strang, wenn es um den Kurs des Hafens geht – und der jeweilige Chef oder die Chefin der HHLA sitzt dabei immer zwischen allen Stühlen. „Wenn die RoRo-Rampe auf unserem Terminal künftig nicht mehr nur für die Bewegungen von Porsche-Fahrzeugen, sondern auch von Panzern ausgelegt sein soll“, sagt Eijsink, „dann müssen wir uns darüber unterhalten, wer das bezahlen soll.“Eijsinks Botschaft an die versammelte Hafenwirtschaft an diesem Abend: anpacken und anfangen, nicht aber zaudern und lamentieren. „Es ist die falsche Perspektive, immer wieder auf Rotterdam und Antwerpen zu schauen, wir müssen Dinge einfach mal tun“, sagt er zum Wettbewerb mit den beiden größten Hamburger Hafenkonkurrenten. Die Wachstumszahlen der HHLA und des Hamburger Hafens für das vergangene Jahr bestärken ihn in solchen Aussagen, sie markieren vermutlich eine Trendwende nach Jahren der Stagnation.Lesen Sie auchDie zielstrebige, fokussierte und international vernetzte Angela Titzrath tat sich oft schwer im Umgang mit den engen Machtzirkeln des Hamburger Hafens. Es könnten entscheidende Stärken von Eijsink sein, dass er nicht nur bereits 25 Jahre Erfahrung in der internationalen Logistikbranche gesammelt hat, sondern dass er die Sprache der Hamburger Hafenwirtschaft mühelos spricht; dass er Selbstironie besitzt und dass er auf offener Bühne um möglichst viele Verbündete wirbt. „Wir sind Boxenschieber“, sagt Eijsink über die HHLA, „wir bewegen Container, nicht mehr und nicht weniger, und darin sind wir verdammt gut.“ In Hamburg lebt Eijsink mit seiner Familie schon seit einigen Jahren, seine Frau ist Hamburgerin. Die ersten Monate bei der HHLA, sagt er, habe er vor allem dazu genutzt, möglichst viele Gespräche mit Mitarbeitenden zu führen. „Da ist unglaublich viel Stolz und Identifikation“, sagt er und berichtet von einem Mitarbeiter mit 49 Dienstjahren bei der HHLA, der unbedingt sein 50. erreichen will. Auch aus solchen Anekdoten leitet Eijsink seinen Blick auf Deutschlands größten Seehafen ab: „Die HHLA und der Hamburger Hafen haben fantastische Möglichkeiten, erfolgreich zu sein.“Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten über die maritime Wirtschaft, über Häfen, Schifffahrt und Werften.
Hafenwirtschaft: „Dieser Hafen hat fantastische Möglichkeiten, erfolgreich zu sein“ - WELT
Der neue HHLA-Chef Jeroen Eijsink empfiehlt sich als pragmatischer Macher, der die Kräfte der Hamburger Hafenwirtschaft und Politik bündeln will. Und er erinnert daran, wo die wirklichen Herausforderungen dieser Tage liegen – in der Ukraine, die seit vier Jahren Russlands Kriegsterror widersteht.






