PfadnavigationHomeRegionalesBerlin & BrandenburgDankbarkeit auf Pfoten: traumatisierte Hunde aus der UkraineVeröffentlicht am 22.02.2026Lesedauer: 5 MinutenHündin Mina ist querschnittsgelähmt und auf einen speziellen Rollwagen angewiesen.Quelle: Patrick Pleul/dpaWenn im ukrainischen Kriegsgebiet Menschen fliehen müssen, bleiben oft Tiere zurück – verletzt, verängstigt, allein. Immer wieder retten Tierschützer Hunde und Katzen und bringen sie nach Deutschland.Rund 50 Kilometer südöstlich von Berlin liegt zwischen Kiefernwäldern und Feldwegen die Tierherberge «Rendez-vous mit Tieren»: ein stiller Zufluchtsort für Hunde und Katzen, die aus dem Lärm und den Schrecken des Krieges in der Ukraine gerettet wurden.Tierarzt und Leiter Hasan Tatari und sein Team kümmern sich dort um medizinisch anspruchsvolle Fälle, wie die Mischlingshündin Mina. «Sie wurde wahrscheinlich angeschossen und hinterher angefahren. Jetzt ist sie querschnittsgelähmt und braucht einen Spezialrollstuhl. Aber sie ist ein sehr, sehr fröhlicher Hund, Mina sprüht vor Lebensfreude und Dankbarkeit», erzählt Tatari. Die Dankbarkeit lasse sich an den Augen und dem Verhalten der Hunde ablesen.Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine vor vier Jahren haben Tatari und sein Team in Markgrafpieske (Oder-Spree) immer wieder Hunde und Katzen von dort aufgenommen. Erst vor wenigen Tagen kamen 15 Hunde. Sie stammen aus einer Rettungsaktion aus der Nähe der Frontlinie bei Cherson.Der Verein mit Hauptsitz in Schweinfurt hat eigenen Angaben zufolge seit Kriegsbeginn bis Ende vergangenen Jahres 456 Hunde, 65 Katzen und 2 Pferde aus der Ukraine in Obhut genommen – inklusive tiermedizinischer Versorgung, Quarantänemaßnahmen und Kastrationen.Ob sich jemand in Mina verlieben wird?In seiner Station hat Tatari eigenen Worten zufolge seit Kriegsbeginn rund 130 ukrainische Hunde aufgenommen. «Etwa 70 Prozent von denen sind schon vermittelt worden», sagt er. Die Tiere finden vor allem in Brandenburg und Berlin neue Familien, einige auch in anderen Teilen Deutschlands. Ob auch Mina eine neue Familie finde, könne er nicht sagen. «Das hängt davon ab, ob wirklich jemand kommt, der sich in sie verliebt und bereit ist, mit ihrer Behinderung klarzukommen», sagt der Tierarzt. Durch die Lähmung sei der Hund auch inkontinent.Zur Gesamtzahl der nach Brandenburg gebrachten Hunde liegen laut der Landestierschutzbeauftragten Anne Zinke keine landesweit erhobenen Daten vor. Einzelne Transporte und Meldungen bei den zuständigen Veterinärbehörden sowie Übernahmen durch Tierschutzorganisationen würden aber erfasst.Sophia brachte acht Welpen im Luftschutzbunker zur WeltEin besonderes Schicksal hat auch Hündin Sophia erlebt: «Sie wurde mit ihren acht Babys in einem Luftschutzbunker gefunden», erzählt Tatari. Inzwischen habe sich die Hündin gut von den Strapazen erholt. «Und die Babys haben sich super entwickelt und sind schön gewachsen.» Eines von ihnen heißt wegen der markanten Flecken rund um die Augen «Panda».Der Krieg habe die Tiere oftmals traumatisiert und verängstigt, erzählt der Tierarzt. «Sie haben Angst bei jedem Gewitter, bei jedem Knallen und manche sind skeptisch mit Menschen.» Die Therapie: «Man gibt ihnen einfach Zeit. Nach wenigen Tagen merken die Hunde, dass sie es mit Menschen zu tun haben, die nur das Beste für sie wollen. Und peu à peu spürt man halt, dass das Vertrauen zwischen Mensch und Tier wächst.» Stärker traumatisierte Tiere bräuchten mehr Zeit. Laut Verein sind «nicht wenige» der Hundeschützlinge nachhaltig traumatisiert von den Schrecken und der Todesangst im Krieg und somit nicht vermittelbar.Hunde sollen wieder Vertrauen fassenWas Hasan Tatari persönlich antreibt, beschreibt er schlicht: «Man ist sehr glücklich, wenn man die Dankbarkeit von einem Tier spürt, dass sie Vertrauen fassen und merken, dass die Menschen doch nicht alle böse sind.» Einen der ukrainischen Hunde hat er selbst behalten: den Rüden Sky. «Man spürt jeden Tag seine Dankbarkeit darüber, dass er ein schönes Leben bei mir zu Hause hat.»Eine Besonderheit der Station in Markgrafpieske: Hunde leben dort nicht in Käfigen, sondern in umgebauten Zimmern eines alten Vierseitenhofs.