PfadnavigationHomeICONISTModeBerlinale-LooksWer trug was – und warum bloß?Veröffentlicht am 20.02.2026Lesedauer: 3 MinutenRabea Schif trägt ein Miniatur-Sofa mit sich herumQuelle: Isa Foltin/Getty Images for Armani BeautyAuch Filmfestivals sind nur Laufstege. Während der Berlinale versorgten Modemarken die Stars mit Outfits und Accessoires – sorgfältig kuratiert. Oft sah das richtig toll aus. Und manchmal doch etwas zweifelhaft.Montagmorgen. Berlinale. Und die Inbox ist voller Media Alerts. Emilia Schütte trägt Acne Studios bei der Premiere von „Der Heimatlose“. Charli XCX trägt ein trägerloses Seidenkleid von Saint Laurent bei der Premiere von „The Moment“. Und vielleicht am schönsten: Rabea Schif „trägt eine skulpturale Tasche, in Form des Sofas Wolke von Westwing“ bei der Beauty-Party von Armani. Es ist heute üblich, dass Schauspieler ihre Auftritte auf dem roten Teppich nicht nur absolvieren, sondern von ihren Stylisten zielgerecht kuratieren lassen. Als Weltmeister dieser Sparte gelten erstens die Schauspieler Zendaya, denn sie kam als C-3PO zur „Dune“-Premiere. Zweitens Timothée Chalamet, denn er kam zu einer „A Complete Unknown“-Premiere auf einem elektrischen Fahrrad, was als Anspielung auf Bob Dylans Skandalauftritt mit elektrischer Gitarre gelesen wurde. Und drittens Margot Robbie, denn sie kam als Barbie zur „Barbie“-Premiere, was man als krassen Fall von Meta-Humor verstehen muss, der gar nicht lustig ist, aber irgendwie trotzdem als smart gelesen wird. Lesen Sie auchNun hat Rabea Schif keine Rolle in einem Film, der auf der Berlinale läuft. Das ist an sich keine Schande. Im Gegenteil, dieses Schicksal teilt sie mit vielen Berlinern. Insofern musste sie bei der Wahl ihres Outfits und ihrer Accessoires auf keinerlei inhaltlichen Bezug achten, sondern konnte aus dem Vollen schöpfen. Warum also nicht ein Designersofa in Miniaturform herumtragen? Der Dackel von Thom Browne wurde so oft kopiert, dass er niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Oder unter dem Sofa. Der Hai-Rucksack mit den gebleckten Zähnen ist so allgegenwärtig, dass ich schon nicht mehr weiß, wer ihn erfunden hat. Und die Dior-Taschen, auf denen Buchcover abgebildet sind? Mit einer „Allegro Pastell“-Tasche zur Premiere der gleichnamigen Buchverfilmung zu rauschen, das wäre tatsächlich ein Auftritt. Leif Randts neues Buch trägt den englischen Titel „Let’s Talk About Feelings“, was ihm die meisten Verleger wohl gestrichen hätten, weil der gemeine Leser sich überfordert fühlen könnte, aber Gefühle sind ja bekanntlich die neuen Argumente.Lesen Sie auchWenn man die Berlinale-Bilder scannt, finden sich stimmige Kombinationen. Aylin Tezel in der kastigen, karierten Prada-Jacke. Iris Berben in einem Brioni-Mantel beim Armani-Dinner – das darf sich wirklich nur die Queen des deutschen Films erlauben. Jannis Niewöhner mit einer Panther-Kette von Cartier um den Hals. Allerdings: Eine Raubkatze am Kehlkopf funktioniert immer – die Gnus bei der Great Migration (der Massenwanderung zwischen Kenia und Tansania) können ein Lied davon singen. Die eleganteste Form, mit dem Sponsoring einer großen Marke umzugehen, fand kürzlich der Künstler und Theaterregisseur Ersan Mondtag. Nach der Premiere seiner Inszenierung von Albert Ostermaiers Stück „Munich Machine“ im Münchner Residenztheater posierte er im Gucci-Anzug. Er tat dies neben den Urinalen des Hauses. Den Theaterabend habe ich verpasst, aber allein diese Geste war ein Meisterstück.