PfadnavigationHomeWirtschaftReformen für Wachstum„Bundesregierung verweigert sich der Realität“ – Wirtschaftsweise Grimm attackiert MerzVeröffentlicht am 06.02.2026Lesedauer: 3 MinutenWirtschaftsweise Veronika GrimmQuelle: Britta Pedersen/dpaArbeitgeberpräsident Rainer Dulger und Wirtschaftsweise Veronika Grimm drängen auf schnelle Reformen für mehr Wachstum. Hohe Abgaben und Bürokratie gefährdeten laut ihnen den Wohlstand. Grimm warnt: Ohne Reformen gehe Deutschland schon in vier Jahren das Geld aus.Der Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger und die Wirtschaftsweise Veronika Grimm haben die Bundesregierung zur zügigen Umsetzung angekündigter Strukturreformen für mehr Wirtschaftswachstum gemahnt. „Aktuell wird fast alles in einem populistischen Reflex mit Blick auf die Landtagswahlen zurückgewiesen“, sagte Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).„Das schadet unserem Land“, fügte er hinzu. Nur mehr Arbeit schaffe Wachstum und soziale Sicherheit, erklärte der Arbeitgeber-Präsident. „Das muss endlich jedem in der Koalition bewusst werden.“Lesen Sie auchDeutschland braucht dem BDA-Chef zufolge einen starken Aufschlag für mehr Arbeit. „Der Staat muss jedem mehr von seinem Lohn lassen“, forderte Dulger. „Der Anstieg beim Nettoklau muss endlich ein Ende haben.“ Wer mehr von seinem Geld behalten dürfe, gehe auch lieber zur Arbeit. „Dazu sind Steuersenkungen und niedrigere Sozialabgaben nötig“, sagte Dulger.Die Politik muss Dulger zufolge außerdem dafür sorgen, dass sich Arbeit in Vollzeit lohnt. „Das bedeutet auch eine Reform beim Recht auf Teilzeit“, sagte der BDA-Chef. Die Regelung aus dem Jahr 2001 sei aus der Zeit gefallen. Nötig sei außerdem ein schlankerer Staat. „Deutschland braucht weniger Bürokratie und weniger Bürokraten“, forderte Dulger.Die Wirtschaftsweise Grimm von der TU Nürnberg sagte: „Ohne Reformen, die den Anstieg der Staatsausgaben begrenzen und Wachstum dauerhaft auslösen, wird es unangenehm.“ Schon 2029 würden die Staatseinnahmen nur für Verteidigung, Zinsen und Soziales reichen: „Alles andere muss dann über Schulden finanziert werden. Die Bundesregierung verweigert sich mit dem Hinausschieben von Reformen der Realität.“ und so würden die Sozialausgaben und Zinskosten danach erneut deutlich ansteigen.Angriffe auf Sozialstaat seien unverschämtEin Bündnis der deutschen Gewerkschaften greift die Union von Kanzler Friedrich Merz zudem scharf an und fordert einen Stopp ⁠der Debatte über Kürzungen von Sozialleistungen. Die Angriffe der Union und auch der Arbeitgeber auf den Sozialstaat würden immer ‍unverschämter, heißt es in einer veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Gewerkschaften. Arbeitnehmer seien nicht faul, zu oft krank oder zu häufig in Teilzeit tätig. „Diese Debatten spalten unsere Gesellschaft.“ Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Yasmin Fahimi, sagte, Arbeitnehmer würden hier zum Sündenbock gemacht.Lesen Sie auchZuletzt wurde unter anderem darüber diskutiert, die Zahl der Feiertage in Deutschland zu verringern, ⁠die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einzuschränken und einen ⁠Karenztag bei Krankschreibungen einzuführen. Auch ein längeres Arbeiten im Alter wurde gefordert, teilweise auch die private Übernahme der Kosten für Zahnbehandlungen.Lesen Sie auchVerdi-Chef Frank Werneke sagte bei einer Pressekonferenz der Dienstleistungsgewerkschaft in Berlin, „die ständige Angstmacherei und die permanenten Beschimpfungen von weiten Teilen der Bevölkerung“ müssten ein Ende haben. CDU-Chef Merz grenze sich dabei nicht deutlich genug von „Klugscheißern“ in seiner Partei ab. Verdi fordert in den anstehenden Tarifrunden spürbare Reallohnsteigerungen. Angesichts hoher Preise sollen deutliche Lohnerhöhungen den Konsum stärken. 2026 verhandelt die Gewerkschaft unter anderem im Einzelhandel, bei der Telekom und im Bankgewerbe.AFP/rtr/jra