PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungEuropäischer RekordAm Arbeitsmarkt sieht Deutschland alt ausVeröffentlicht am 03.02.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: picture alliance/Westend61/RAYNeue Zahlen zeigen: Deutschland hat die älteste Arbeitsbevölkerung in der EU. Jeder vierte Erwerbstätige hierzulande ist älter als 55 und geht somit bald in den Ruhestand. Denn der fatale Trend zur Frührente ist ungebrochen.Deutschland ist der Methusalem in der EU. Zwar altert die Bevölkerung auf dem gesamten Kontinent, aber hierzulande erfolgte der Absturz der Geburtenrate früher als in den anderen Mitgliedstaaten. Heute hat die Bundesrepublik deshalb nach Angaben des Statistischen Bundesamts die älteste Arbeitsbevölkerung aller 27 Mitgliedsgliedstaaten. Jeder Vierte der hiesigen Erwerbstätigen ist zwischen 55 und 64 Jahre alt – und nähert sich mit großen Schritten dem Ruhestand. In Luxemburg gilt das nur für ein Achtel der Beschäftigten. Auch in Polen, Österreich und Frankreich ist der Anteil der rentennahen Jahrgänge deutlich geringer. Der demografische Wandel entwickelt sich damit immer stärker zum Wettbewerbsnachteil für die ohnehin schwächelnde deutsche Wirtschaft. Schon heute fehlt bundesweit und branchenübergreifend Personal. Weil künftig Jahr für Jahr weitaus weniger Schulabgänger nachrücken als Senioren den Arbeitsmarkt verlassen, droht der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren zur größten aller Wachstumsbremsen zu werden. Die vor zwei Jahrzehnten beschlossene schrittweise Einführung der „Rente mit 67“ sollte diesen absehbaren Schrumpfprozess dämpfen. Andere EU-Länder wie Schweden oder Dänemark sind längst weitergegangen und koppelten das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung. Dagegen mutierte Deutschland 2014 zum rentenpolitischen Geisterfahrer. Denn die große Koalition unter Angela Merkel führte die abschlagsfreie „Rente mit 63“ ein. Der Effekt dieser kontraproduktiven Maßnahme war gewaltig. Mehr als zwei Millionen meist gut ausgebildete Fachkräfte verließen seither abschlagsfrei bis zu zwei Jahre vor Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze (die mittlerweile bei rund 66,6 Jahren liegt) den Arbeitsmarktmarkt.Lesen Sie auchVoraussetzung für diesen attraktiven Weg in die Frührente sind 45 Beitragsjahre, wozu aber auch Zeiten der Kindererziehung, Pflege oder Arbeitslosigkeit gerechnet werden. Wer auf 34 Beitragsjahre kommt, kann weiterhin mit 63 Jahren in Altersrente gehen. Zwar werden dann Abschläge fällig, die sind allerdings versicherungsmathematisch viel zu gering angesetzt. Weil der Staat so großzügig die Frührente fördert, ist es kein Wunder, dass die Mehrheit der Neurentner vorzeitig – mit oder ohne Abschläge – in den Ruhestand geht.Das ist nicht nur ein gewaltiger Verlust für die Volkswirtschaft, denn der Erfahrungsschatz und das Know-how der Abgänger hinterlassen riesige Lücken in den Betrieben. Auch die Schieflage der Sozialversicherungen wird dadurch noch verschärft. Denn die steigende Zahl an Rentnern lässt die Ausgaben in die Höhe schnellen und drückt gleichzeitig die Einnahmen.Zukunftsblinde SozialpolitikTrotz der schweren Wirtschaftskrise lehnt es die Bundesregierung ab, die Frühverrentungspraxis einzuschränken. Dabei veranschaulichen die Daten der Statistiker die Wirkung dieser zukunftsblinden Sozialpolitik. Bis 2014 war das durchschnittliche Alter der Neurentner kontinuierlich und deutlich angestiegen. Seither jedoch stagniert es mit leichten Schwankungen bei gut 64 Jahren – und das ausgerechnet im EU-Land mit der ältesten Bevölkerung.Lesen Sie auchSeit Jahresbeginn soll nun die „Aktivrente“ das freiwillige Weiterarbeiten ankurbeln. Ein Steuerfreibetrag winkt Arbeitnehmern, die nach dem Erreichen der regulären Altersgrenze im Job bleiben. Dass dieser Anreiz angesichts der munter kletternden Sozialbeiträge wirkt, ist fraglich. Stattdessen laufen in den krisengebeutelten Betrieben die Programme zum Vorruhestand auf Hochtouren.
Europäischer Rekord: Am Arbeitsmarkt sieht Deutschland alt aus - WELT
Neue Zahlen zeigen: Deutschland hat die älteste Arbeitsbevölkerung in der EU. Jeder vierte Erwerbstätige hierzulande ist älter als 55 und geht somit bald in den Ruhestand. Denn der fatale Trend zur Frührente ist ungebrochen.






