PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftArtikeltyp:MeinungReaktionen auf DokuAnd the Oscar goes to … „Melania“Veröffentlicht am 09.02.2026Lesedauer: 5 MinutenTop gekleidet bei der PremiereQuelle: picture alliance/Captital Pictures/MPI34Weltweit ist ein interessantes Polit-Porträt über die First Lady angelaufen. Doch der Kinosaal wird zur Projektionsfläche moralischer Gewissheiten. Und der mediale Mob reagiert ausschließlich mit Häme, Spott und Hohn. Was leider äußerst erwartbar war.Zu Beginn fragt jemand laut im Kinosaal, ob das hier auch alles Presse sei. Offenbar um klarzumachen, dass man diese Doku nicht freiwillig schaut. Vielleicht hätte man es sich gleich auf eine Armbinde schreiben sollen. Noch bevor „Melania“ beginnt, ist alles gesetzt, Distanz, Verachtung, moralische Sicherheit. Es wird dunkel, die 1-kg-Popcorn-Tüten stehen bereit, Sessel werden in Liegeposition gebracht.Es dauert genau elf Sekunden, nachdem der Titel „Melania“ auf der Leinwand erschienen ist, bis das erste höhnische Lachen durch den Kinosaal geht. Anlass ist ein Satz, der eigentlich harmloser kaum sein könnte: Melania Trump sagt, sie wolle mit diesem Film den Amerikanern ihr Leben zeigen. Warum muss man da kichern?Der kleinste Saal im Cinemaxx am Potsdamer Platz ist an diesem Freitagmittag, dem Tag des weltweiten Kinostarts, fast ausschließlich mit Hauptstadtjournalisten besetzt, weil Amazon keine Pressevorführung angesetzt hat. Das missfällt Journalisten schon mal grundsätzlich, die immer auf der Suche nach irgendwas *gratis* sind. Noch empfindlicher reagieren sie, wenn sie den Diskurs nicht im Voraus mit Deutung, NGO-Sprech und den gewohnten Theoriecodes rahmen können. Lesen Sie auchDoch man hilft sich. Wenn einem eh jeder zustimmt, kann der Spott schon beginnen, bevor die Doku überhaupt gesehen wurde. Von Propaganda ist die Rede, von angeblich katastrophalem Ticketverkauf. Dass der Film zu diesem Zeitpunkt gerade erst angelaufen ist, stört nicht weiter. Vielleicht hat einfach nicht jeder Zeit, am Freitagmittag ins Kino zu gehen. Manche Menschen arbeiten. Für andere ist ein Boykott die bequemste Form politischer Empörung. Ohnehin kommt man bei „Melania“ mit den üblichen Trump-Floskeln nicht weiter. Dass die „Unberechenbarkeit“ ebenso wenig trägt wie der bis zur Peinlichkeit ausgereizte Satz, er ändere „jeden Tag seine Meinung“ – der mit überheblichem Lächeln in jeder Talkshow und in jedem Small Talk zuverlässig fünfmal fällt. Nach dem Film regnet es Hohn, Spott und heftigste Reaktionen – wohlgemerkt auf ein harmloses Polit-Fashion-Porträt.Und zwar ein ziemlich gutes. Der von Melania Trump mitproduzierte Film dokumentiert nicht einfach nur die Inauguration, sondern bietet eine spannende, exklusive Perspektive auf den Tag, den die Kamera fast lückenlos begleitet, inklusive all der persönlichen Momente dazwischen. Man bekommt einen seltenen Blick auf die privaten Trumps – so privat man als Präsident eben sein kann, wenn die Kamera auf einen gerichtet ist – und auf einen Mann, der an diesem Tag, der eigentlich das Licht auf ihn wirft, jede Gelegenheit nutzt, seiner Ehefrau Loyalität, Integrität und Respekt zu zollen.Lesen Sie auchWoher weiß man, wie so ein Tag hinter den Kulissen abläuft? Woher weiß man, was eine First Lady den ganzen Tag so macht? Ob sie lieber shoppen geht, wie Jackie Kennedy in der Hausarbeit aufgeht oder einen eigenen Schreibtisch im Weißen Haus hat, von dem aus sie erfolgreich Millionendeals mit Amazon verhandelt? Man weiß es nicht, weil kaum eine First Lady je gewagt hat, das zu thematisieren. Melania Trump traut sich, was sich vorher noch niemand getraut hat: Wählern und Kritikern einen Einblick zu geben, und zwar ohne Reality-TV-Trash, den niemand ernsthaft aus dem Weißen Haus erwarten kann, aber eben auch ohne langweilige PR-Ästhetik, die man zu Recht kritisieren könnte. Man schaut dabei zu, wie Hervé Pierre das unfertige Inauguration-Dress anpasst und die handwerkliche Besonderheit dahinter erklärt. Erfährt etwas über Melanias Engagement, benachteiligten Kindern aus Pflegefamilien Zugang zur Bildung zu ermöglichen und zu Leistung zu ermutigen. Kann ihre mütterlich fürsorgende Sicherheitsbedenken beim Planen der Zeremonie nachvollziehen, guckt ihr beim Videocall mit Brigitte Macron über die Schulter und bekommt einen superentnervten Blick von Kamala Harris vor dem Betreten der Inauguration Bühne zugeworfen, der sich schlagartig ändert, als Harris die Bühne betritt. In einer anderen Szene zeigt sich Melanias empathischer Umgang mit der israelischen Geisel Aviva Siegel, deren Mann Keith sich zu dem Zeitpunkt noch in den Händen der Terrororganisation Hamas befand. Melania verspricht ihr, dass sich mit dem Amtsantritt ihres Mannes vieles ändern werde. Einer der stärksten Momente, weil sie recht behält. Lesen Sie auchBisher galt es stets als historisch interessant, wenn First Ladys Einblick gewährten. Von Eleanor Roosevelt über Nancy Reagan bis Michelle Obama – hat man sich dabei von Ghostwritern formen oder von Hollywood-Biografen schön zeichnen lassen. Jackie Kennedy hat nach dem Tod von JFK mit Interviews, Bildkontrolle und Inszenierungen entscheidend dazu beigetragen, die mediale Wahrnehmung ihres Mannes zu verklären, später aufgegriffen und verstärkt durch Filme und Serien. Doch bei keiner anderen First Lady wurde je so obsessiv gefragt, ob etwas inszeniert sei oder ob ihr Verhalten jetzt sympathisch ist oder nicht, wie bei Melania Trump. Donald Trump dient dabei als moralische Absicherung, schließlich gilt er als so etwas wie die Inkarnation des Bösen. Die moralisch überhebliche Dauerbewertung seiner Frau kommt ausgerechnet von einem „progressiven“ Milieu, das sonst unermüdlich weibliche Selbstbestimmung, ökonomische Eigenständigkeit, Migration und die Befreiung von Rollenerwartungen feiert. Aber eben nur, solange die Frau den richtigen Mann geheiratet hat. Dass Melania in der Doku nichts erklärt, niemanden belehrt und dabei stets hervorragend gekleidet ist, kommt vor allem in Deutschland naturgemäß schlecht an – wo der ÖRR Propaganda im Erziehungsmodus sendet und auch noch Milliarden Zwangsgebühren dafür kassiert.
„Melania“: Warum der Film über die First Lady einen Oscar verdient hätte - WELT
Weltweit ist ein interessantes Polit-Porträt über die First Lady angelaufen. Doch der Kinosaal wird zur Projektionsfläche moralischer Gewissheiten. Und der mediale Mob reagiert ausschließlich mit Häme, Spott und Hohn. Was leider äußerst erwartbar war.







