George R. R. Martin ist Autor der „Game of Thrones“-Vorlage. Zum Start des neuen Prequels aus dem Westeros-Universum spricht er über Despoten in der Realität und einen bewegenden Filmmoment mit Robert Redford.George R. R. Martin, 77, sitzt in einem gepolsterten Sessel, die Beine übereinandergeschlagen, eine Kaffeetasse griffbereit. Ganz in Schwarz gekleidet, mit seiner charakteristischen Schiffermütze und einer rot gemusterten Weste, wirkt der Mann, der Millionen Leser mit Intrigen, Kriegen, Rittern und Drachen in Atem hält, auffallend gelassen, als er seinen Gesprächspartner in der Suite im obersten Stock eines Berliner Hotels empfängt. Beim US-Streaming-Anbieters HBO Max ist derzeit die Mini-Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“ zu sehen. WELT: Mr. Martin, in „A Knight of the Seven Kingdoms“, dem Prequel zu Ihrer Fantasy-Saga „Game of Thrones“ geht es abermals um die Frage, ob Anstand der Arroganz der Macht etwas entgegensetzen kann. Grundlage für die Serie ist Ihre bereits 1998 veröffentlichte Novelle „Der Heckenritter“. Sind Sie selbst überrascht, wie präzise Ihre fiktive Rittergeschichte die Turbulenzen der weltpolitischen Gegenwart spiegelt? George R. R. Martin: Überrascht? Ich bin natürlich froh, dass sie diese Resonanz hat. Was die besten Geschichten auszeichnet, ist eine gewisse Zeitlosigkeit. Überrascht bin ich eher darüber, in welchen Zeiten wir heute leben. Was zum Teufel ist gerade los in der Welt? Ich dachte, wir hätten vieles von dem hinter uns gelassen, was wir derzeit erleben. Insofern ist es ein wenig beunruhigend, wie sehr meine Geschichte mit einigen Entwicklungen korrespondiert, die gerade in der Welt passieren.WELT: „Winter is coming“, der warnende Leitspruch aus Ihrer Fantasy-Saga „Game of Thrones“, ist weltweit als geflügeltes Wort in die Alltagssprache eingegangen. Als wir zuletzt 2019 in Dublin sprachen, während der ersten Trump-Administration, hatte sich der US-Präsident den Leitsatz mehrmals auf die ihm eigene Weise angeeignet: Mal schrieb er „the wall (Grenzmauer zu Mexiko, Anm. d. Red.) is coming“, mal „sanctions are coming“. Martin: (lacht) Ja, ich erinnere mich.Lesen Sie auchWELT: Was macht das mit einem Autor des Fantastischen, wenn die Realität von Tag zu Tag bizarrer zu werden scheint als seine Fiktion?Martin: Ich schaue die Nachrichten, und darin folgt ein Eklat auf den nächsten. Und das betrifft nicht nur Trump selbst, sondern auch die Leute, mit denen er sich umgeben hat. Nehmen wir den Typen, der sich Kriegsminister nennt – ist allein das nicht unglaublich bezeichnend? Als die Vereinigten Staaten gegründet wurden, gab es im ersten Kabinett schon einmal einen Kriegsminister. Ich glaube, in den 50er-Jahren wurde der Begriff zum Verteidigungsminister umbenannt. Ich fand das schon immer eine interessante Änderung, weil sich darin Orwellsches Neusprech verbarg: „Wir nennen den Minister nicht beim Namen, also, dass er fürs Militär, damit auch für Krieg zuständig ist. Wir nennen es Verteidigung, weil das netter klingt.“ Unserem aktuellen Präsidenten und seiner Administration ist es egal, ob es nett klingt. WELT: Trump hatte im Herbst 2025 per Dekret angeordnet, den Namen „Kriegsministerium“ wiederzuverwenden.Martin: Es geht um Krieg. Wenn du das so unverblümt benennst, willst du die Leute erschrecken. Das ist mit einer Drohung verbunden. Kein gutes Zeichen. Sehen Sie, ich habe eine Fantasygeschichte geschrieben. Sie soll spannend sein, voller Abenteuer und Wagemut. Aber die reale Welt, in der wir uns derzeit befinden, ist beängstigender als alles, was Tolkien oder ich oder irgendwer von uns je geschrieben hat.WELT: Ser Duncan, der Protagonist der Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“ ist ein sogenannter Heckenritter – verarmt, aber anständig. Vor nicht allzu langer Zeit hätten ihn nicht wenige vermutlich noch als „woke“ bezeichnet. Als er eine junge Frau gegen die brutalen Übergriffe eines Prinzen verteidigt, wird er deshalb des Hochverrats angeklagt.Martin: Ich bin mir nicht sicher, ob ich Duncan „woke“ nennen würde (lacht). Er ist ein Waisenkind, jemand, der streng genommen nicht immer ethisch gehandelt hat. Er hat gestohlen, wenn er Hunger hatte. Aber: Er ist ein grundlegend anständiger Mensch. WELT: Mit seinem kahlköpfigen Knappen Egg gibt er ein odd couple ab, das zunächst an Cervantes‘ Roman von Don Quichotte und Sancho Panza erinnert. Wobei es in Ihrer Geschichte weniger aberwitzig und ironisch zugeht. Zwischen Schweiß, Blut und Gestank wird die Frage verhandelt, ob die wahren Ritterlichen, die Anständigen, letztlich nicht die Dummen sind. Was hat Sie gereizt, große Fragen wie diese im Sparring von zwei so ungleichen Protagonisten zu verhandeln? Martin: Grundsätzlich hat mich das Rittertum schon immer interessiert. Bereits als kindlicher Leser. Ich bin in New Jersey aufgewachsen, in einem Viertel mit Sozialwohnungen in Bayonne, einer Industriestadt nahe New York. Die anderen Kinder in den Wohnblocks waren meistens von Cowboys fasziniert. Auch ich mochte Western durchaus. Oder auch Superhelden. Aber von König Artus und seinen Rittern oder Robin Hood ging eine Strahlkraft aus, die mich stärker faszinierte als Cowboys. Ich wusste zunächst nicht, warum das so war. Als ich älter wurde und mehr über die Geschichte des Mittelalters und besonders die Rolle der Ritter recherchierte, merkte ich dann, dass mir an dieser Welt gefiel, dass es darin komplizierte, graue Figuren und graue Institutionen gab.WELT: Wie meinen Sie das?Martin: Ich glaube nicht, dass es in vielen Fällen einfach nur um Gut gegen Böse ging. In der Theorie ist das Rittertum, die Ritterlichkeit an sich, eines der stärksten von Idealen geprägten Wertesysteme, das sich die Menschheit je für Krieger ausgedacht hat. Die Gelübde, die Ritter ablegten, um die Schwachen, die Unschuldigen, zu schützen, waren sehr inspirierend. Und viele Institutionen, die im Laufe der Jahrhunderte daraus hervorgegangen sind, basieren zumindest teilweise darauf. Aber die Ritter selbst wurden diesem Ideal in der Realität oft nicht gerecht. Wenn es zu Kriegen kam, waren sie Soldaten, Tötungsmaschinen, die das umsetzten, was man ihnen befahl. In diesem Spannungsverhältnis zwischen Ideal und Realität liegt eine enorme Dramatik. Die Frage, wie sich ein einzelner Ritter verhält, wenn er diese Gelübde der Ritterlichkeit abgelegt hat und sein Lehnsherr dann einen ungerechten Krieg oder Kampf beginnt und ihm befiehlt, andere zu töten. Diese Frage ist natürlich gerade in der heutigen Zeit sehr relevant. Vor Kurzem haben US-Abgeordnete, darunter Senatoren, amerikanische Soldaten dazu aufgerufen, dass sie keine illegalen Befehle befolgen müssten.WELT: Sechs demokratische US-Abgeordnete mit militärischem und geheimdienstlichem Hintergrund hatten dazu ein Video veröffentlicht, darunter Arizonas Senator Mark Kelly, ein ehemaliger Kampfpilot und Nasa-Astronaut. Martin: Ja, Kelly ist ein echter Held. Aber unser Verteidigungsminister – oder wie er sich selbst lieber nennt: Kriegsminister – ist außer sich über diese Initiative und versucht, Kelly zu zerstören. Ich stehe in der Frage auf Kellys Seite. Der entscheidende Punkt dessen, was Kelly und die anderen fünf gesagt haben, ist: „Ihr Soldaten müsst keine illegalen Befehle befolgen.“ Das Wort „illegal“ ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Denn in einem ähnlichen Kontext ist es aus den Nürnberger Prozessen hervorgegangen, die sich 1945 gegen die Hauptkriegsverbrecher der Nazis richteten. Das wesentliche Argument ihrer Verteidigung lautete: „Ich habe nur Befehle befolgt.“ Aber wie verhält man sich, wenn die Befehle rechtswidrig, wenn sie böse sind – wenn man Soldaten befiehlt, schreckliche Dinge zu tun? Die Entscheidungen der Nürnberger Prozesse haben gezeigt, dass es ein Fortschritt der menschlichen Zivilisation war, festzulegen, dass Soldaten keine bösen oder illegalen Befehle befolgen sollen. Ich fürchte nur, unser Kriegsminister und Leute wie er versuchen, wieder einen Schritt zurückzugehen. Zu behaupten: „Ich bin der König“, wie es sich eine bestimmte Person gerne wünschte und dann sagen zu können: „Ihr müsst das machen, was ich sage.“Lesen Sie auchWELT: Sie haben als ausführender Produzent an der neuen Serie mitgewirkt, als Co-Creator mit dem Autor Ira Parker an den Drehbuchfassungen Ihrer Novelle gearbeitet. Wie war es diesmal? Martin: Bei der ersten Staffel von „A Knight of the Seven Kingdoms“ war es großartig: Klopf auf Holz, dass es so bleibt. Zunächst einmal liebe ich diese Novelle über Ser Duncan und seinen Knappen Egg. Ich halte sie für eine der besten Geschichten, die ich je geschrieben habe. Aber gut, ein Autor ist nie der Richter über sein eigenes Werk. Das entscheiden andere. Denn Duncan und Egg sind zwei meiner Lieblingsfiguren. Und die Zusammenarbeit mit Ira beim Drehbuch war großartig. Ich war ein paar Mal am Set, um ihn zu treffen. Schon vorher waren wir ständig im Austausch, während er daran gearbeitet hat. Da wurde mir schnell klar: Die Serie gibt meine Geschichte wieder, es sind meine Figuren, die jetzt im Film lebendig geworden sind. WELT: Dieses Mal stehen die Darsteller stärker im Vordergrund, spektakuläre Effekte mit fliegenden und Feuer speienden Drachen, wie wir sie aus Ihren anderen Serien kennen, gibt es nicht.Martin: Im Vergleich zu „Game of Thrones“ oder dem anderen Prequel „House of the Dragon“ ist dies ja eine Produktion mit einem kleineren Budget. Und das ist völlig in Ordnung. Wir hatten alles, was wir brauchten. WELT: Schon bei unserem letzten Gespräch vor sieben Jahren waren Sie im Rückstand, was die beiden noch fehlenden Romane zu der Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ betrifft, auf denen die Serie „Game of Thrones“ basiert: Die Fans warten seit Jahren darauf, dass Sie die angekündigten Bücher „The Winds of Winter“ und „A Dream of Spring“ fertig schreiben. Wird das noch was mit den beiden Romanen?Martin: Ich würde ja gern eine Antwort geben, die brillant und prägnant ist. Also: Ich arbeite immer noch an „The Winds of Winter“. Ich denke immer wieder, ich sei kurz davor, es fertigzustellen, aber dann kommt wieder etwas dazwischen.WELT: Sie haben mir damals von einer Hütte an einem geheimen Ort erzählt, in die Sie sich zurückziehen würden, um sich allein aufs Romanschreiben zu konzentrieren. Wann waren Sie das letzte Mal dort?Martin: Nun, 2019 hatte ich noch eine Hütte oben in Durango, Colorado, wohin ich zum Arbeiten gefahren bin. Aber die habe ich vor ein paar Jahren aufgegeben. Inzwischen bin ich wieder in Santa Fe. Ich versuche einfach, mit all diesen Projekten zu jonglieren. Es gibt viele Projekte. Ich bin natürlich spät dran mit „The Winds of Winter“, sehr, sehr spät. Aber: Ich habe auch schon sehr viel von dem Buch geschrieben. Also versuche ich, meinen Schreibtisch freizubekommen von der Arbeit an den anderen Projekten, damit ich den Roman abschließen kann. Jetzt gibt es erst einmal die Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“ und fünf oder sechs andere Spin-offs, die sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Als Erfinder und Urheber vieler dieser Geschichten will ich nun mal, dass die Verfilmungen so gut wie möglich sind. Als Nächstes kommen zwei weitere Staffeln von „A Knight of the Seven Kingdoms“. Ich habe ja bislang drei Novellen über Duncan und Egg geschrieben. Wir adaptieren gerade die zweite, „Das verschworene Schwert“, danach folgt „Der geheimnisvolle Ritter“. Und wenn es nach mir geht, soll das nicht das Ende dieser beiden Figuren bedeuten. Ich muss noch ein Dutzend weiterer Geschichten über sie schreiben. Ich will Duncan und Egg durch ihr ganzes Leben begleiten.WELT: Wenn Sie das alles umsetzen, dürfte es noch mal sehr lange dauern, bis Sie Zeit haben, den Roman „The Winds of Winter“ zum Abschluss zu bringen.Martin: Nun ja. (lacht) Viele meiner Fans wird es nicht gefallen, was ich jetzt sage. Sie würden am liebsten hören, wenn ich jetzt bestätigte: „Ja, der Roman ist fertig und erscheint nächsten Monat.“ Ich muss einfach eins nach dem anderen machen. Zeit finden, in mein Büro gehen, mich hinsetzen, eine Seite schreiben, noch eine Seite schreiben, das Buch beenden – und dann weitermachen. Es ist nicht leicht.WELT: Mal abgesehen vom Honorar ist es sicher auch erfüllend, wenn Sie zwischen Filmproduktionen, Drehbuchschreiben und Romanen pendeln – sonst würden Sie es ja nicht machen, oder? Martin: Manchmal ist es erfüllend und macht Spaß, ja. Manchmal ist es das nicht. Auf der World Science Fiction Convention in Seattle saß ich im vergangenen August in einem Panel mit anderen Fantasyautoren, es folgte eine Frage-Antwort-Session, als jemand im Zuschauerraum aufstand und tatsächlich fragt: „Nun, George, Sie werden ja auch nicht mehr lange leben. Sie sind sehr alt. Und wenn Sie sterben – wer beendet dann Ihre Bücher?“ WELT: Wie haben Sie reagiert?Martin: Das gesamte Publikum begann dann, diese Person auszubuhen. Zum Glück war das Panel im Anschluss vorbei. Nun ja, ich bin mir dessen bewusst, dass auch ich eines Tages sterben werde. Aber ich brauche niemanden, der mich daran erinnert (lacht). Ich habe nicht vor, in absehbarer Zeit zu sterben. Nur: Wer weiß schon, wann es so weit ist. Jeder kann jederzeit sterben. Erst vor Kurzem ist Bob Weir von The Grateful Dead gestorben. Und ich liebe die Grateful Dead. Ich bin ein alter Deadhead.WELT: Weir hatte sich bis zuletzt als sehr zukunftsorientiert gezeigt, als er beispielsweise mit der Nachfolgeband Dead & Company 2025 in der futuristischen Multi-Media-Konzerthalle The Sphere in Las Vegas spielte.Martin: Ja, ich war dort. Und ich bin mit meiner Frau jedes ja nach Mexiko gefahren, wo er mit Dead & Company in Cancún diese „Playing in the sand“- Konzerte gab. Ich habe es dort geliebt. Na ja, und dann starb kürzlich noch Gene Hackman und, nicht zu vergessen Robert Redford. Mit ihm zusammen trat ich in der letzten Filmszene auf, die er je gedreht hat – wir beide hatten 2025 einen Cameo-Auftritt in der ersten Folge der dritten Staffel von „Dark Winds“, der Verfilmung der Krimireihe von Tony Hillerman über den Navajo-Polizisten Joe Leaphrone im Südwesten der USA. Redford und ich sind zu sehen, wie wir im Gefängnis Schach spielen. WELT: Wie kam es zu diesem gemeinsamen Auftritt mit Redford?Martin: Redford und ich waren beide große Fans dieser Krimireihe. Ich hatte Hillerman bei Autorentreffen in Santa Fe kennengelernt, Redford besaß die Rechte an der gesamten Reihe, hatte Anfang der 90er bereits einen Kinofilm und auch Fernsehfilme dazu produziert. Bob hat sich ja schon immer leidenschaftlich für die Native Americans und ihre Rechte eingesetzt. Er hatte vielen beispielsweise über das Institut des von ihm gegründeten Sundance Film Festivals die Tür geöffnet, sie ausgebildet, damit sie in der Filmbranche Fuß fassen konnten. Er hatte sich mit Chris Eyre zusammengetan – dem wohl prominentesten indigenen Regisseur der USA – um über eine Verfilmung der Hillerman-Geschichten zu sprechen.WELT: Eyre wurde 1998 beim „Sundance Film Festivals“ für „Smoke Signals“ mit dem Regiepreis ausgezeichnet.Martin: Ja. Jedenfalls luden mich Eyre und Redford zu einem Essen ein. Das muss so 2015 gewesen sein. Da ich einen Deal mit HBO hatte, wollten sie mich an Bord holen, um ihnen zu helfen, die Rechte zu verkaufen, um mehr Filme, vielleicht eine Serie, aus den Büchern machen zu können. Ich empfand es als großartig, mich mit ihnen austauschen zu können. Letztlich kam es dann anders, und wir brachten die Idee beim US-Sender AMC unter, wo „Dark Winds“ herauskam. WELT: Und man darf sich das so vorstellen, dass Redford und Sie zeitweilig als ausführende Produzenten tatsächlich zusammengearbeitet hatten?Martin: Ja. Da Redford eine Zeit lang ein Haus in Santa Fe hatte, haben wir dort zusammen daran gearbeitet. Die Serie ist inzwischen ziemlich erfolgreich, es wird noch eine vierte Staffel geben. Das ist eine der schönen Seiten bei der Arbeit in TV- und Filmgeschäft: Man trifft manchmal erstaunliche Menschen – und oft auch seine Idole. Redford war authentisch. Er hat eine außerordentlich große Bandbreite an Filmen gemacht. Er hat ernste Filme gemacht, Komödien, Western, zeitgenössische Stoffe. Und er hat sich immer selbst herausgefordert und neue Dinge ausprobiert. Er war nicht nur ein großer Schauspieler und Regisseur. Er hat Institutionen wie das Sundance Film Festival gegründet und viel für den Umweltschutz getan. Ich schätze mich glücklich, sagen zu dürfen, dass ich ein wenig mit ihm gearbeitet habe. Ich meine: Er hat mit Paul Newman gearbeitet, mit Dustin Hoffman, Barbra Streisand, Jane Fonda, ich könnte die Liste endlos fortführen. Und jetzt ist es so, dass er die letzte Szene, die er je gedreht hat, gemeinsam mit mir spielte. In einer Gefängnisszene, in der wir beide Schach spielen. Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als ich Redford in einem Film sah. Das war in einer Episode der Serie „Twilight Zone“, dem Original aus den 50er-Jahren, ich war damals noch ein Kind – also nicht jene Neuauflage, an der ich in den 80ern selbst mit gearbeitet habe. In der Folge spielte er den Tod. Und zwar in der Gestalt eines jungen, attraktiven Polizisten. Es ist eine Episode mit nur zwei Personen: Redford – und eine alte Frau. Die alte Frau hat Angst, dass der Tod sie holen kommt. Also versteckt sie sich, damit es sie nicht findet. Aber der Tod täuscht sie, indem er sich als Polizist ausgibt. Und jetzt, nur ein paar Monate nachdem Redford und ich diesen Cameo-Auftritt hatten, ist er selbst nicht mehr unter uns. Ich bin immer noch nicht darüber hinweg, dass er gestorben ist. Lesen Sie auchZur Person:Am 20. September 1948 in Bayonne im US-Bundesstaat New Jersey geboren, schloss George Raymond Richard Martin 1970 sein Journalismusstudium an der Northwestern University in Illinois. 1971 erschien seine erste Science-Fiction-Kurzgeschichte „The Hero“. Der weltweite Durchbruch gelang ihm 1996 mit dem ersten Roman seiner auf mehrere Bände angelegten Fantasy-Saga „Das Lied von Eis und Feuer“. Die Bücher bildeten die Grundlage für die TV-Serie „Game of Thrones“. Im Jahr 2018 veröffentlichte Martin den Prequel-Roman „Feuer und Blut“. Die drei Novellen über den Ritter Duncan und seinen Knappen Egg, deren erste jetzt für die neue Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“ verfilmt wurde (auf HBO Max zu sehen) sind zuletzt in dem Sammelband „Der Heckenritter von Westeros“ (Penhaligon) neu veröffentlicht worden.