Nach dem mutmaßlich linksextremistischen Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin waren kürzlich zehntausende Haushalte tagelang ohne Strom. Netzbetreiber in Hessen betonen, dass trotz hoher Sicherheitsstandards Stromausfälle nie ganz ausgeschlossen bleiben. Sie setzen auf Krisenmanagement und fordern stärkeren Schutz der Infrastruktur.Mögliche Anpassungen werden geprüftIn Frankfurt gewährleisten nach Angaben des Netzbetreibers Mainova größtenteils redundante Systeme eine hohe Versorgungszuverlässigkeit. Stromnetze sind redundant, wenn sie über parallele Verbindungen verfügen, über die der Strom im Falle eines Ausfalls alternativ transportiert werden kann.Um Störungen jederzeit vor Ort beheben zu können, sei zudem der Entstörerdienst der NRM Netzdienste Rhein-Main GmbH rund um die Uhr einsatzbereit, erklärte eine Sprecherin. «Grundsätzlich ist die weitverzweigte Strominfrastruktur aber nicht vollständig gegen derartige gezielte Angriffe zu schützen», betonte sie.Es gebe bereits entsprechende Notfall- und Krisenszenarien sowie Maßnahmenpläne, die auch regelmäßig geübt würden. «Wir sind aktuell mit den Behörden im Austausch und prüfen, ob sich aus dem Vorfall in Berlin neue Erkenntnisse ergeben, die eine Anpassung der Gefährdungsbeurteilungen und Maßnahmenpläne erforderlich machen.»Netz gegen Angriffe nur schwer zu schützen«Solch großflächige Ausfälle kommen in Deutschland aus technischen Gründen eigentlich nicht vor», teilte ein Sprecher der Städtischen Werke in Kassel mit Blick auf den Stromanschlag in Berlin. «Aber gezielte Anschläge sind prinzipiell fast überall vorstellbar.»Gegen solche Angriffe könnten Infrastrukturbetreiber ihr Netz nur schwer schützen, da diese Infrastruktur über das gesamte Land verteilt sei. «Als Energieversorger ist es unser Wunsch, dass sich der Staat mehr für den Schutz der kritischen Infrastruktur einsetzt», erklärte der Sprecher. Denn erschwerend komme hinzu, dass die geltenden Transparenzregeln es einfacher machten, potenzielle Schwachstellen zu finden.«Bei Ausfällen, egal welcher Art, greifen unsere Notfallpläne», führte der Sprecher aus. «Wir haben Bereitschaftsteams, die rund um die Uhr Schäden beseitigen können und ständig einsatzbereit sind. Wir bevorraten Ersatzteile und Notstromaggregate und schaffen Redundanzen in den Netzen.» Aber bei gezielten Großangriffen wie in Berlin sei es durchaus möglich, dass die Kapazitäten und Ressourcen zur Neige gehen und dass es in Folge auch zu längeren Ausfällen kommen kann.Letztlich gehe es darum, die Folgen von Anschlägen auf kritische Infrastruktur zu minimieren. «Darauf bereiten wir uns vor», sagte der Sprecher. «Deshalb untersuchen und optimieren wir ständig mögliche Schwachpunkte und Prozesse. Gerade jetzt vor dem Hintergrund der aktuellen Vorfälle.»Technische Anlagen werden mehrfach vorgehaltenDie RhönEnergie-Netzgesellschaft OsthessenNetz kann nach eigenen Angaben im Störungsfall zeitnah reagieren. «Unser Stromnetz ist so aufgestellt, dass eine räumliche Bündelung vieler Leitungen und Anlagen vermieden wird», erklärte ein Sprecher. «Die Sicherung von Redundanz – also die Tatsache, dass wir bestimmte technische Anlagen aus Sicherheitsgründen mehrfach vorhalten –, ist elementarer Bestandteil unserer Netzstrukturplanung», erläuterte er. «Falls wirklich einmal einzelne Leitungen ausfallen, kann unsere Leitzentrale, die rund um die Uhr besetzt ist, in der Regel schon nach kurzer Zeit die Versorgung wieder herstellen, indem der Strom über andere Leitungen geführt wird.»Das Unternehmen treffe verschiedene Vorsorgemaßnahmen, um seine Netze vor physischen und vor digitalen Angriffen zu schützen. Auch für den Fall eines größeren Ausfalls habe man eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen getroffen.