PfadnavigationHomeICONISTModeValentino Garavani †Ihm ist die Neugier nie vergangenVeröffentlicht am 20.01.2026Lesedauer: 5 MinutenEr feierte die Schönheit der Frauen und sich selbst: Valentino (r.) mit Linda Evangelista und seinem berühmten Mops-Rudel (2003)Quelle: TASCHEN/Jean-Paul GoudeDer Modedesigner Valentino Garavani ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Er kleidete First Ladys, Prinzessinnen und Divas, war ein Moderomantiker und ein gewiefter Geschäftsmann zugleich. Ausnahmsweise stimmt die Phrase: Mit ihm geht eine Ära zu Ende.Friedlich im Kreise seiner Lieben sei er eingeschlafen, heißt es in einem Statement der Stiftung, die er mit seinem Partner Giancarlo Giammetti ins Leben gerufen hatte. In der Öffentlichkeit hatte sich der Designer Valentino Garavani (1932 - 2026) schon länger nicht mehr gezeigt. Aber noch im Frühsommer 2025 zeigte man in einem neu renovierten römischen Palazzo eine Ausstellung, die sich mit der Farbe Rot beschäftigte – in der zeitgenössischen Kunst und im Werk des Modeschöpfers. So viel Eitelkeit durfte es bei dem Mann, der sich gern als Emperor bezeichnete, zeit seines Lebens sein. Valentino war ein großartiger Modedesigner und ein Lebemann, der seinen Erfolg und Wohlstand so offensichtlich genoss, dass es etwas Mitreißendes hatte. Seine Marke, 1959 in Rom gegründet, stand für Schönheit, Glamour und das Feiern von weiblichen Körpern und Persönlichkeiten. Lesen Sie auchDie dunkleren und ambivalenteren Seiten des Lebens hat Valentino Clemente Ludovico Garavani, geboren 1932 im norditalienischen Voghera, immer gern den anderen überlassen – etwa dem gequälten Genie Saint Laurent oder dem umtriebigen Allesverwerter Karl Lagerfeld. In den letzten Jahren kümmerte sich sein Partner Giancarlo Giammetti um das Vermächtnis dieses Designers, der als der perfekte Vertreter einer Epoche galt, die lange erloschen ist und noch immer Träume entzündet.Unter den vielen langweiligen Modefilmen ragt „Valentino. The Last Emperor“ von 2008 heraus. Regisseur Matt Tyrnauer ist auch Co-Herausgeber des Bildbandes „Valentino. A Grand Italian Epic“ (Taschen), der im Sommer 2025 als aktualisierte Neuauflage erschienen ist. Sein Film wurde von 2005 bis 2007 gedreht, als sich Valentino von seiner Marke verabschiedete.Man sieht ihn und seinen Partner in liebevoller Dauerfehde, wie sie vielleicht nur bei homosexuellen Männern dieser Generation denkbar ist. Zwar gilt Giammetti als der Architekt des Imperiums, das um den Modeschöpfer errichtet wurde. Aber jahrzehntelang stand er in dessen Schatten. Und man sieht Karl Lagerfeld und Valentino durch eine Valentino-Ausstellung schlendern. Der unverbesserliche Frechdachs Lagerfeld sagt seinem Weggefährten über die leidige Konkurrenz: „Die anderen machen doch nur Lumpen.“Diesen Satz hätte vermutlich auch Jackie Onassis unterschrieben, die ihre zweite Ehe in einem Valentino-Kleid einging und deren Unterstützung für seinen Erfolg von unschätzbarem Wert galt.So wie Valentino italienische und französische Einflüsse verband, war Onassis eine Frau, die machtvolle Männer suchte, aber ihren eigenen Einfluss kultivierte.Denn der Designer, der lange mit einem Rudel Möpse in einem französischen Schloss residierte, kam aus einfachen Verhältnissen. Die First-Ladys, die Prinzessinnen, die Couture-Kundinnen waren eine Welt, die er sich hart erarbeiten musste.Der kleine Garavani wurde nach dem Stummfilmstar Rudolph Valentino benannt, er studierte Modedesign und arbeitete dann in Paris bei Jean Dessès und Guy Laroche.Obwohl Frankreich schon damals das Zentrum der Mode war, zog er zurück nach Italien und eröffnete in Rom sein erstes Atelier. Die Stadt war damals bevölkert von Schauspielern und Lebemenschen, und die ersten, wichtigen Schritte der Marke klingen wie aus einem Märchenbuch. „Januar 1961: Monica Vitti trägt in Michelangelo Antonionis ‚La Notte‘ das erste Valentino-Kleid in einem Kinofilm. Oktober 1961: Bei der Party zum ersten Geburtstag von ‚Spartacus‘ tanzt Kirk Douglas mit Elizabeth Taylor in einer elfenbeinfarbenen Valentino-Robe mit Straußenfedern.“Und während Valentino seinen und den Traum seiner Kundinnen ausgestaltete – es ging ihm erklärtermaßen immer darum, Frauen zum Glänzen zu bringen –, baute sein Partner Giammetti mit zunehmend sicherer Hand das Unternehmen auf.Wie bei den meisten erfolgreichen Marken gab es die Lizenz-Exzesse der 80er, und natürlich rutschte er irgendwann in die Kategorie Klassiker mit abnehmender Relevanz, wie es auch Saint Laurent widerfuhr. Aber bis heute gilt Valentino als einer derjenigen, die eine Mode erfanden, die Frauen nicht zu Skulpturen machte, sondern ihre Bewegung und Selbstständigkeit feierte.Auf einer Modefotografie mit Mick Jaggers späterer Ehefrau Jerry Hall sind die Rollen jedenfalls klar verteilt. Der Mann liegt bräsig und nackt im Bett, die Frau ist superelegant gekleidet und auf dem Sprung. So emanzipiert kann klassischer Glamour aussehen.Was die Valentino und Giammetti außerdem gelang, war eine selten harmonische Nachfolgeregelung. Nachdem sie ausgestiegen war, entwarfen von 2008 bis 2016 Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli die Kollektionen, bevor Chiuri zu Dior wechselte und Piccioli die Marke acht weitere Jahre leitete, bevor er zu Balenciaga wechselte. Vor allem in den ersten Jahren waren die Gründer noch bei den Schauen dabei und fanden nichts als Lob für die Nachfolger, auch wenn diese nie den großen Vorgänger nachäfften. In ihrem Urteil über den jetzigen Designer Alessandro Michele äußerten sich Valentino und Giammetti zurückhaltender bis gar nicht. Die einzige Quasi-Begegnung des Autors mit der Legende fand in einer Schwulenbar in New York statt, kurz nachdem das Imperium verkauft war. Der Designer und Giammetti kamen in die Bar und eilten zielstrebig zu dem männlichen Stripper.Valentino stand in der ersten Reihe, hielt kokett die Hände vor die Augen, aber spreizte dabei die Finger so weit, dass ihm kein Detail entging. Vielleicht sollte man derartige Szenen nicht überinterpretieren, aber es war ein rührender Moment.Ein Mann aus einer anderen Zeit, dem die Neugier nie vergangen ist.
Valentino Garavani: Der Modedesigner, der Frauen zum Glänzen brachte und die Modewelt verzauberte - WELT
Der Modedesigner Valentino Garavani ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Er kleidete First Ladys, Prinzessinnen und Divas, war ein Moderomantiker und ein gewiefter Geschäftsmann zugleich. Ausnahmsweise stimmt die Phrase: Mit ihm geht eine Ära zu Ende













