PfadnavigationHomePanoramaFeuer-Katastrophe in der SchweizBarbetreiber wegen Fluchtgefahr in U-Haft – Seine Frau entschuldigt sich schluchzendVeröffentlicht am 09.01.2026Lesedauer: 3 MinutenBei einem Brand in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana kamen 40 Menschen ums Leben, über 100 wurden verletzt. Gegen das französische Betreiberpaar der Bar „Moretti“ läuft ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung.Nach dem Brandunglück von Crans-Montana wenden sich Schweizer Politiker an die Familien der Toten und Verletzten. Der Betreiber der Bar, Jacques Moretti, sitzt wegen möglicher Fluchtgefahr in U-Haft. Seine Frau, ebenfalls Bar-Chefin, bittet unter Schluchzen um Entschuldigung.Der Barbetreiber von „Le Constellation“ sitzt nach Informationen des Nachrichtenportals „24 heures“ und der Nachrichtenagentur AFP wegen möglicher Fluchtgefahr in U-Haft. Er wurde demnach nach einer sechsstündigen Befragung durch die Staatsanwaltschaft in Gewahrsam genommen.Auch gegen seine Frau Jessica Moretti, ebenfalls Chefin der Bar, wird ermittelt. Sie entschuldigte sich nach der Befragung unter Schluchzen. „Das ist eine unvorstellbare Tragödie. Niemals, wirklich niemals im Leben hätten wir uns das vorstellen können“, sagte sie vor Medien. „Das ist in unserer Einrichtung passiert, und ich möchte mich entschuldigen.“ Ihre Gedanken seien die ganze Zeit über bei den Opfern und denjenigen, die mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen hätten. Bei der Trauerfeier für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana hat unterdessen auch der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, um Entschuldigung gebeten. Neben der laufenden Aufklärung der rechtlichen Verantwortung für das Inferno mit 40 Toten und knapp 120 Verletzten in der Silvesternacht gelte es auch, moralische Verantwortung zu übernehmen, sagte er bei der Feier in Martigny. Es sei das Mindeste, „im Namen der gesamten Gemeinschaft um Entschuldigung zu bitten“, sagte Reynard vor Angehörigen der Opfer.Jahrelang keine Brandschutz-KontrollenErmittler gehen davon aus, dass eine funkensprühende Wunderkerze eine Schaumstoff-Verkleidung an der Decke der Bar „Le Constellation“ in Brand setzte. Aus noch ungeklärten Gründen waren die Brandschutzmaßnahmen des Lokals vorschriftswidrig jahrelang nicht von den Behörden geprüft worden.Lesen Sie auch„Undenkbar“ – mit diesem Wort beschrieb der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin in seiner Rede das Inferno. „Undenkbar, weil ein Land, dass sich als Hort der Korrektheit und der Zuverlässigkeit versteht, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, diesen allgegenwärtigen Schatten, der immer auf der Suche nach Schwachstellen auf der Lauer liegt“, sagte der Politiker.Lesen Sie auchDer nationale Trauertag für die Opfer von Crans-Montana sei auch ein Tag der Mahnung für Behörden und den Gesetzgeber, Lehren aus dem Inferno zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sagte Parmelin.Lesen Sie auchBei der Trauerfeier mit rund 1.000 Gästen, darunter der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, schilderten drei jugendliche Augenzeugen die furchtbaren Momente der Silvesternacht. „Es war eine apokalyptische Szene“, sagte eine junge Frau. „Die Bilder, die sich uns boten, waren unerträglich.“ Die drei gehörten zu den Menschen, die in einer Bar gegenüber vom Brandort gefeiert hatten. Meloni thematisiert schwere Verdachtsmomente Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sprach bei einer Pressekonferenz in Rom einen von Medien verbreiteten Verdacht an: „Ich lese, dass es Videos geben soll, auf denen die Verantwortliche dieses Lokals zu sehen ist, wie sie mit der Kasse flieht.“ Wenn das stimme, müssten die Konsequenzen schonungslos sein. Die Staatsanwaltschaft wollte bisher auf Anfrage der dpa keine Stellung dazu nehmen. Lesen Sie auch„Was in Crans-Montana passiert ist, ist kein Unglück. Was in Crans-Montana passiert ist, ist das Ergebnis davon, dass zu viele Menschen ihre Arbeit nicht gemacht oder geglaubt haben, sie könnten leichtes Geld machen“, sagte Meloni weiter. Es gebe viele „Warum“-Fragen: „Warum wurde die Musik nicht gestoppt? Warum wurde diesen Jugendlichen nicht gesagt, dass sie rausgehen sollen? Warum hat die Gemeinde keine Kontrollen durchgeführt?“, sagte Meloni.„Genießt jeden Augenblick, so zerbrechlich er auch sein mag“ Die Tragödie nahmen die drei Augenzeugen zum Anlass für einen Appell speziell an die jungen Menschen. „Wir sind eine Generation, die in einer fragilen, manchmal harten, oft ungerechten Welt aufwächst“, sagte einer der Jugendlichen. Aber trotz aller Zweifel und Ängste kämpfe die Generation um das, woran sie glaube. Und: „Genießt jeden Augenblick, so zerbrechlich er auch sein mag.“ Denn wichtig sei, nicht unbedingt dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben hinzuzufügen.dpa/rct/doli