Wie geht man mit Repression um, mit Folter, mit dem Trauma eines Gefängnisaufenthaltes? Was passiert, wenn man Macht über einen früheren Peiniger ausüben könnte? Der große iranische Filmemacher Jafar Panahi nimmt sich in „Ein einfacher Unfall“ dieser Frage an. Seit Jahrzehnten arbeitet er unter Bedingungen, die Kino unmöglich machen sollen: mit Berufsverbot, unter Hausarrest, beobachtet, bedroht, inhaftiert. Ein drastischer Richterspruch verurteilte Panahi 2010 zu 20 Jahren Arbeits- und Ausreiseverbot sowie zu einer Haftstrafe – die Reaktion der Islamischen Republik auf die unliebsame, implizite Kritik in Werken wie „Offside“. Und doch hörte Panahi nie auf zu drehen, trickste die Zensur aus, wusste Schikanen zu umgehen, inszenierte unter abenteuerlichsten Umständen, mit unerschütterlichem Glauben an die Kraft der Bilder und warf mit Filmen wie dem Berlinale-Gewinner „Taxi Teheran“ ein helles Licht auf die Lebensumstände in Iran. Seitdem gilt er weltweit als Symbolfigur für künstlerische Unbeugsamkeit. Mit „Ein einfacher Unfall“ konnte der Fünfundsechzigjährige nach 2010 erstmals wieder ausreisen, um persönlich an einem Festival teilzunehmen – und gewann die Goldene Palme in Cannes. Nun wird der Film über vier ehemalige Gefängnisinsassen für Frankreich ins Oscar-Rennen gehen.