PfadnavigationHomePanoramaBundeswehrPistorius nennt Vorfälle bei Fallschirmjägern „erschütternd“ – und kritisiert FührungVeröffentlicht am 29.12.2025Lesedauer: 4 MinutenFallschirmjäger steigen in ein Flugzeug, um die Freifall-Taktische Weiterbildung zu absolvierenQuelle: Bernd Wüstneck/dpaNach Ermittlungen gegen Soldaten eines Fallschirmjägerregiments zeigt sich Verteidigungsminister Boris Pistorius unzufrieden mit der ersten Reaktion der militärischen Führung. Fehlverhalten müsse sofort erkannt und konsequent verfolgt werden.Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die Vorfälle bei Fallschirmjägern der Bundeswehr scharf kritisiert. „Die gemeldeten Fälle von Rechtsextremismus, sexuellem Fehlverhalten und Drogenkonsum in Zweibrücken sind erschütternd“, sagte der SPD-Politiker. Sie stünden im krassen Widerspruch zu den elementaren Werten der Bundeswehr. Die Bundeswehr hat nach Ermittlungen im Fallschirmjägerregiment 26 im rheinland-pfälzischen Zweibrücken nach eigenen Angaben inzwischen mehrere Soldaten entlassen und weitere Konsequenzen angekündigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 19 Soldaten. Pistorius zeigte sich aber unzufrieden, wie die militärische Führung vor Ort auf die gemeldeten Fälle reagierte. Zwar sei sofort ermittelt worden und der gesamte Sachverhalt werde seither umfassend aufgeklärt mit ersten harten Konsequenzen. „Was nicht geht, ist, dass das Fehlverhalten vor Ort offenbar nicht sofort als solches erkannt wurde und damit auch nicht mit der erforderlichen Konsequenz verfolgt wurde. Das muss ausgeschlossen sein“, sagte Pistorius.Maßnahmen werden im „Aktionsplan Luftlandetruppe“ gebündeltEr sei dem Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, sehr dankbar, dass dieser umgehend Maßnahmen eingeleitet habe, um zu verhindern, dass sich dieses Fehlverhalten fortsetzt. Freuding werde diese Maßnahmen in einem „Aktionsplan Luftlandetruppe“ bündeln und dafür sorgen, dass sie umgesetzt werden.„Mir kommt es jetzt darauf an, dass erstens die einzelnen Vorfälle weiterhin restlos aufgeklärt werden, zweitens, wenn sich weitere Vorwürfe bestätigen, die Fälle mit aller Konsequenz geahndet werden“, sagte Pistorius. „Drittens muss das Vertrauen in militärische Führung vor Ort wieder hergestellt werden.“Lesen Sie auchEs müsse klar sein, dass Extremismus, sexuelles Fehlverhalten und Drogenkonsum in der Bundeswehr nichts verloren haben. Genauso wichtig sei, dass es keine Furcht geben dürfe, Vorfälle zu melden – oder gar eine falsch verstandene Solidarität mit denjenigen, die jede Grenze überschritten. Jederzeit müsse ein geschützter Raum garantiert sein, in dem sich Betroffene sicher fühlten, wenn sie Vorfälle dieser Art meldeten.Insgesamt mehr als 200 einzelne DelikteDie „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) hatte berichtet, dass im Fallschirmjägerregiment 26 im rheinland-pfälzischen Zweibrücken seit Monaten ermittelt werde. Neben Rechtsextremismus und sexualisiertem Fehlverhalten geht es demnach auch um Gewaltrituale und Drogen.Mehreren Dutzend Beschuldigten im Regiment würden sexuelle Übergriffe und Mobbing gegen Frauen vorgeworfen. Mindestens 30 Soldaten sollen an rechtsextremen und antisemitischen Vorfällen beteiligt gewesen sein. Es geht demnach insgesamt um mehr als 200 einzelne Delikte.Lesen Sie auchEine Sprecherin des Heeres bestätigte der Nachrichtenagentur dpa „umfangreiche Ermittlungen gegen insgesamt 55 Beschuldigte“ in den vergangenen Monaten. „Bei 19 Beschuldigten wurde die Entlassung eingeleitet. In drei Fällen ist diese bereits erfolgt.“ Auslöser für die Ermittlungen seien mehrere Eingaben von Soldatinnen des Fallschirmjägerregiments 26 an den Wehrbeauftragten des Bundestages im Juni gewesen. Bericht: Hitlergrüße und Mobbing gegen FrauenUnter Berufung auf Regimentsinsider berichtet die FAZ über „Hitlergrüße und eine angebliche Nazi-Party“. Es habe in Zweibrücken eine „rechtsextreme, offen antisemitische Clique“ gegeben. Frauen in der Truppe hätten Exhibitionismus erlebt und sich Pornowitze und Vergewaltigungsphantasien anhören müssen.„Als wir dahintergekommen sind, was in Zweibrücken vorgeht, waren wir schier sprachlos“, sagte Gante der „FAZ“. „Über die Ereignisse, aber auch über die Art und Weise, wie man damit umgegangen ist. Im Heer gilt: Schlechte Führung ist kein Dienstvergehen, wird aber nicht geduldet.“Die Vorfälle, sofern bestätigt, seien inakzeptabel, sagte der Bundeswehrsprecher. „Hier sind ja nicht nur Persönlichkeitsrechte Einzelner in erheblicher Weise betroffen, sondern das Ganze hat ja auch das Potenzial, das Ansehen der Bundeswehr als Ganzes zu schädigen.“ Rechtsextremismus und sexualisiertes Fehlverhalten würden in der Bundeswehr nicht akzeptiert.Lesen Sie auchDem Sprecher zufolge sind Staatsanwaltschaft, zuständige Wehrdisziplinaranwaltschaft und Militärischer Abschirmdienst in die Ermittlungen eingebunden. Es habe erste Entlassungen gegeben und mehrfach sei ein Verbot der Ausübung des Dienstes in Uniform verhängt worden.Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken führt seit längerem Ermittlungsverfahren gegen 19 Bundeswehrsoldaten der Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken. Dabei gehe es vor allem um mögliche Verstöße gegen das Konsumcannabisgesetz. In weiteren Fällen stehen demnach Vorwürfe der Volksverhetzung sowie des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen im Raum.Wie lange die polizeilichen Ermittlungen noch dauern würden, sei derzeit nicht absehbar, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Die Verfahren richteten sich gegen Soldaten, die den Mannschaftsdienstgraden und der Laufbahngruppe der Unteroffiziere angehörten. Jüngst seien keine weiteren Strafanzeigen hinzugekommen.Auch disziplinarrechtliche Konsequenzen drohenIn der Niederauerbach-Kaserne ist das Fallschirmjägerregiment 26 der Luftlandebrigade 1 des Heeres stationiert. Die Luftlandebrigade 1 hat ihren Sitz im saarländischen Saarlouis.Der Pressesprecher der Luftlandebrigade 1 in Saarlouis sagte, es werde wegen der Vorfälle in der Kaserne straf- und disziplinarrechtlich ermittelt. Es gehe um Drogenmissbrauch, Fehlverhalten in Bezug auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung und sexualisiertes Fehlverhalten.Lesen Sie auch„Diese Vorfälle sind bekannt. Solange die Staatsanwaltschaft und die Wehrdisziplinaranwaltschaft am Ermitteln sind, können wir keine einzelnen Sachverhalte bestätigen oder dementieren“, sagte er.„Wenn sich die Vorfälle bestätigen, wird es auch zu Disziplinarstrafen kommen“, sagte er. In wie vielen Fällen disziplinarrechtlich ermittelt werde, konnte er nicht sagen. „Es sind einige.“ Für mögliche Dienstpflichtverletzungen sei die Wehrdisziplinaranwaltschaft zuständig.Das Fallschirmjägerregiment 26 umfasst rund 1700 Soldatinnen und Soldaten. Von insgesamt elf Kompanien hätten drei ihren Sitz im saarländischen Merzig.dpa/saha
Bundeswehr: Pistorius nennt Vorfälle bei Fallschirmjägern „erschütternd“ – und kritisiert Führung - WELT
Nach Ermittlungen gegen Soldaten eines Fallschirmjägerregiments zeigt sich Verteidigungsminister Boris Pistorius unzufrieden mit der ersten Reaktion der militärischen Führung. Fehlverhalten müsse sofort erkannt und konsequent verfolgt werden.








