PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungMoralismusIch wünsche mir ein Jahr ohne Adolf HitlerVeröffentlicht am 28.12.2025Lesedauer: 2 MinutenJacques Schuster, Chefredakteur der WELT AM SONNTAGQuelle: Marlene Gawrisch/WELTIn Deutschland herrscht die Unart, aus jeder moralischen und politischen Delegitimierung eine Probe aufs Exempel antifaschistischer Gesinnung zu machen. Das sollte aufhören.Kurz vor Jahresende haben die meisten Menschen Wünsche. Der Autor dieser Zeilen hat sie jedenfalls: Ich wünsche mir ein Ende des politischen Moralismus. Schluss mit dem „Gewissen als scharfrichterliche Instanz“ (Hermann Lübbe). Fehlte es, wären die gegenwärtigen Debatten ziviler.Ich wünsche mir ein Jahr ohne Adolf Hitler und die Hitlerei, also ohne den Hang, den Einbruch des satanischen Prinzips in die Weltgeschichte für die heutigen Diskussionen zu missbrauchen! Hierzulande besteht die Unart, aus jeder moralischen und politischen Delegitimierung eine Probe aufs Exempel antifaschistischer Gesinnung zu machen. Gemeinsam sollten wir das Godwinsche Gesetz außer Kraft setzen. Es geht auf Mike Godwin zurück und besagt, dass die Wahrscheinlichkeit, Hitler oder Nazi genannt zu werden, mit der Dauer einer Online-Diskussion zunimmt. Hört auf damit! Lesen Sie auchIch wünsche mir ferner: Schluss mit der Dreifaltigkeit aus Gender-Fanatismus, Überempfindlichkeit gegenüber Diskriminierung und Extrem-Rhetorik immer dort, wo es nicht so zugeht, wie man es sich selbst vorstellt. Wir wären alle entspannter. Ich wünsche mir ein Ende der Selbstanklage: Dort, wo die Rechte von Minderheiten und Frauen am besten geschützt werden, in den westlichen Demokratien, wird am heftigsten gegen die Verletzung der Grundrechte polemisiert. Haben wir noch alle Tassen im Schrank? Schließlich wünsche ich mir mehr Freiheit und die Einsicht, dass diese bedroht ist. Aber nicht so, wie Donald Trump und seine weltweiten Nickdackel meinen, sondern im Bewusstsein, dass der totalitäre Staat zwar tot ist, der totalitäre Geist aber weiterlebt.
Moralismus: Ich wünsche mir ein Jahr ohne Adolf Hitler - WELT
In Deutschland herrscht die Unart, aus jeder moralischen und politischen Delegitimierung eine Probe aufs Exempel antifaschistischer Gesinnung zu machen. Das sollte aufhören.






