PfadnavigationHomePolitikAusland„Wir müssen es haben“Trump will Grönland unbedingt übernehmen – „Merz sollte nicht ängstlich schweigen“, fordern GrüneVeröffentlicht am 23.12.2025Lesedauer: 6 MinutenUS-Präsident Donald Trump hat einmal mehr sein Interesse an Grönland bekräftigt. „Wir brauchen Grönland für die nationale Sicherheit“, sagte Trump am Montag in Mar-a-Lago.Mit der Ernennung eines Sondergesandten ist der Konflikt zwischen Grönland, Dänemark und den USA wieder aktuell. US-Präsident Donald Trump begründet sein Interesse mit der nationalen Sicherheit. Aus Deutschland hagelt es heftige Kritik.US-Präsident Donald Trump hat einmal mehr sein Interesse an Grönland bekräftigt. „Wir brauchen Grönland für die nationale Sicherheit“, sagte Trump am Montag in Mar-a-Lago. „Wenn man die Küste entlang schaut, sieht man überall russische und chinesische Schiffe“, sagte Trump. „Wir müssen es haben.“ Es gehe nicht um Mineralien oder Öl, davon habe die USA selbst genug.Grönland ist ein autonomer Teil des Königsreichs Dänemark, was Trump bisher aber nicht von Kauf- und Übernahmeangeboten abgehalten hatte. „Sie sagen, Dänemark war dort vor 300 Jahren mit Booten. Gut, wir waren auch dort mit Booten“, sagte Trump weiter. Dänemark habe kein Geld für Grönland ausgegeben, es sei militärisch nicht geschützt.Scharfe Kritik aus DeutschlandDer außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, kritisierte die jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten: „Die erneuten Äußerungen von Donald Trump sind ein weiterer Versuch, das Völkerrecht auszuhöhlen. Dem müssen wir als europäische Gemeinschaft mit einer klaren Absage begegnen“, sagte Ahmetović WELT. „Die Souveränität Dänemarks und das Recht der Menschen in Grönland auf Selbstbestimmung sind unantastbar. Territorialansprüche oder Kauffantasien stehen im Widerspruch zu den Grundprinzipien der internationalen Ordnung.“Die Unionsfraktion im Bundestag warf Trump vor Nato-Interessen zu schaden. „Grönland gehört zum Nato-Gründungsmitglied Dänemark. Es ist unverständlich, warum der amerikanische Präsident im eigenen Bündnis derartige Unruhe stiftet“, sagte der außenpolitische Sprecher Jürgen Hardt (CDU) WELT. „Alle Nato-Mitglieder haben identische Interessen in der Arktis. Deshalb ist die Stärkung der Zusammenarbeit das Gebot der Stunde.“ Das Vorgehen des US-Präsidenten schade einer gemeinsamen Positionierung gegenüber Russland und China: „Mit seinem konfrontativen Ansatz zerschlägt Trump in Dänemark und bei anderen Bündnispartnern ohne Not Porzellan und erschwert damit eine einvernehmliche, Russland und China beeindruckende Lösung für neue Sicherheitserfordernisse. Die Nato ist nur gemeinsam stark.“Der Vizechef und außenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Markus Frohnmaier, sagte: „Die territoriale Souveränität Dänemarks und die politische Autonomie Grönlands stehen für uns außer Frage. Über ihre weitere Zukunft entscheiden die Grönländer und die Dänen selbst.“ Trumps Aussagen seien „in erster Linie Ausdruck seiner bekannten Dealmaker-Strategie“. Es sei „unbestreitbar, dass Grönland eine enorme strategische Bedeutung für die Sicherheit des transatlantischen Bündnisses hat: mit Blick auf die Arktis, die Nordatlantik-Route und die zunehmende Präsenz Chinas und Russlands in der Region“, sagte Frohnmaier. „Ein strategisch optimal eingebundenes Grönland liegt nicht nur im Interesse der Vereinigten Staaten, sondern auch Europas und insbesondere Deutschlands.“ Er forderte: „Deutschland kann und sollte als vermittelnde Kraft zwischen den USA, Dänemark und der grönländischen Autonomie-Regierung eine Rolle spielen. Ziel muss es sein, strategisch-pragmatisch die Interessen aller Partner in Einklang zu bringen und funktionierende Frühwarn- und Verteidigungsstrukturen rund um Grönland auszubauen. Eine solche verstärkte Kooperation, wenn sie auf Respekt vor der Souveränität und Selbstbestimmung der Grönländer und Dänemarks basiert, liegt im Interesse aller Nato-Partner.“Grüne zu Trumps Grönland-Äußerungen: „Merz sollte nicht ängstlich schweigen“ Die Grünen riefen Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf, die jüngsten Äußerungen Trumps offen zurückzuweisen. Es brauche „einen Kurswechsel, und alle anderen Staaten sollten entschieden und geschlossen ausstrahlen, dass sie ein solches Rumtrampeln auf den wichtigen Grundsätzen der Nato unter keinen Umständen akzeptieren“, sagte Fraktionsvize Agnieszka Brugger WELT. „Auch Bundeskanzler Merz sollte nicht ängstlich schweigen, sondern unseren treuen Nachbarn Dänemark und die Grundgedanken der Nato klar verteidigen. Nichts ist so wichtig in diesen unsicheren Zeiten, wie ein loyaler Partner für die verbündeten Staaten zu sein, die bedroht werden.“ Denn nur so könne man sich auf Hilfe anderer verlassen, wenn man selbst „einer Gefahr ausgesetzt ist oder von anderen Staaten erpresst wird“. Brugger kritisierte: „Viele Staaten in der Nato haben versucht, die Attacken der Trump-Administration hinter den Kulissen und auf der unterwürfigen Schleimspur zu lösen. Es wird aber nur umso mehr weiter gedroht und eskaliert, wenn man den Eindruck gewinnt, dass diese Bully-Taktiken zu Erfolg führen.“ Die Grünen-Politikerin sagte: „Es ist eine verstörende Offenbarung, wie die Aussagen von Donald Trump immer wieder an die Drohungen von Wladimir Putin gegenüber der Ukraine vor der Vollinvasion erinnern.“ Dem US-Präsidenten attestierte sie, Nato-Interessen zu schaden: „Auch diese Worte und die Schritte richten schon einen immensen Schaden an, denn sie sind im Ziel auch Attacken auf die Grundprinzipien der Nato.“ Linke-Fraktionschef Sören Pellmann ordnete Trumps Grönland-Plan als völkerrechtswidrig ein. Dieser passe „in die neue nationale Sicherheitsstrategie der USA, die ihr Interesse auf die westliche Hemisphäre verlagert“, sagte Pellmann. „Ganz im Geiste der Zeiten des Imperialismus und der Monroe-Doktrin des 19. Jahrhunderts will man so die amerikanische Vorherrschaft in der Region sichern. Mit dem Völkerrecht hat das nichts zu tun.“ Er glaube aber, „da ist auch viel Getöse von Trump dabei, um von dem aktuellen aggressiven Vorgehen der USA wie gegen Venezuela abzulenken“. Pellmann sagte: „Man sieht an dem Fall Grönland, dass offensichtlich nicht einmal eine Nato-Mitgliedschaft vor den aggressiven Absichten des eigenen Bündnispartners schützt.“ Die USA setzten „auf selektive Kooperationen insbesondere mit Polen, Ungarn und Italien statt auf kollektive Sicherheit. Die Avancen von Trump und seinen Getreuen gegenüber rechten Regierungen und Parteien können wir nicht ignorieren.“Trump ernannt Sondergesandten für GrönlandTrump hatte bereits am Sonntag den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zu seinem Sondergesandten für Grönland ernannt. Landry erklärte auf X, es sei ihm eine Ehre, in dieser ehrenamtlichen Position daran mitzuwirken, Grönland zu ⁠einem Teil der USA zu machen. Darauf ⁠reagierten die dänische Premierministerin Mette Frederiksen und der grönländische Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen mit einer gemeinsamen Stellungnahme: „Man kann nicht einfach ein anderes Land annektieren. Grönland gehört den Grönländern.“Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen kündigte an, den US-Botschafter Kenneth Howery einzubestellen. „Das ist natürlich völlig inakzeptabel“, sagte Rasmussen dem Sender TV2. Premierministerin Frederiksen schrieb auf Instagram: „Es ist eine schwierige Situation, in die uns unsere lebenslangen Verbündeten bringen.“ Der grönländische Ministerpräsident Nielsen kommentierte auf Facebook: „Die Ankündigung ‍ändert nichts. Wir entscheiden über unsere eigene Zukunft.“Grönland ist Teil der Nato, aber nicht der EUTrump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017-2021) den Willen zur Übernahme Grönlands geäußert. Auf der Insel leben etwa 57.000 Menschen. Seine strategische Lage macht es zu einem wichtigen Standort für das US-Raketenabwehrsystem.Dänemark hatte Anfang des Jahres angekündigt, seine Militärpräsenz auf Grönland zu verstärken. Die Außen- und Sicherheitspolitik ist von der weitgehenden Autonomie der Insel ausgenommen. Grönland ist über Dänemark Mitglied Nato, aber anders als der europäische Teil des Königreichs nicht der EU.Lesen Sie auchDer Streit um Grönland war kurz nach dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit im Januar neu ausgebrochen. Trumps Stellvertreter J.D. Vance besuchte Ende März den US-Militärstützpunkt Pituffik im Nordwesten Grönlands. Ende August berichtete der dänische Fernsehsender DR, dass mindestens drei Trump nahestehende Mitarbeiter der US-Regierung versucht hätten, in Grönland Einfluss zu nehmen. Daraufhin bestellte Dänemark den Geschäftsträger der US-Botschaft ein.sebe mit Reuters, mh