PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungWirtschaftsstandortDoch, Deutschland kann TechVon Peter BoschVeröffentlicht am 29.12.2025Lesedauer: 4 MinutenDer VW ID. Buzz AD, das erste seriell gebaute RobotaxiQuelle: picture alliance/CHROMORANGE/Michael BihlmayerWenn wir unsere Stärken ausspielen, können wir uns wieder einreihen in die Führungsriege der globalen Technologie-Wirtschaft, schreibt Peter Bosch, Software-Chef von Volkswagen, in einem Gastbeitrag.Laufen wir Gefahr, den technologischen Anschluss zu verlieren? Oder sind neue weltpolitische Verhältnisse, wirtschaftliche Spielregeln und Technologien eine riesige Chance für Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland und Europa? Ich finde, wir haben sehr gute Voraussetzungen. Wir müssen sie nur gezielt ausspielen, um uns wieder in die Führungsriege der globalen Technologie-Wirtschaft einzureihen. Dabei sind drei Voraussetzungen besonders wichtig: Besinnung auf unsere Tugenden, Bereitschaft zur Zusammenarbeit und konsequente Veränderung.Europäische Universitäten bilden Top-Talente mit unternehmerischer Vision und tiefem Technologieverständnis aus. Beispiele dafür sind die Gründer von BioNTech und Mistral AI oder die aktuelle Chief Operating Officer von Microsoft. Wenn ich auf neue Entrepreneurship-Cluster wie Heilbronn oder Initiativen wie UnternehmerTUM mit über 100 skalierbaren Ausgründungen pro Jahr blicke, ist mir nicht bange. Dazu kommt: Wir leben in Zeiten einer politisch getriebenen Entkoppelung großer Wirtschaftsräume. Daher ist es wichtiger denn je, Kunden und Spielregeln auf lokaler Ebene zu verstehen. Siemens ist seit 1892 in den USA, Volkswagen seit 1984 in China, SAP seit 1998 in Indien. Wer hat schon einen solchen Erfahrungsschatz? Wir können vom Exportweltmeister zum Weltmeister bei der Erfüllung lokaler Kundenbedürfnisse mit lokalem Geschäft werden. Mit CARIAD China macht Volkswagen genau das: Lokale Entwickler schreiben Code für den chinesischen Markt und die Bedürfnisse der chinesischen Autofahrer.Lesen Sie auchEin Highlight ambitionierter Technologie-Partnerschaften war vor 55 Jahren die Gründung von Airbus – die europäische Antwort auf die amerikanische Luftfahrt kurz nach der Mondlandung. Heute zeigt sich der Gedanke europäischer Partnerschaften zum Beispiel im Bereich Automobilsoftware. Viele denken, autonomes und assistiertes Fahren würde von amerikanischen oder chinesischen Tech-Unternehmen beherrscht. Doch es gibt auch erfolgreiche europäische Initiativen: Mit der „Automated Driving Alliance“ arbeiten Robert Bosch und CARIAD an einer skalierbaren europäischen Softwareplattform für assistiertes und automatisiertes Fahren und machen so teilautonomes Fahren zu vernünftigen Kosten allen Fahrzeugmodellen und Kundengruppen zugänglich. Demokratisierung von Technologie ist ein Schlüssel für Erfolg. Mit dem ersten seriell gebauten Robotaxi für Dienste wie Moia oder Uber zeigt Volkswagen, dass in Europa modernste Technologie industriell skaliert werden kann. Diese Kombination von klassischen Fähigkeiten im Automobilbau mit neuen Fähigkeiten bei künstlicher Intelligenz zeigt, wie technologische Souveränität durch Engineering-Partnerschaften wieder erreicht werden kann. Damit einher geht auch ein verändertes Wertschöpfungsmodell der Automobilindustrie: weg vom klassischen Hersteller-Lieferanten-Verhältnis, hin zu Innovationspartnerschaften. Bei CARIAD bedeutet das: Den Code für Fahrassistenzsysteme oder Infotainment schreiben wir gemeinsam mit Partnern und skalieren ihn anschließend selbst, anstatt ihn von Dritten als Komplettpaket einzukaufen. Denn die Zukunft der Mobilität wollen wir direkt beherrschen und beeinflussen als neue technologische Basis unseres Produkts. Unternehmen müssen sich verändern, um innovativ zu bleiben. Erfolgreiche Transformation zeigt sich in etablierten Unternehmen als schrittweise Veränderung mit klarem Zielbild, ohne auf halbem Weg stehenzubleiben. Lesen Sie auchNehmen wir die Software-Transformation des Volkswagen-Konzerns als Beispiel. Der Konzern hat sich „Global Automotive TECH Driver“ als strategisches Ziel gegeben, also das Beste aus Automobil und Technologie auf globaler Ebene, disruptiv gestartet mit der Gründung von CARIAD, wo alle Aktivitäten gebündelt wurden. Nach einem schweren Start haben wir die Transformation Schritt für Schritt als Beitrag zum Umbau des Volkswagen-Konzerns vorangetrieben.Wir haben bei der Software stark nachjustiert, Silos aufgebrochen und interne Kosten drastisch gesenkt. Die Autos mit neuer Software sind nun auf dem Markt. Sie überzeugen Fachjournalisten und Kunden. Zum Beispiel führt der Volkswagen ID.7 die Verkaufsstatistik bei Elektroautos an und gewinnt Tests gegen namhafte Konkurrenz aus Europa, Korea und China. Flankiert wird dies von globalen Software-Partnerschaften der Volkswagen Group mit Rivian aus Palo Alto oder mit den chinesischen Börsen-Newcomern XPeng und Horizon Robotics.Deutsche Tech-Leader wie Oliver Blume, Christian Klein oder Roland Busch setzen historische Transformationen bereits konsequent und erfolgreich um mit dem Ziel, technologisch ganz vorn mitzuspielen. In der Politik ist die „High-Tech-Agenda Bayern“ ein gutes Beispiel der aktiven Gestaltung wirtschaftlicher Zukunft durch Innovation. Die Bundesregierung zeigt richtige Absichten für freien Handel, Entbürokratisierung und will Anreize für Leistung, Investitionen und technologische Innovation setzen. Wir hatten schon einmal einen Auto-Kanzler. Vielleicht wird Friedrich Merz ein Tech-Kanzler. Ich würde es mir wünschen.Peter Bosch ist CEO von CARIAD, der Softwarefirma des Volkswagen-Konzerns.
Wirtschaftsstandort: Doch, Deutschland kann Tech - WELT
Wenn wir unsere Stärken ausspielen, können wir uns wieder einreihen in die Führungsriege der globalen Technologie-Wirtschaft, schreibt Peter Bosch, Software-Chef von Volkswagen, in einem Gastbeitrag.






