Paul Niederstein: Ihm gehört das älteste Familienunternehmen Deutschlands wieder ganz. Foto: The Coatinc Company, Siegener AG Mittelstand: „Es fällt mir heute leichter, ein deutsches Werk zu verkaufen“ Paul Niederstein führt Deutschlands ältestes Familienunternehmen. Nun gehört es ihm auch wieder ganz, doch dafür musste er ein Tabu brechen. Ein Lehrstück über die Sorgen des Mittelstands.

Anja Müller 23.12.2025 - 07:15 Uhr Artikel anhörenKreuztal. Es wird heiß, laut und dämmerig, wenn man sich dem Zinkbad hinter den Scheiben nähert: Rostig-braune Leitplanken werden hier in das 450 Grad heiße Zink getaucht. Silbrig glänzend kommen sie wieder heraus. Ein Verfahren, das sie hier in Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein über die Jahrhunderte perfektioniert haben.Denn die Ursprünge von The Coatinc Company gehen auf das Jahr 1502 zurück. Paul Niederstein führt die Firma in der 17. Generation. Doch erst seit dem heutigen Tag gehört das älteste deutsche Familienunternehmern seiner Familie wieder komplett selbst – also zu 100 Prozent. Gerade ist der Vertrag zum Rückkauf der Minderheitsbeteiligung unterzeichnet worden, wie das Handelsblatt erfahren hat.Man könnte das knapp beschreiben als gute Nachricht in herausfordernden Zeiten. Doch die Geschichte ist viel größer: Um den Kaufpreis der Anteile zu finanzieren, entschied sich der Unternehmer eigene Verzinkereien in Deutschland und Minderheitsbeteiligungen im Ausland zu verkaufen.Niedersteins entscheidender Satz: „Es fällt mir heute leichter, ein deutsches Werk zu verkaufen, vor ein paar Jahren noch wäre mir das viel schwerer gefallen.“Niederstein will die Tradition seiner Familie bewahren, Verantwortung für die nächste Generation übernehmen – und verkauft dafür ausgerechnet Werke in der Heimat? Warum ist das so? Wieso zweifeln selbst Familienunternehmer, die seit Jahrhunderten im Land produzieren, an der Zukunft des Standorts – und was sagt das über die unternehmerische Realität in der Republik?