PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:Meinung„Verbrenner-Aus“Die Legende vom grünen ChinaVon Adrian GeigesVeröffentlicht am 19.12.2025Lesedauer: 3 MinutenFlotte vor einer chinesischen Firma für ElektroautosQuelle: Getty Images/koiguoVermeintliche Experten kritisieren Europas Abschied vom „Verbrenner-Aus“ – und behaupten, wir würden so den Anschluss an das angeblich so E-Auto-freundliche China verlieren. Dabei verfolgt man dort eine völlig andere Strategie.Das verkorkste „Verbrenner-Aus“ soll halbherzig korrigiert werden – und schon erhebt sich Geschrei, wir würden ohne das Verbot den Anschluss an China verlieren. Das Gegenteil ist wahr.Das Märchen lautet ungefähr so: China hat, anders als Trump und einige Ewiggestrige bei uns, die Bedeutung des Klimawandels erkannt. Deshalb führt es bei den E-Autos, während wir uns am Verbrenner festklammern. Eine Verschiebung oder gar ein Ende von dessen Verbot schadet nicht nur dem Weltklima, sondern auch unserer Wirtschaft. Zuletzt äußerte sich Monika Schnitzer so, die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen.Zumindest in diesem Punkt scheint sie nicht so weise zu sein – oder aber die Fakten nicht zu kennen. In China gibt es kein „Verbrenner-Aus“ und hat niemand vor, das Wachstum der Industrie durch Einschränkungen zu bremsen. Würde Schnitzers Prämisse stimmen, müsste heute die ganze Welt in Ehrfurcht vor der EU erstarren. Der Anteil der EU am weltweiten CO2-Ausstoß ist von 15,2 Prozent 1990 auf 6,0 Prozent heute gesunken. Der Anteil Chinas hat sich in der gleichen Zeit vervielfacht und liegt heute bei 35 Prozent. Ja, es stimmt, Chinas Regierung fördert die E-Mobilität. Aber nicht durch Verbote für die Industrie, sondern durch massive Subventionen für die Industrie und durch die bevorzugte Zulassung von E-Autos in den chinesischen Metropolen – wobei E-Autos im chinesischen Verständnis auch Hybridfahrzeuge einschließen, die in der EU ebenfalls verboten werden sollten. Keine E-Autos ohne Seltene ErdenDiese Politik der Kommunistischen Partei hat zwei Gründe: Zum einen soll die Luftverschmutzung in den Städten gesenkt werden. Ich selbst habe in China die Zeiten erlebt, in denen Menschen aufgrund des Smogs unter Atembeschwerden litten und keine Sterne sehen konnten. Xi Jinping hat erkannt, dass dies, ähnlich wie die Korruption, die Bevölkerung aufregt und zu Unzufriedenheit mit dem System führt. Anders übrigens als der Klimawandel, der in der chinesischen Öffentlichkeit kein großes Thema ist – „Fridays for Future“ oder eine „Letzte Generation“ sind dort unbekannt. Auch trägt der E-Auto-Boom in China wenig zur CO2-Reduzierung bei. Denn der Strom, mit dem die Wagen aufgeladen werden, stammt zu zwei Dritteln aus fossilen Energien.Der andere Grund für die kommunistische Liebe zur Elektromobilität ist ein strategischer: Keine Elektroautos ohne Seltene Erden – und bei denen hat China quasi ein Monopol und kann die ganze Welt erpressen, wie gerade geschehen. Und in der Folge dann auch mit den E-Autos. Schon jetzt werden weltweit drei Fünftel von ihnen in der Volksrepublik produziert. Lesen Sie auchDas bedeutet aber nicht, dass China den Bau von Verbrenner-Autos einschränkt. Im Gegenteil, Chinas Benziner erobern gerade die Welt. Sie werden bevorzugt exportiert, da im Inland das Interesse an Elektroautos die Überkapazitäten noch erhöht hat. Die chinesischen Autoexporte haben sich in den letzten fünf Jahren mehr als versechsfacht – und drei Viertel der ausgeführten Wagen sind Verbrenner. Das freut besonders die Länder Lateinamerikas und Afrikas, denn dort gibt es wenig Möglichkeiten, E-Autos aufzuladen. Das kommunistische China gewinnt also doppelt – wirtschaftlich und politisch. Entsprechend verliert die EU durch das Verbrenner-Aus doppelt. Und sein Einfluss auf das Weltklima liegt bestenfalls bei null, da chinesische Benziner nicht sauberer sind als europäische. Die EU sollte das geplante Verbrenner-Verbot nicht nur abmildern oder verschieben, sondern ganz aufheben. Kann gut sein, dass E-Autos die Zukunft sind. Dann setzen sie sich aber auch ohne Verbote durch. „Heute nutzt auch niemand mehr ein Tastenhandy“, argumentiert die Wirtschaftsweise Schnitzer. Doch die wurden nicht verboten. Und ebenso wenig mussten die Pferde geschlachtet werden, um dem Auto zum Siegeszug zu verhelfen.Adrian Geiges berichtete viele Jahre als Korrespondent aus China. Er ist Autor des aktuellen Buchs „Front gegen die Freiheit“ über das Bündnis von Russland und China.
„Verbrenner-Aus“: Die Legende vom grünen China - WELT
Vermeintliche Experten kritisieren Europas Abschied vom „Verbrenner-Aus“ – und behaupten, wir würden so den Anschluss an das angeblich so E-Auto-freundliche China verlieren. Dabei verfolgt man dort eine völlig andere Strategie.









