PfadnavigationHomeICONISTTrends70 Jahre „Sissi“-TrilogieDiese Filme sind brav und bieder – gerade deswegen tun sie so gutVeröffentlicht am 17.12.2025Lesedauer: 5 Minuten„Sissi, die junge Kaiserin“ mit Karlheinz Böhm als Franz Josef und Romy Schneider als Sissi ist ein Weihnachtsklassiker, der in diesem Jahr allerdings nicht mehr in der ARD läuftQuelle: picture alliance/dpa/ARD DegetoDie berühmte „Sissi“-Trilogie feiert 70. Jubiläum. Ein Besuch der ehemaligen Drehorte – zwischen Alpenkitsch und Märchenwelt – erinnert daran, warum die Filme über Kaiserin Elisabeth bis heute eine solche Faszination ausüben.Ein blauer Himmel, eine grüne Wiese, die blau-weiße bayerische Flagge. Dazu Jodel-Sounds und Bergidylle mit Vogelgezwitscher. So beginnt „Sissi“, der erste Film der berühmten Trilogie über die österreichische Kaiserin. Und so beginnt für viele auch eine geliebte Weihnachtstradition. Man erkennt das Heulen der Geigen, man lächelt beim ersten Auftritt von Romy Schneider, wenn sie wie ein leuchtender Pfeil im roten Kleid auf dem Pferd vorbeizischt. Man kennt es so gut und denkt: Ach, schön.Die Sissi-Filme, die zwischen 1955 und 1957 erschienen und Romy Schneider zum Teenie-Star machten, gehören für viele Menschen zu faulen Feiertagen wie Plätzchen-Bauchweh und Pyjamas mit Schneemann-Muster. Umso unerwarteter kam im November die Nachricht, dass die ARD, die die Filme jahrelang an Weihnachten ausgestrahlt hatte, „Sissi“ 2025 nicht mehr zeigen würde. Stattdessen laufen sie in diesem Jahr auf RTL – an Heiligabend, alle drei Teile hintereinander, natürlich mit Werbepausen. Und das in dem Jahr, in dem der erste Film sein 70. Jubiläum feiert.Ein ehemaliges Jagdschloss diente als Drehort„Es ist irgendwie nicht das Gleiche“, sagt Norbert Strambach, Head Concierge des Hotels Rosewood Schloss Fuschl in Hof bei Salzburg. Hier, in einem ehemaligen Jagdschloss aus dem 15. Jahrhundert, drehte Ernst Marischka, Regisseur der „Sissi“-Filme, Szenen für alle drei Teile. Das Schloss diente als Ersatz für Schloss Possenhofen am Starnberger See, in dem die Prinzessin Elisabeth in Bayern, die spätere Kaiserin „Sisi“, deren Spitzname sich mit einem s schrieb, große Teile ihrer Kindheit verbrachte. Ernst Marischka sei Possenhofen aber nicht schön genug gewesen. „Da stand eine Fahrradfabrik“, sagt Norbert Strambach. Also wählte er das nahegelegene Fuschl als Drehort.Eine kluge Entscheidung. Allein das Zusammenspiel aus See, Bergblick und Disney-tauglicher Schlossarchitektur hilft dabei, die Faszination für diese Filme nachzuvollziehen. Der butterfarbene Turm taucht bereits in der allerersten Szene auf. Die Säulen aus rosafarbenem Marmor in dem Salon, in dem sich Sissis Vater Herzog Max Joseph in Bayern in den ersten Minuten des Films sein Bier schmecken lässt, sieht man noch heute in der „Schloss Bar“. In der obersten Etage des Schlossturms übernachtete während der Dreharbeiten Romy Schneider, heute befindet sich darin die „Deluxe Heritage Suite“.Das Hotel weiß dieses Erbe für sich zu nutzen: Gäste können eine Tour namens „Auf Sissis Spuren“ buchen. Sie führt ins nahegelegene Bad Ischl. Hier verlobte sich Kaiser Franz Joseph I. von Österreich mit Kaiserin Elisabeth, der echten „Sisi“, und hier verbrachte das Paar zwischen 1849 und 1914 die Sommermonate. Die Kurapotheke Bad Ischl, die während der Tour besucht wird, versorgte den Hof und die Kaiserin mit Cremes und Tinkturen; bis heute fertigt man dort eigene Produkte wie Tees, Supplements und Salben an.Auch in der „Kaiservilla“, die dem Paar zur Hochzeit geschenkt wurde und als Sommerresidenz diente, wurden Szenen für die Filmtrilogie gedreht. Sie gehört noch immer den Erben der Kaiserfamilie Habsburg-Lothringen – der Urenkel von Franz Joseph I., Markus Habsburg-Lothringen, lebt dort mit seiner Familie. Und das spürt man: Anders als manche großen, blitzblank polierten Paläste fühlt sich die Kaiservilla noch immer wie ein privates Refugium an.Bei einem Besuch an einem verschneiten Tag stampfen Handwerker durch die Räume; hier und da stehen Leitern, und Böden sind abgedeckt – es wird gerade renoviert. Maximilian Habsburg-Lothringen, Ururenkel des Kaisers, führt durchs Haus. Vom Balkon im ersten Stock aus kann man das Teehaus im Park sehen, in das sich Kaiserin Elisabeth gerne zurückzog. Im Büro des Kaisers steht bis heute ein Schreibtisch, auf dem dieser 1914 das Manifest „An meine Völker“ verfasste. Damit verkündete er die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien – der Erste Weltkrieg begann.Kaiserin Elisabeth war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. „Bad Ischl war der letzte Ort, an dem sich die Kaiserin und der Kaiser gesehen haben, bevor sie 1898 starb“, sagt Norbert Strambach vom Rosewood Schloss Fuschl. Der italienische Anarchist Luigi Lucheni erstach die Kaiserin am 10. September 1898 bei einem Aufenthalt in Genf.Eine Million Mark für Teil vier – Romy Schneider lehnte abDas tragische Ende des Lebens der Kaiserin kommt in den Filmen nicht vor – ein vierter Teil war von so ziemlich allen gewünscht, nur nicht von Romy Schneider, die die damals unfassbare Gage von einer Million Mark ablehnte. Doch selbst wenn man Sissis Schicksal nach dem dritten Teil „Schicksalsjahre einer Kaiserin“ weitergedacht hätte: Einen Mord hätte man womöglich ausgelassen. Es ist längst bekannt, dass die Heimatfilm-Nostalgie, die die Marischka-Produktionen prägte, kaum etwas mit der historischen Wirklichkeit zu tun hat. Es ging um Kitsch und Eskapismus für das Nachkriegspublikum, nicht um komplexe Faktenlage oder künstlerischen Tiefgang. Sowohl Romy Schneider als auch Karlheinz Böhm, der im Film Kaiser Franz Joseph spielt, litten darunter, dass sie fortan stets mit diesen zwei etwas, nun ja, einseitigen Rollen ihrer Jugendjahre identifiziert wurden.Lesen Sie auchTrotzdem – oder gerade deswegen – schaffte es die Trilogie zu einer der erfolgreichsten deutschen Filmproduktionen überhaupt, und die Filme gelten bis heute als Klassiker. Es stimmt: Sie sind brav, bieder, altmodisch. Trotzdem, und gerade an Weihnachten, darf man sich auch mal etwas hingeben, das nicht aufregt, polarisiert oder provoziert. Ob es die rüschigen Kostüme sind, die malerischen Berglandschaften, die fast schon klamaukige Zickigkeit der von Vilma Degischer gespielten Erzherzogin Sophie, Sissis fieser Schwiegermutter: Diese 90 Minuten harmlose Ablenkung wirken wie eine Tasse Kamillentee, die nach dem schweren Weihnachtsessen einfach guttut.Lesen Sie auchDas Genre des Weihnachtsfilms lebt seit Jahrzehnten von dem „Feelgood“-Faktor, den diese Produktionen vermitteln wollen – von einer knisternden Gemütlichkeit, die sich einstellt, wenn man bestimmte Gesichter wiedersieht und bestimmte Lieder wiederhört. „Sissi“ wurde am 21. Dezember 1955 uraufgeführt. Der Mix aus Timing, opulenter Ausstattung, Heimat-Ikonografie und Märchennarrativ machte ihn zur perfekten Weihnachtsfantasie. Und die darf man sich gönnen, wenn die Wirklichkeit schon so schwer auszuhalten ist. Im Hotel Rosewood Schloss Fuschl erinnert ein kleines Museum an die Geschichte des Films. Die Eröffnungsszene des ersten Teils läuft dort in Dauerschleife – als würde Weihnachten nie aufhören.sih
„Sissi“-Trilogie wird 70: Was die Kultfilme noch heute so sehenswert macht - WELT
Die berühmte „Sissi“-Trilogie feiert 70. Jubiläum. Ein Besuch der ehemaligen Drehorte – zwischen Alpenkitsch und Märchenwelt – erinnert daran, warum die Filme über Kaiserin Elisabeth bis heute eine solche Faszination ausüben.






