PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftStarfotografWELT AM SONNTAG des Jahres – mit Werken des Künstlers Andreas GurskyVeröffentlicht am 11.12.2025Lesedauer: 3 MinutenThyssenkrupp, Duisburg, 2025 (Ausschnitt): ein Bild von Andreas Gursky. Es schmnück den Titel der aktuellen WELT AM SONNTAGQuelle: Andreas Gursky/VG Bild-Kunst, Bonn, 2025Die Bilder des Starkünstlers Andreas Gursky illustrieren die aktuelle Ausgabe der WELT AM SONNTAG. Eine Herausforderung, ein Geschenk und eine Ausgabe für Sammler.Dieses über 1000 Grad heiße Stück Stahl, gerade so weit abgekühlt, dass es seine Form behält, liegt in einer Werkshalle von Thyssenkrupp in Beeckerwerth bei Duisburg. Ein Monument der deutschen Nachkriegsindustrie, Symbol für eine Epoche unbeschwerten Wachstums und analoger Wirtschaft. Der Schöpfer des Bildes aber, der Künstler Andreas Gursky, sagt über sich: „Ich finde Intentionalität in der Kunst immer sehr fragwürdig. Und ich bin kein Bildjournalist.“ Wo es im Journalismus um korrekte Sachverhalte und klare Meinungen geht, behält sich Gursky die Freiheit des Künstlers vor, Themen abzubilden, anzudeuten, mitzudenken, ohne eine klare Aussage dazu zu treffen. Die Interpretation des Werks liegt sozusagen im Auge des Betrachters.Für diese Ausgabe der WELT AM SONNTAG hat sich der in Düsseldorf lebende Künstler doch in die Nähe des Journalismus begeben, oder besser gesagt: Er hat sich auf einen Dialog mit ihm eingelassen. Die gesamte Zeitung wird nur mit seinen Fotoarbeiten illustriert, die die Artikel kommentieren, konterkarieren oder um einen Gedankenanstoß ergänzen. Manchmal stehen sie auch nur daneben und führen ihr Eigenleben. Die gewohnte Erzählweise einer Zeitung – in der man zeigt, was man erzählt – wird hier also hinterfragt.Lesen Sie auchGursky ist einer der erfolgreichsten Künstler der Welt, seine teils sehr großformatigen Arbeiten erzielen Rekordpreise bei Auktionen, und sie hängen in den wichtigen Museen und Sammlungen der Welt. Sein Medium ist die Fotografie, wobei er seine Bilder meist aus zahlreichen Fotos digital zusammenbaut. Sein Ausgangspunkt, das ist ihm wichtig, ist die Wirklichkeit, die er jedoch in seinen Kompositionen verdichte. Für eine seiner neuesten Arbeiten, ein Konzertbild des Popstars Harry Styles, nahm er Hunderte von Bildern vom Publikum auf, sodass man jedes Gesicht in der Menge gestochen scharf sieht, den Sänger selbst jedoch nur in der Rückansicht – ein typischer Gursky-Kniff, dessen Arbeiten von lakonischem Hintersinn geprägt sind.Für die Redaktion der WELT AM SONNTAG, hoffentlich auch für ihre Leser, war dieses ein Traumprojekt und ein Glücksfall. Die Bilder von Andreas Gursky sind umwerfend schön, vielschichtig und der Welt zugewandt. Bei der Betrachtung empfehlen sich Lesebrille und etwas Geduld: Oft liegt die Pointe im Detail. Bei den Liebenden unter den Palmen auf der Seite 60 etwa handelt es sich um ein Traumpaar des Genres Superheldenfilm. Ob er die Börse in Tokio fotografiert, den Frankfurter Flughafen oder den Aletschgletscher, oft schwingen die Themen unserer Zeit mit: die globalisierte Wirtschaft oder der Klimawandel. Den Gletscher übrigens fotografierte Gursky zweimal, in den Jahren 1993 und 2024. Er hat sich in dieser Zeit fast halbiert. Der Künstler ist unermüdlich auf der Suche nach neuen, ungesehenen oder neu gesehenen Motiven, aber kehrt auch gelegentlich zurück zu alten Bildern, um den Lauf der Zeit oder der benutzten Technologie zu thematisieren. So ist diese Ausgabe der WELT AM SONNTAG ein beiderseitiges Experiment, zweifellos ein Sammlerstück – und hoffentlich eine anregende Lektüre. Sie können diese einzigartige Ausgabe hier bestellen.