PfadnavigationHomeIconJewelsHandwerkskunstDas Atelier mit dem von Diamanten umhüllten Lamborghini-SchlüsselVon Caroline BörgerManaging Editor ICON, MR ICON und DIE STILISTENVeröffentlicht am 09.12.2025Lesedauer: 4 MinutenAlles echt! Die Cocktail-Ringe sind aus der aktuellen High Jewellery Kollektion von BuchererQuelle: BUCHERERBucherer ist weltweit einer der größten Händler für Luxusuhren und Schmuck. Dabei beherrschen die Schweizer auch selbst das Metier der Fine Jewellery. Das neue Atelier in Luzern ist ein Ort, an dem sich Staunen in Inspiration verwandelt.Das Headquarter von Bucherer kommt so unprätentiös wie die meisten der großen Schweizer Marken daher. Die Begehrlichkeit entfaltet sich hinter funktioneller Architektur. Es liegt zudem mitten in einem Luzerner Wohngebiet. Nüchtern, fast abweisend, umgeben von Rasenflächen, in Laufnähe zum Vierwaldstättersee. Doch im Innern des Gebäudes ist es hell, cremefarben, einladend. Vorbei an der Security geht es in die heiligen Hallen des Unternehmens, das Carl Friedrich Bucherer 1888 gründete. 2022 entschied man, das Schmucksegment in neue Gefilde zu führen, auch in die Haute Joaillerie einzusteigen, zeigt sich das Segment doch generell auch in volatilen Zeiten stabil. Zudem ist die Kreation von außergewöhnlichen Schmuckstücken kein Neuland, schließlich waren schon Louise, Ehefrau von Gründer Carl F. Bucherer, und Schwiegertochter Wilhelmina passionierte Juwelenfans und kümmerten sich in den Anfängen des Unternehmens um den Ausbau des Schmuckbereiches. Das neue Atelier war noch eine Maßnahme von Jörg G. Bucherer, dem Enkel des Firmengründers. Ohne einen Erben verkaufte der 87-Jährige kurz vor seinem Tod 2023 den Familienbesitz an Rolex. Ein Scoop, der die Zukunft von Bucherer sichern sollte. So wie die Verpflichtung von Robert Ambord als Chief Jewellery Officer, der den neuen Luxus verantwortet. Als Goldschmiedelehrling hatte er bei Bucherer begonnen, sich über verschiedenen Stationen im Konzern hochgearbeitet, war dann 18 Jahre beim benachbarten Luzerner Juwelier Gübelin als Art Director tätig, bevor Jörg G. Bucherer ihn 2021 wieder engagierte. Die Haute Joaillerie sei nicht nur eine strategische Zukunftsentscheidung gewesen, sondern das Herzensprojekt des Patriarchen: „Ich hatte ihm erklärt, dass das alte Atelier nicht die Ausstrahlung hat, die wir anstreben. Die Produkte, die Glaubwürdigkeit, das Wissen, die Atmosphäre bilden einen Kreis, der sich schließen muss.“ Mit den neuen Kapazitäten „möchten wir nicht nur neue Maßstäbe in der Schmuckproduktion setzen, sondern auch unseren Kunden eine tiefere Verbindung zu den Kunstwerken ermöglichen, die wir erschaffen, indem wir den kreativen Prozess für sie transparent machen.“ Und so führt Ambord geradezu beschwingt durch die lichtdurchfluteten Räumlichkeiten, die auf rund 800 Quadratmeter erweitert wurden. Schon das unterstreicht die Priorisierung innerhalb des Konzerns. Lesen Sie auch35 „Spezialisten“, wie der Chef sie nennt, also Designer, Steinsetzer, Goldschmiede, Polierer, Steinexperten, werkeln konzentriert an langen Tischen, hinter Lupen, an Schleifmaschinen, an Tuschkästen. Monsieur Ambord holt Skizzen hervor, so ziemlich jeder Kundenwunsch kann hier offenbar erfüllt werden. Mit Stift, Pinsel und Wasserfarbe klassisch skizziert oder computergestützt entworfen. Sicherlich eines der bislang verrücktesten Objekte war eine diamantene Umhüllung für einen Lamborghini-Schlüssel, dessen 3D-Entwurf noch unter einer Glasglocke im Designstudio präsentiert wird. Wohin er verkauft wurde? Monsieur Ambord schmunzelt. Firmengeheimnis. Selbstverständlich. Die Wege von der Idee zum Schmuckstück können sehr unterschiedlich sein. „Manchmal werden wir von einem bestimmten Edelstein zu einem Design inspiriert, manchmal entsteht ein Schmuckstück, um eine Kollektion abzurunden, und manchmal aufgrund von Kundenwünschen.“ Ist KI auch hier ein Mitarbeiter? Die Antwort ist diplomatisch. „Es ist zurzeit eine ergänzende Thematik. Für mich nicht zwingend die inspirierende.“ In Bereichen wie Marketing und für Strategien sei es sicherlich hilfreich, im Design wiederum möchte der Chef wissen, wenn etwas mit KI entstanden ist. Das seien unterschiedliche Prozesse. Er wolle Schmuck nicht nur für „einen Anlass und auch nicht für den Tresor, sondern für den Alltag“ anbieten. Der Stil hat Schweizer Güte: „Schlicht, nicht vulgär. Nicht die Größe steht im Vordergrund, es geht mir um die Reinheit. Die großen Marken machen heute, wenn sie im High Jewellery Segment vertreten sind, fast schon Artpieces. Die gefallen mir auch, aber wir haben bisher nicht das Fundament und das ist auch nicht unser Auftrag. Momentan zumindest. Also muss ich nicht diesen doppelten Salto und Überschlag in Kreativität abbilden.“ Sagt es und lacht. Lesen Sie auchZentrum eines jeden Schmuckstück, sei es aus der Peckaboo-, Lacrima- oder Pastello-Kollektion, ist und bleibt aber der Stein. Chef-Gemmologe ist Martin Julier. Der Mann mit den eisblauen Augen trägt selbst viel Schmuck, hat ein enormes Wissen. Er reist von Messe zu Messe, hat die besten Kontakte zu Steinhändlern, sucht nach den außergewöhnlichsten Juwelen. Aktuell favorisieren Bucherer-Kunden pastellfarbene Steine: Spinelle, Turmaline, Morganite, Gelbberryllen, Amethyste. Selbstverständlich wollen sie heute alles über Qualität und Provenienz wissen. Alles in allem dauert es ungefähr ein Jahr vom ersten Pitch bis zum fertigen Schmuckstück. In dieser Ruhe liegt die Kraft. Auch in diesem Atelier.
Handwerkskunst: Das Atelier mit dem von Diamanten umhüllten Lamborghini-Schlüssel - WELT
Bucherer ist weltweit einer der größten Händler für Luxusuhren und Schmuck. Dabei beherrschen die Schweizer auch selbst das Metier der Fine Jewellery. Das neue Atelier in Luzern ist ein Ort, an dem sich Staunen in Inspiration verwandelt.







