PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolinePolitik (Ausland)Netanjahu bittet Israels Präsidenten um BegnadigungVeröffentlicht am 30.11.2025Lesedauer: 4 MinutenUS-Präsident Donald Trump (r-l), der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Israels Präsident Izchak Herzog. (Archivbild)Quelle: Evan Vucci/AP/dpaUS-Präsident Trump hat eine Begnadigung des wegen Korruption angeklagten Regierungschefs Netanjahu gefordert. Nun schreibt Netanjahu selbst ein Gnadengesuch. Israels Opposition übt scharfe Kritik.Der wegen Korruption angeklagte israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Staatspräsidenten seines Landes offiziell um Begnadigung gebeten. Das Büro des Präsidenten Izchak Herzog teilte mit, dieser habe ein formelles Gnadengesuch von Netanjahu erhalten. Es handele sich dabei um einen Brief Netanjahus und einen Brief seines Anwalts.In dem Brief Netanjahus hieß es, der Prozess gegen ihn sei zu einem «Brennpunkt heftiger Auseinandersetzungen» in Israel geworden. Er habe keinen Zweifel daran, «dass ein Abschluss des Prozesses dazu beitragen wird, die Intensität der entstandenen Auseinandersetzungen zu verringern». Der Regierungschef verwies dabei auch auf die «sicherheitspolitischen Herausforderungen und politischen Chancen, denen der Staat Israel derzeit gegenübersteht». In einer Video-Botschaft sprach Netanjahu zudem von einer «unmöglichen Forderung» der Richter, dass er dreimal in der Woche aussagen müsse.«Außergewöhnliches Gesuch mit weitreichenden Konsequenzen»Das Gesuch werde nun an eine zuständige Abteilung des Justizministeriums weitergeleitet, die die Meinungen aller relevanten Behörden dazu einholen werde, hieß es in der Mitteilung des Präsidenten. Auf der Basis werde das juristische Beratungsteam im Büro des Präsidenten dann eine weitere Meinung formulieren.«Das Büro des Präsidenten ist sich bewusst, dass es sich um ein außergewöhnliches Gesuch mit weitreichenden Konsequenzen handelt», hieß es weiter in der Mitteilung. «Nachdem alle relevanten Stellungnahmen eingegangen sind, wird der Präsident das Gesuch verantwortungsvoll und gewissenhaft prüfen.»Trump hatte Netanjahus Begnadigung gefordertUS-Präsident Donald Trump hatte Herzog dazu aufgefordert, Netanjahu zu begnadigen. Er respektiere die Unabhängigkeit der israelischen Justiz, glaube aber, dass die Anklage gegen Netanjahu politisch motiviert und nicht gerechtfertigt sei, hieß es einem von Trump unterschrieben Brief an Israels Präsidenten, den Herzogs Büro zuletzt veröffentlicht hatte. Auch bei einem Besuch in Israels Parlament im Oktober hatte Trump die Forderung geäußert.Trump schrieb, Netanjahu sei ein «beeindruckender und entschlossener Kriegsministerpräsident» gewesen und führe Israel nun in eine Zeit des Friedens. «Seine Aufmerksamkeit darf nicht unnötig abgelenkt werden», argumentierte der US-Präsident.Jahrelanger Korruptionsprozess und politische VerwerfungenGegen den Regierungschef läuft seit mehr als fünf Jahren ein Korruptionsprozess. Er ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, als Kommunikationsminister dem Telekom-Riesen Bezeq Vergünstigungen gewährt zu haben. Außerdem soll er Luxusgeschenke im Wert von umgerechnet rund 174.000 Euro von befreundeten Milliardären angenommen haben - Schmuck, Zigarren und rosa Champagner. Netanjahu beteuert seine Unschuld und hat immer wieder von einer «Hexenjagd» gesprochen.