PfadnavigationHomePolitikDeutschlandGießenAbstruse Rede im „Hitler-Stil“ – AfD-Spitze überprüft fragwürdigen AuftrittVeröffentlicht am 30.11.2025Lesedauer: 3 MinutenIn sozialen Netzwerken und bei der AfD wird gerätselt: Wer ist Alexander Eichwald, der beim AfD-Jugendkongress in Gießen mit einer Rede für Aufregung sorgte, die an NS-Reichskanzler Adolf Hitler erinnerte?Ein Mann sorgte beim AfD-Jugendkongress mit einer an Hitler erinnernden Rede für Irritationen. Die Parteispitze prüft den Vorfall. Der Kandidat für einen Posten im Vorstand, früher als „Alex Oak“ online aktiv, wich Fragen zu seiner Identität aus und betonte die Ernsthaftigkeit seines Auftritts.In sozialen Netzwerken und bei der AfD wird gerätselt: Wer ist Alexander Eichwald, der beim AfD-Jugendkongress in Gießen mit einer Rede für Aufregung sorgte, die an NS-Reichskanzler Adolf Hitler erinnerte?Auch der frisch gewählte Chef des AfD-Nachwuchses Generation Deutschland, Jean-Pascal Hohm, hatte am Tag nach dem Kongress noch keine Antwort auf die Frage. „Egal ob linker Provokateur, V-Mann oder einfach verrückt – wer so auftritt, hat in der AfD und ihrer Jugendorganisation nichts verloren“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Der Auftritt von Alexander Eichwald hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, bei Aufnahmegesprächen genau hinzuschauen, wen man in die Partei aufnimmt und wen nicht.“Eichwald hatte mit einem an Hitler oder dessen Propagandaminister Joseph Goebbels erinnernden Tonfall für Verwirrung und Kritik im Saal gesorgt. Er sprach die Teilnehmer mit „Parteigenossen und -genossinnen“ an und rief in den Saal: „Die Liebe und Treue zu Deutschland teilen wir uns hier gemeinsam“ und „es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen“.Eichwald bewarb sich mit seiner Rede um einen Posten im Vorstand der frisch gegründeten Generation Deutschland. Er unterlag zwar deutlich gegen Mitbewerber Alexander Claus, bekam aber immerhin 12 Prozent der Stimmen.AfD-intern und im Netz kam eine lebhafte Diskussion in Gang: Ein Redner im Saal stellte laut die Frage, ob Eichwald ein V-Mann des Verfassungsschutzes sei. Gefragt wurde auch, ob es sich um eine provokative Satire-Aktion – und wer hinter einer solchen Aktion stecken könnte.Lesen Sie auchDer Kandidat war früher unter dem Namen „Alex Oak“ im Netz aktiv. Als Künstler und Musiker blieb er jedoch erfolglos, seine Profile bei Amazon, Spotify und X sind inzwischen gelöscht. Einige Fotos aus dieser Zeit sind dennoch weiterhin einsehbar.Auf die Frage von „Bild“, ob er eine Kunstfigur sei oder tatsächlich als „Alex Oak“ aufgetreten sei, antwortete er: „Ich glaube nicht.“ Auf die erneute Frage, ob er nicht wisse oder ob er es nicht gewesen sei, sagte er schließlich: „Ja. Ich glaube nicht. Ich bin nicht Alex Oak.“Zudem führten „Bild“-Recherchen zu einem weiteren älteren Auftritt des Bewerbers: 2019 absolvierte er ein Praktikum bei der Gleichstellungsstelle in Herford. Ein entsprechender Hinweis findet sich weiterhin in der lokalen Presse.Parteiausschlussverfahren wird vorbereitetAfD-Chef Tino Chrupalla kündigte eine Prüfung der Daten und Mitgliedsrechte Eichwalds an, der erst seit Oktober Mitglied der NRW-AfD in Herford sein soll. Mit Inhalt sowie Art und Weise seines Bewerbungsvortrags habe sich Eichwald von den Grundsätzen der Partei distanziert, was der Bundesvorstand missbillige, so Chrupalla.Michel Schneidermann, Fraktionschef der AfD im Stadtrat Herford, sagte der „Bild“-Zeitung, er kenne Eichwald erst seit zwei Monaten und habe nichts von der Kandidatur gewusst. „Ich bereite ein Parteiausschlussverfahren gegen Eichwald vor“, sagte er. Der Auftritt sei aktive Parteischädigung gewesen. Der Kreisverband war für dpa zunächst nicht erreichbar. Eichwald hatte nach seiner Rede sein auffällig rollendes „R“ damit begründet, Russlanddeutscher zu sein. Auf dpa-Nachfrage, ob sein Auftritt ernst gewesen sei, sagte er beim Verlassen der Tagungshalle nur kurz „Ja“.dpa/cvb