PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolinePolitik (Inland)«Die Leichtigkeit ist weg» - Opfer berichten über AnschlagVeröffentlicht am 27.11.2025Lesedauer: 4 MinutenEin Blick in den Gerichtssaal auf den Platz für die Zeugen und die Glaskabine, in der der Angeklagte während der Verhandlungen sitzt. (Archivbild)Quelle: Jan Woitas/dpaMit bis zu 48 Kilometern pro Stunde raste der Todesfahrer von Magdeburg über den Weihnachtsmarkt. Sechs Menschen starben, über 300 wurden verletzt. Jetzt reden die Betroffenen im Prozess.«Es ist nicht mehr das, was es einmal war. Der Abend hat einen verändert. Diese Leichtigkeit, diese Unbeschwertheit ist weg. Es ist weg. Er hat es mir genommen.» Die zierliche 41-jährige Frau sitzt inmitten des riesigen Verhandlungssaals, neben sich ihren Anwalt und eine Zeugenbetreuerin. Sie meidet den Blick auf den Todesfahrer, der rechts von ihr in einer Glaskabine sitzt und zuhören muss. Die Bürokauffrau ist eine der ersten Betroffenen, die im Prozess um die Todesfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt aussagen. Sie tut das freiwillig.Als die Frau das Wort bekommt, kommen ihr erstmal die Tränen. Es ist still im riesigen Verhandlungssaal. Dann sprudelt es aus der Zeugin heraus. Der Feierabend war sehr schön, sagt sie. Erst wollten sie und ihr Mann gar nicht hingehen auf den Weihnachtsmarkt, dann freuten sie sich doch auf Grünkohl und Entenleber. Die Stimmung sei ausgelassen gewesen, entspannt, keine Hektik, kein Stress. Von Bude zu Bude wollten sie gehen. Dann setzt ihre Erinnerung aus. «Ich habe nichts gehört, nichts gesehen.» Umgeben von fremden Menschen sei sie wieder aufgewacht. Alles habe anders ausgesehen. «Ich habe nicht verstanden, was passiert ist.»Ihr Mann weinte bitterlich. «Du lebst, du lebst»Die 41-Jährige wurde von dem Todesfahrer erfasst. Durch den Aufprall des Wagens wurde sie von ihrem Mann getrennt. Als sie sich wiederfanden, habe er bitterlich geweint und gesagt «Du lebst, du lebst». Sie habe ein blaues Gesicht gehabt, erinnert sich die Frau, Hämatome, ein verstauchtes Bein. «Ich hatte Schmerzen ohne Ende.» Ihr Mann kämpfe bis heute mit einer Beinverletzung. Er sei in psychologischer Behandlung, sie selbst auch.