PfadnavigationHomePolitikDeutschlandGewaltaufrufe50.000 Demonstranten zu AfD-Jugendkongress erwartet – „Mir wird nichts passieren“, sagt WeidelVeröffentlicht am 27.11.2025Lesedauer: 4 MinutenZur Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation in Gießen am Wochenende wird mit massiven Protesten gerechnet. „Die Polizei ist gewappnet, mit unmittelbarem Zwang Straftaten zu verhindern“, sagt Alexander Glunz von der Deutschen Polizeigewerkschaft in Hessen.Beim Gründungskongress der neuen AfD-Jugend in Gießen soll ein massives Polizeiaufgebot für Sicherheit sorgen. Erwartet werden 50.000 Demonstranten, darunter auch gewaltbereite Gruppen. Die Linke darf eine Kundgebung abhalten, urteilte das Gericht.AfD-Chefin Alice Weidel hat Gewaltaufrufe gegen den Gründungskongress der neuen AfD-Jugend am Samstag in Gießen kritisiert. „Mir wird nichts passieren, das weiß ich“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa mit Blick auf den ihr gewährten Polizeischutz. „Aber ich mache mir immer Sorgen über die Wege, die unsere Leute gehen müssen.“ Es sei ein reiner Spießrutenlauf, wie komme man vom Hauptbahnhof zur Veranstaltungshalle, wie vom Parkplatz zum Eingang? „Das sind Fragen, die wir uns permanent vorab stellen müssen.“ Derweil urteilte das Verwaltungsgericht Gießen am Donnerstag: Die Linke darf am Samstag in der Nähe des Veranstaltungsortes eine Kundgebung abhalten. Das Verwaltungsgericht Gießen gab damit einem Eilantrag der Partei statt. Die Stadt Gießen hatte unter Verweis auf die Sicherheitslage eine Verfügung angekündigt, wonach keine Versammlungen auf der Westseite der Lahn und damit in der Nähe des AfD-Veranstaltungsortes stattfinden sollen. Dagegen war der Kreisverband Gießen der Linken vor Gericht gezogen. Die neue AfD-Jugendorganisation namens „Generation Deutschland“ will sich am 29. und 30. November in der mittelhessischen Stadt gründen. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.Verbot von Vermummung und Schutzausrüstung rechtensNach Ansicht der zehnten Kammer des Verwaltungsgerichts waren die von der Stadt verhängten räumlichen Beschränkungen nicht rechtens. Das von der Stadt Gießen verhängte Vermummungsverbot sei hingegen rechtmäßig – Gesichtsschutzmasken, Gasmasken, Schutzbrillen oder Skibrillen dürften nicht aufgesetzt werden. Die Entscheidung (Az.: 10 L 6662/25.GI) ist noch nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können dagegen Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel einlegen.Am Mittwoch war der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Thüringen mit seinem Eilantrag gegen räumliche Beschränkungen der geplanten Versammlungen vor dem Verwaltungsgericht Gießen gescheitert. Auch dieser Beschluss ist noch nicht rechtskräftig (Az.: 10 L 6655/25.GI). Bei der DGB-Kundgebung war allerdings von rund 30.000 Teilnehmern ausgegangen worden, bei der Linken-Kundgebung sind 1000 Teilnehmer angemeldet. Die Gewerkschaft hat angekündigt, Beschwerde beim hessischen Verwaltungsgerichtshof einlegen zu wollen.Protest von verschiedenen Gruppen angekündigtVerschiedene Gruppen und Gewerkschaften riefen zu Protesten auf. Das Bündnis „Widersetzen“ kündigte Blockaden der Zufahrtswege zu der AfD-Veranstaltung an. „Wir werden diese rechtsextreme Gründung verhindern. Dieses rechtsextreme Kadertreffen in Gießen darf nicht stattfinden“, sagte Suraj Mailitafi von „Widersetzen“ in einem Pressestatement der Linksfraktion im Bundestag. Fraktionschefin Heidi Reichinnek sagte, auch Abgeordnete ihrer Fraktion würden in Gießen sein.Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sagte, im Vorfeld der Veranstaltung gebe es Gewaltaufrufe seitens der linken Szene. Diese verurteile er scharf. Weidel kritisierte, würde ein Linken-Parteitag von Tausenden Rechtsextremen mit Gewaltandrohung gestört, wäre die ganze Bundesrepublik in Empörung.Lesen Sie auchDie Polizei stellt sich auf rund 50.000 Teilnehmer ein. Poseck sprach in Gießen von einer „herausfordernden Großlage“, auf die sich die Polizei seit Monaten „mit Hochdruck“ vorbereite. Der überwiegende Teil der Protestler werde voraussichtlich friedlich demonstrieren, man müsse aber auch damit rechnen, dass wenige gewaltbereite und auch gewalttätige Teilnehmer dabei sein werden. Poseck sprach von einer voraussichtlich dreistelligen Zahl solcher Teilnehmer, auch eine vierstellige Zahl sei aber nicht ausgeschlossen. Es gebe auch entsprechende Gewaltaufrufe aus dem linken Spektrum, sagte Poseck.Polizisten aus Hessen und 14 weiteren Ländern im EinsatzIm Einsatz werden Polizeihubschrauber, Drohnen, Wasserwerfer und die Pferdestaffel der Polizei sein, insgesamt sei eine mittlere vierstellige Zahl an Polizeikräften aus 14 Bundesländern sowie der Bundespolizei im Einsatz, hieß es. „Es wird hier an diesem Tag der größte Polizeieinsatz in Deutschland stattfinden“, sagte Poseck. Der Minister appellierte an die Teilnehmenden, friedlich zu protestieren, dies sei „ein Grundpfeiler der Demokratie“. Die Gegendemonstrationen dürften zudem nicht darauf ausgerichtet sein, eine andere Versammlung zu verhindern, sagte Poseck mit Blick auf die angekündigten Blockaden. Das Recht, seine Meinung kundzutun dürfe nicht dazu führen, anderen dieses Recht zu entziehen. Lesen Sie auchAuch Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) ruft die Teilnehmer von Gegenprotesten auf, friedlich zu bleiben. „Die Grenze des Erträglichen ist dort überschritten, wo zu Gewalt aufgerufen oder Gewalt eingesetzt wird.“Sein größter Wunsch sei, dass das Wochenende in Gießens Geschichtsbücher eingehe als die „größte Demonstration für Toleranz, für Freiheit und für die Werte der Demokratie“, so der Oberbürgermeister. Es bereite Sorge, dass das Vertrauen in den demokratischen Staat aktuell in Deutschland permanent zur Disposition stehe. Es gehe um die Frage, „wir wir künftig leben wollen“, so Becher: „In einer offenen, vielfältigen und freien Gesellschaft – oder in einem abgeschotteten Land, in dem viele von uns nicht mehr willkommen und vieles nicht mehr erlaubt sein würde.“ Wie in einer „Miniatur“ werde diese Debatte an diesem Wochenende nun in Gießen ausgetragen.Präsenzpflicht für Schulen in der Innenstadt am Freitag ausgesetztWegen der Proteste und der Absperrungen, die von Freitagabend an eingerichtet werden, wird für die Schulen im Gießener Innenstadtbereich sowie für Schulen in innenstadtnahen Stadtteilen am Freitag die Präsenzpflicht ausgesetzt. Die Eltern könnten entscheiden, ob sie ihre Kinder morgens zum Unterricht schicken oder nicht und dies dann wie bei einer Krankmeldung der Schule mitteilen, wie die Stadt bekanntgab. Entsprechend gelte dies für volljährige Schüler. Ein Unterrichtsangebot beziehungsweise eine Betreuung bis 13 Uhr werde in den Schulen eingerichtet.dpa/krö/saha
Gießen: 50.000 Demonstranten zu AfD-Jugendkongress erwartet – „Mir wird nichts passieren“, sagt Weidel - WELT
Beim Gründungskongress der neuen AfD-Jugend in Gießen soll ein massives Polizeiaufgebot für Sicherheit sorgen. Erwartet werden 50.000 Demonstranten, darunter auch gewaltbereite Gruppen. Die Linke darf eine Kundgebung abhalten, urteilte das Gericht.















