PfadnavigationHomePanoramaErschütternde BilderMindestens 128 Tote bei Hochhaus-Brand in Hongkong – Polizei nimmt mehrere Menschen festVeröffentlicht am 27.11.2025Lesedauer: 4 MinutenBei dem verheerenden Brand eines Hochhauskomplexes in Hongkong sind mindestens 55 Menschen ums Leben gekommen, rund 300 weitere werden vermisst. „Im Gebäude breitet sich das Feuer rasend schnell aus“, so Karl-Heinz Banse vom Deutschen Feuerwehrverband.Die Behörden in Hongkong melden nach dem Großbrand eine dramatische Bilanz: 128 Menschen kamen ums Leben, 279 gelten weiterhin als vermisst. Das Feuer erfasste mehrere Wohnblöcke und fraß sich über Bambusgerüste nach oben. Drei Verdächtige wurden festgenommen.Die Zahl der Todesopfer nach einem verheerenden Großbrand in Hongkong ist auf mindestens 128 gestiegen. Dies teilte der Sicherheitsminister der chinesischen Sonderverwaltungszone, Chris Tang, am Freitag mit. Dutzende Menschen würden weiter vermisst. Zudem galten weiterhin rund 279 Bewohner als vermisst, sagte Regierungschef John Lee am Donnerstag.Derweil suchen die Ermittler weiter nach der Ursache für den Ausbruch der Flammen. Wie die Behörden mitteilten, nahm die Polizei drei Menschen einer Baufirma mit Verdacht auf fahrlässige Tötung fest. Berichten der „South China Morning Post“ zufolge durchsuchten Beamte auch Büroräume des Unternehmens. Unter den Toten war nach Angaben der Feuerwehr auch ein Feuerwehrmann, der beim Löscheinsatz zeitweise den Kontakt zu seinen Kollegen verloren hatte und später mit Brandverletzungen gefunden wurde.Medienberichten zufolge retteten die Helfer weitere Überlebende aus den betroffenen Gebäuden. Vor Ort spielten sich dramatische Szenen ab. Eine Frau suchte verzweifelt nach ihrer Tochter und deren Vater: „Sie sind immer noch nicht herausgekommen.“ Die Feuerwehr brachte am Morgen (Ortszeit) zudem mehrere Katzen und Hunde, die überlebt hatten aus den Gebäuden, wie auf Fotos zu sehen war. Die Feuerwehr teilte mit, der Brand sei am Mittwoch um 14.51 Uhr Ortszeit gemeldet worden. Das Feuer im nördlichen Stadtteil Tai Po hatte sich über Baugerüste aus Bambus ausgebreitet und rasch auf mehrere Hochhäuser übergegriffen. Sieben der insgesamt acht Gebäude des Wohnkomplexes Wang Fuk Court standen stundenlang in Flammen. Mittlerweile brachten die Einsatzkräfte die Feuer weiter unter Kontrolle, meldeten aber noch Flammen in drei Wohnblöcken. Über den Hochhausblöcken der Wohnanlage Wang Fuk Court zogen am Donnerstagvormittag (Ortszeit) weiter dichte Rauchschwaden, während die Feuerwehr ihre Löscharbeiten von Drehleitern aus fortsetzte, wie Live-Übertragungen zeigten. Lesen Sie auchFernsehbilder vom Ort des Geschehens zeigten am Mittwoch mehrere dicht beieinander stehende Gebäude, aus deren Fenstern bei Einbruch der Dunkelheit helle Flammen und dichter Rauch quollen. Feuerwehrleute richteten aus großer Höhe von Drehleiterfahrzeugen aus Wasser auf den lodernden Brand. Aufzeichnungen zufolge besteht der Wohnkomplex aus acht Gebäuden mit fast 2000 Einzelwohnungen, in denen etwa 4800 Menschen leben. Dem Vize-Feuerwehrchef zufolge ist die Brandursache noch unklar. In Hongkong stehen einige der bewohnerreichsten und höchsten Wohnblöcke der Welt. Früher gehörten tödliche Feuer zum Alltag, insbesondere in ärmeren Stadtvierteln. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, sodass Brände in Wohngebieten heute viel seltener vorkommen. Die Behörden prüfen insbesondere die Sicherheitsstandards der traditionellen Bambusgerüste und der daran befestigten Schutznetze, mit denen alle Gebäude wegen Renovierungsarbeiten verkleidet waren. Ermittler fanden mit Polystyrolplatten – einem leicht entflammbaren Kunststoff, der häufig als Dämmmaterial verwendet wird – verbaute und teils blockierte Fenster sowie mutmaßlich minderwertige Baumaterialien. Beides könnte dazu beigetragen haben, dass sich das Feuer so schnell ausbreitete. Hongkong ist einer der letzten Orte der Welt, an dem Bambus noch in großem Umfang für Baugerüste verwendet wird.Beileidsbekundungen für die OpferNach dem verheerenden Großbrand erreichten erste Beileidsbekundungen die chinesische Sonderverwaltungsregion. „Wir stehen hinter den Menschen in Hongkong und würdigen die Stärke der Gemeinschaft und all diejenigen, die in dieser schwierigen Zeit Hilfe leisten“, schrieb das britische Generalkonsulat auf der Online-Plattform X. Hongkong war bis 1997 britische Kronkolonie. Das US-Generalkonsulat zeigte sie auf X tief getroffen von dem „tragischen Feuer“. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und all jenen, die von dem verheerenden Feuer betroffen sind“, hieß es. Wegen des Brandes wurde ein ganzer Abschnitt der Tai Po Road, einer der beiden Hauptverkehrsstraßen Hongkongs, gesperrt. Wegen der Verkehrsbehinderungen fiel an 13 Schulen der Unterricht aus. Die Wohnanlage stammt aus den 1980er Jahren und war für Renovierungsarbeiten eingerüstet. Durch den Großbrand mussten rund 900 Menschen Unterschlupf in öffentlichen Schutzräumen suchen. Regierung kündigt Inspektion aller Baustellen an Wohngebäuden anDie chinesische Regierung teilt unterdessen mit, es sei eine sofortige Inspektion aller größeren Baustellen an Wohngebäuden angeordnet worden, um die Sicherheit von Gerüsten und Materialien zu überprüfen. „Die Behörden werden weiterhin alles tun, um den Brand zu bekämpfen, die eingeschlossenen Bewohner zu retten, die Verletzten zu behandeln und die Familien der Verstorbenen, der Verletzten und der betroffenen Bewohner voll zu unterstützen“, schrieb Hongkongs Regierungschef John Lee am Donnerstag auf Facebook. Auswirkungen auf Stadtparlaments-WahlDie Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone setzte Wahlkampfaktivitäten und Veranstaltungen für die Wahl des Stadtparlaments am 7. Dezember aus. Auch eine Terminverschiebung steht im Raum.In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu tödlichen Unfällen durch Baugerüste aus Bambus. Seit März 2025 muss bei öffentlichen Bauvorhaben mindestens die Hälfte der Gerüste aus Metall sein. Private Bau- oder Renovierungsprojekte können nach wie vor Bambus verwenden.dpa/Reuters/AFP/coh/saha/gub/dp/ceb