PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungManierenDer Flugzeug-KniggeVeröffentlicht am 01.12.2025Lesedauer: 3 MinutenFirst-Class-Kabine einer Boeing 707 (um 1965)Quelle: picture-alliance/dpa/Lufthansa/rfDer Verkehrsminister der USA ruft Flugreisende dazu auf, sich besser zu benehmen. Das müsste allerdings auch für Business- und First-Passagiere gelten. Und er vergisst einen wichtigen Unterschied zu früher.In einem Werbespot wirbt US-Transportminister Sean P. Duffy für mehr Höflichkeit im Flugzeug. Der Film zeigt Szenen aus dem „Goldenen Zeitalter“ der Luftfahrt in den 1950er- und 1960er-Jahren, als Fliegen Luxus war, Herren im Flugzeug Anzug und Schlips, Damen Kostüm und Hütchen trugen, die Stewardessen wie Models und die Piloten wie Filmstars aussahen. Dagegen werden Szenen aus dem Hier und Heute geschnitten: Passagiere, die mit dem nackten Fuß den Entertainment-Bildschirm bedienen, sich beschimpfen und schlagen.„Fragen Sie sich: Helfen Sie einer schwangeren Frau mit ihrem Gepäck? Haben Sie Ihre Kinder unter Kontrolle? Zeigen Sie Respekt – auch in der Art, wie Sie sich kleiden? Sagen Sie der Kabinenbesatzung bitte und danke? Überhaupt bitte und danke?“ So Duffy. Bessere Manieren könnten ein neues Goldenes Zeitalter des Fliegens einleiten.Es wäre leicht, sich über Duffy lustig zu machen. Ihm mit einem abgewandelten Zitat von Peter Scholl-Latour zu antworten: „Wenn Sie Halle-Neustadt zum Fliegen einladen, wird Halle-Neustadt nicht luxuriös, aber der Flieger zu Halle-Neustadt.“ Oder Köln-Chorweiler, Frankfurt-Fechenheim, Berlin-Neukölln. Man könnte auch darauf hinweisen, dass Passagiere früher nicht stundenlang in lärmenden Shopping-Malls warten mussten, um dann in einer Sardinenbüchse ohne Nahrung und Getränke in eine weitere Shopping-Mall verfrachtet zu werden, wo sie erfahren, dass ihr Gepäck nicht mitgekommen ist.Lesen Sie auchDuffys Präsident, der in keinen Economy-Sitz passen würde, ist ja auch nicht gerade ein Vorbild in Sachen Höflichkeit. Man könnte aber Trumps „Reiche zuerst“-Ideologie übernehmen und sagen: Wer wenig zahlt, kriegt halt wenig. Luxus kostet. Wer Business fliegt, kriegt mehr Leistung und hat mit einer besseren Sorte Mensch zu tun. Was ich allerdings bezweifele, denn nirgendwo sieht es nach einem Flug widerlicher aus als dort, wo die Leute sitzen, die anscheinend meinen, sie hätten sich das Recht erkauft, ein Schwein zu sein.Wir wollen fast alle fliegen. Wir können uns aber nicht alle Erste Klasse leisten. Also wird’s eng. Und wo es eng wird, sind Manieren wichtig. Wer Platz hat, muss keine Rücksicht nehmen. Wer eng sitzt, möchte weder die Achselhaare des Nachbarn im Gesicht noch dessen Schweißgeruch in der Nase haben, soviel zum Respekt bei der Kleidung, aber auch nicht seinen Hintern oder Rucksack, wenn er sich im Gang etwas locker macht oder seinen übergroßen Koffer in die Ablage hineinquetscht. Nicht jeder Flug muss zu einem Darwin’schen Kampf ums Dasein ausarten.Noch einmal: Manieren sind kein Luxus. Wer Geld hat, braucht keine Manieren. Höflichkeit brauchen wir, die Holzklasse-Flieger und U-Bahn-Fahrer, die in der Schlange beim Supermarkt stehen und beim Arzt immer eine Stunde später als bestellt drankommen. Ja, ich weiß, liebe Leser: Sie sind ja immer höflich, aber die anderen … Danke trotzdem, dass Sie mit uns gelesen haben, und bis hoffentlich bald wieder bei WELT Airlines.
Manieren: Der Flugzeug-Knigge - WELT
Der Verkehrsminister der USA ruft Flugreisende dazu auf, sich besser zu benehmen. Das müsste allerdings auch für Business- und First-Passagiere gelten. Und er vergisst einen wichtigen Unterschied zu früher.






